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Scherben auf Reisen

Scherben auf Reisen

Veröffentlicht: 09/02/2017 von Stadt Rödermark

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Wenn Scherben eine Reise tun, dann können sie was erzählen – zumindest dann, wenn es sich um nicht ganz gewöhnliche Scherben handelt und ein kluger Kopf sie zum Sprechen bringt. Davon kann man ausgehen bei dem Transport, der Rödermark am Montagmorgen gen Bamberg verließ. Auf dem Beifahrersitz neben dem städtischen Boten Ralf Groh hatte Aika Diesch Platz genommen. Als Stipendiatin des von der Stadt zusammen mit der hessenARCHÄOLOGIE und der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen zur Pensionierung des ehemaligen Landesarchäologen Prof. Dr. Egon Schallmayer ausgelobten Archäologie-Stipendiums bearbeitet sie Schallmayers Grabungen im Ortskern von Ober-Roden im Rahmen ihres Promotionsstudiums an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Den städtischen Jugendbus hatten die beiden und Thomas Mörsdorf, der Leiter des Bürgermeisterbüros, mit etlichen Kisten aus dem Jägerhaus beladen. Ihr Inhalt: Keramik, Glas, Ziegel, Nägel und Eisenteile, die Schallmayer bei der Kirchgartengrabung im Jahre 1987 zutage gefördert hatte. Darüber hinaus Planskizzen, die dazu und zu allen übrigen Grabungen Schallmayers angefertigt wurden.

„Das ist der erste Schwung an Material, das ich im Jägerhaus für die wissenschaftliche Aufarbeitung vorbereitet habe“, sagte Aika Diesch vor der Abfahrt. Die Relikte der Ober-Röder Vergangenheit wurden gewaschen, wobei Diesch Hilfe von zwei NBS-Schülern bekam, und neu verpackt. In Bamberg wird sie die Funde nun dokumentieren: fotografieren, Zeichnungen anfertigen und eine Datenbank füllen, auch mit der Vielzahl an Planskizzen, die eingescannt werden. Und die junge Promovendin will die Scherben natürlich auch zum Sprechen bringen, herausfinden, wie alt sie sind und was sie über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte Ober-Rodens sagen können. „Es war von Anfang so gedacht, dass die konkrete wissenschaftliche Arbeit in Bamberg geleistet wird“, betonte Diesch. Die Universität sei dafür natürlich wesentlich besser geeignet als das Jägerhaus, wo die Schallmayerschen Funde lagern. „In Bamberg steht mir die große Bibliothek zur Verfügung und ich habe Ansprechpartner für fachliche Fragen“, betonte Diesch. Austauschen wird sie sich nicht zuletzt mit ihrem Doktorvater Prof. Dr. Ingolf Ericsson, Inhaber des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Bamberger Uni, und Prof. Dr. Schallmayer, der in die wissenschaftliche Betreuung eingebunden ist. Doch auch in Ober-Roden wird die Wissenschaftlerin weiterhin regelmäßig anzutreffen sein. Unzählige Fundstücke müssen noch für die Untersuchungen vorbereitet werden.

Aika Diesch ist weiterhin hochmotiviert, das Forschungsprojekt „Rödermark – Ober-Roden“ zu bearbeiten. Die Bearbeitung der Grabungsdokumentation, der Befunde und Funde biete die Möglichkeit, sowohl den Siedlungsbereich Ober-Roden als auch das frühkarolingische Nonnenkloster Rothaha in den Blick zu nehmen und so verschiedene Aspekte in der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Ortes zu behandeln. Ihre Forschungsaufgabe, für die sie den Doktortitel anstrebt, sei nicht nur für Ober-Roden und die hessische Landesarchäologie, sondern weit darüber hinaus von hoher Bedeutung, so Professor Ericsson bei der Vorstellung Dieschs im vergangenen Jahr. Auch Dr. Udo Recker, Prof. Schallmayers Nachfolger als Landesarchäologe, erwartete damals „besondere Erkenntnisse zur mittelalterlichen Aufsiedlung des Raumes und des Einflusses einzelner Herrschaften auf diesen, die über das lokale Beispiel hinaus von Bedeutung sein werden“.

Auf neue Erkenntnisse zur mittelalterlichen Siedlungsgeschichte von Ober-Roden freute sich auch Prof. Schallmayer. Aufgrund ihrer bisherigen Arbeit für das Gesamtthema „siedlungs-, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Untersuchung aufgrund archäologischer Funde einer Altortgrabung“ bringe Aika Diesch dazu beste Voraussetzungen mit. Fragen, wie die Menschen in Ober-Roden während des frühen Mittelalters und im Hochmittelalter gelebt haben, wie ihre soziale und wirtschaftliche Situation gewesen ist, in welchem siedlungs- , aber auch gesamtgeschichtlichen Kontext diese steht, würden sich aufgrund der Auswertung der Ausgrabungen, die zwischen 1985 und 1994 im Altort von Ober-Roden stattfanden, sowie aufgrund bereits geleisteter Vorstudien beantworten lassen.

www.familien-blickpunkt.de

Bewertungsberichte

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Linda Mohr

Linda Mohr aus Kelkheim, Hessen - 23/02/2017 00:46:49

Der "Spiegel" hat dieses Stipendium als abschreckendes Beispiel in einem Text zur Armut bei Doktoranden genannt. Und ein Gewerkschaftsvertreter nennt es den kassesten Fall, der ihm jemals untergekommen ist. http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/deutschland-doktoranden-arbeiten-in-prekaeren-arbeitsverhaeltnissen-a-1133923.html