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In Büchern schmökern trotz Sehverlust

In Büchern schmökern trotz Sehverlust

Veröffentlicht: 03/12/2013 von Stadt Offenbach

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Am 2. Dezember ging Hessens Internet-Bibliothek für blinde und sehbehinderte Seniorinnen und Senioren an den Start. „Wir freuen uns sehr, anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember mit diesem Modellprojekt an die Öffentlichkeit gehen zu können“, sagt Sylvia Beiser, Leiterin der Stadtbibliothek Offenbach. „Schließlich bedeutet jede altersbedingte Einschränkung des Sehvermögens einen harten Einschnitt für den Alltag und die Lebensqualität jedes Betroffenen.“

Dies schlägt sich nicht zuletzt in der Lesefähigkeit nieder. Was früher leicht und flüssig ging, kann mit einem Grauen oder Grünen Star oder nach einer Netzhautablösung zur quälenden Mühsal werden. „Wer mit einem Sehverlust zu kämpfen hat und gerne liest, muss nicht zwangsläufig in die oft spärlich ausgestattete Großdruck-Abteilung seiner Stadtbücherei gehen oder gar ganz zu Hause bleiben“, ergänzt Projektleiter Rudi Ullrich, Ressort-Verantwortlicher des Bereichs Kommunikation & Teilhabe der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg.

Aus diesem Grund hat die blista zusammen mit sechs hessischen Partner-Bibliotheken die „Hörbücherei vor Ort“ ins Leben gerufen - Hessens Internet-Bibliothek für blinde und sehbehinderte Seniorinnen und Senioren und andere Menschen mit Seheinschränkung. Die Idee: Wer nicht mehr lesen kann, darf hören – und hat somit die freie Auswahl aus über 40.000 Titeln, die die blista in ihrem Online-Katalog anbietet. Alle Hörbücher sind ungekürzt und kostenlos auf praktischen MP3-CDs erhältlich. „Die CDs lassen sich auf jedem handelsüblichen DVD- und CD-Player mit MP3-Funktion abspielen und sind somit äußerst benutzerfreundlich“, sagt blista-Mitarbeiter und Projekt-Koordinator Savo Ivanic. „Zumal Literatur eine enorme Lebensbereicherung ist.“ Erst recht, wenn soziale Kontakte im Alter wegbrechen und Hörbücher oft das Einzige sind, was den Betroffenen einen gewissen Halt und eine Alltagsstruktur gibt.

So wird jeder Interessierte wie gewohnt in seiner Bibliothek vor Ort beraten - und das von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für die besonderen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen geschult wurden. Daneben profitieren Betroffene von der Kompetenz der blista als Selbsthilfe-, Beratungs- und Rehabilitations-Zentrum. „Die Mitarbeiter unserer Partner-Bibliotheken sind selbstverständlich keine Ersatz-Optiker oder Reha-Berater“, betont Ullrich, „Bei Bedarf verweisen sie jeden Interessierten an uns - egal ob es sich um vergrößernde Sehhilfen oder andere Hilfsmittel für Beruf und Alltag handelt.“

Für ausführliche Informationen haben die Initiatoren des Modellprojekts mit finanzieller Unterstützung des Hessischen Sozialministeriums die Internet-Seite www.hoerbuecherei-vor-ort.de ins Leben gerufen. Hier können sich Betroffene und Angehörige neben dem Hörbuch-Angebot über alles Wissenswerte rund ums Thema Sehverlust informieren – von Hilfsmitteln über Links zu Selbsthilfe-Organisationen bis hin zum Alltag mit einer Sehbehinderung.

Neben dem Zugang zu Literatur und den sozialen Aspekten ist den Beteiligten das Thema Gleichberechtigung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein wichtiges Anliegen. Nicht zuletzt deshalb, weil die im Jahr 2009 von der Bundesrepublik Deutschland mit unterzeichnete UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen genau diese Teilhabe einfordert. Und wer käme dafür besser in Frage als die Öffentlichen Bibliotheken, Orte nicht nur des Lesens, der Bildung und Kultur, sondern auch der Begegnung von Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen, Milieus und Schichten. „Da dürfen Menschen mit Behinderung natürlich nicht fehlen!“, betont Frau Beiser, Leiterin der Stadtbibliothek Offenbach.

Das Angebot steht ab dem 2. Dezember in den Stadtbibliotheken und Stadtbüchereien von Bad Hersfeld, Gießen, Hanau, Marburg, Oberursel und Offenbach zur Verfügung.

www.familien-blickpunkt.de

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