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Zehn Jahre "Keiner fällt durchs Netz"

von Familien-Blickpunkt.de am 09/08/2017 - 10:28 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Zehn Jahre "Keiner fällt durchs Netz"

"Keiner fällt durchs Netz"

Kreis Offenbach - Das Projekt „Frühe Hilfen Kreis Offenbach - Keiner fällt durchs Netz“ feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Es wurde im Jahr 2007 unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Cierpka vom Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie der Universitätsklinik Heidelberg zunächst als Modellprojekt im Kreis Offenbach etabliert. Denn während der Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes finden sich Eltern oft in einer ungewohnten Situation wieder. Damit verbunden sind viele Fragen, Herausforderungen oder Verunsicherungen.

Hier setzt das Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ an. Es dient primär der Prävention und möchte vor allem Risiko-Familien erreichen. Diese Familien haben die Möglichkeit über den Zeitraum von einem Jahr von einer Familienhebamme oder einer Familienkinderkrankenschwester besucht, ständig betreut und unterstützt zu werden. „Die jeweilige Hebamme oder die Krankenschwester werden so zu einer zentralen Bezugsperson, die der Familie bei allen auftretenden Konflikten und Belastungen mit Rat und Tat zur Seite steht und gegebenenfalls an weitere Einrichtungen vermitteln kann“, betont der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller.

Das Projekt hat nämlich auch stets die sozialen Problematiken der Familien wie etwa Gewalterfahrungen, Verschuldung oder Suchtprobleme im Fokus und kann durch ein vorhandenes Netzwerk sowohl im psychosozialen als und im medizinischen Bereich Hilfe anbieten. „So prüfen die aktuell im Rahmen des Projektes eingesetzten sechs Hebammen und zwei Familienkinderkrankenschwestern nicht nur, ob die Gewichtszunahme des Kindes normal verläuft und ob die Ernährung und Pflege ausreichend sind“, macht Müller deutlich. „Sie schauen auch nach möglichen Anzeichen der Mutter auf eine Wochenbettdepression, geben Hilfestellung bei Entwicklungsstörungen des Kindes, aber auch bei Schrei- oder Schlafproblemen.“ Außerdem vermitteln sie die Familien bei Bedarf in Eltern-Kind-Kurse, in die Frühförderung oder organisieren eine Kindertagespflege.

Unterstützt werden die Hebammen und Krankenschwestern von derzeit fünf ehrenamtlichen Familienpaten. Sie helfen den jungen Familien bei ganz einfachen Dingen des alltäglichen Lebens. So spielen sie mit den Kindern, damit die Eltern Zeit für sich haben. Sie erklären Formulare oder bauen mit dem Vater einen Schrank für das Kinderzimmer auf. Müller: „Alle Maßnahmen zusammen führen zu einer wesentlich entspannteren Situation innerhalb der jeweiligen Familien. Unsere Erfahrungen zeigen zudem, dass man mit einer rechtzeitigen Ansprache und ein wenig menschlicher Hilfe sehr viel erreichen kann.“

Seit Beginn des Projekts wurden rund 600 Familien betreut. Insgesamt fanden über 11.500 Hausbesuche statt. Bei Beginn der Betreuung waren 47 Prozent der Frauen noch schwanger. In 27 Prozent der Fälle baten die Eltern selbst um Unterstützung. 21 Prozent der Familien wurden über den Allgemeinen Sozialen Dienst in das Projekt vermittelt. Bei 14 Prozent kam der Hinweis von Geburtskliniken. In 38 Prozent der Fälle kam der Kontakt auf Grund von Nachfragen von Beratungsstellen, Ärzten, Therapeuten oder Familienangehörigen zustande. 37 Prozent aller Betreuten sind alleinerziehende Frauen. Derzeit nutzen etwa 70 Familien das Betreuungsangebot. Besonders interessant: Die Hälfte aller Familien brauchte nach Fallbeendigung keine weitere Hilfe. Elf Prozent der Eltern wurden - nachdem das Kind ein Jahr alt wurde und das Projekt daher automatisch endete - vom Allgemeinen Sozialen Dienst weiterhin unterstützt, sechs Prozent besuchten Elternkurse, vier Prozent nahmen Kontakt zu anderen Beratungsstellen wie etwa der Suchthilfe auf.

„Das Projekt ist aus unserer Sicht ein großer Erfolg. Durch den Einsatz der Hebammen und Krankenschwestern lassen sich zahlreiche Konflikte innerhalb der Familien vermeiden oder rechtzeitig entschärfen. Die Mütter und Väter werden zudem entlastet. Darüber hinaus können wir den Eltern über unser Netzwerk der frühen Hilfen passgenau Unterstützungsangebote zukommen lassen“, so Müller abschließend. „All das kommt in letzter Konsequenz den jeweiligen Kindern zugute!“

Am 20. September 2017 findet anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Projektes im Kreishaus Dietzenbach von 14:00 bis 17:30 Uhr ein Fachtag unter dem Titel: „Keiner fällt durchs Netz“ - 10 Jahre Frühe Hilfen im Kreis Offenbach“ statt. Referenten sind der Gründervater von „Keiner fällt durchs Netz“, Prof. Dr. Manfred Cierpka, sowie Sabine Stahl, die Landeskoordinatorin der Frühen Hilfen vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. Für den Hauptvortrag am Nachmittag konnte Dr. Nicole Strüber von der Universität Bremen gewonnen werden. Sie spricht über das Thema „Frühe Kindheit aus neurobiologischer Sicht - der Einfluss von Genen und Erfahrungen auf die Hirnentwicklung“.

Darüber hinaus sucht das Team der „Frühen Hilfen Kreis Offenbach“ derzeit Verstärkung. Gesucht werden weitere ehrenamtliche Familienpaten. Vor diesem Hintergrund findet am Donnerstag, 5. Oktober 2017, zwischen 13:00 und 17:00 Uhr im Kreishaus in Dietzenbach im Raum Powiat Radomsko (1.A.10) eine Informationsveranstaltung für potentielle Interessenten statt. Wer Fragen zu der Veranstaltung oder dem Aufgabenprofil hat kann sich per Telefon 06074 8180-3236 oder per Mail [email protected] an die Koordinatorin Familienhebammen/Familienpaten beim Kreis Offenbach, Dorothee Berg, wenden.

www.familien-blickpunkt.de



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