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Die Festa del Pesce in Caorle

Fischfest Caorle 2017 © Comune di Caorle

Die Festa del Pesce in Caorle

Veröffentlicht: 17/10/2021 von girasole

» Urlaub im Blickpunkt

Im September, wenn es an den Stränden ruhiger wird und die Sonne sanfter scheint, bereitet sich Caorle, das "Kleinvenedig" der nördlichen Adria, auf ein besonderes Ereignis vor: Die zauberhafte venezianische Fischerstadt am smaragdgrünen Meer feiert das legendäre Fischfest. Ein Ereignis, das Caorle auch als Wochenend-Ziel durchaus attraktiv macht, denn der Flughafen von Venedig ist nicht weit und kann mit dem Bus schnell und günstig erreicht werden. Die "Festa del Pesce" zeigt sich dieses Jahr an zwei Wochenenden als großer Streetfoodmarkt im Freien, voll der köstlichen Genüsse und der feinen Weine der Region. An offenen Feuern begrillt, bekocht und verwöhnt werden Sie von den Fischern der Stadt und deren Frauen. Zwei von ihnen sind das Fischerpaar Egidio und Attilia. Attilia verrät uns ihre Rezepte - und gibt Einsicht in die Welt der Fischer, deren Familien, der Gefahr des Meeres und des großen Fischfests.

Feiern wie vor 60 Jahren

Caorle, diese Stadt am Meer, voller Blumen, bunter Häuser und pittoresker kleiner Gassen, lädt Einheimische und Besucher ein, an den Genüssen, Düften und Aromen dieses traditionellen Ortes der Fischer und Angler teilzuhaben. Vom 10. bis zum 12. und vom 17. bis 19. September dürfen Besucher Freitag und Samstag abends von 18:00 – 21:00 Uhr und Sonntag mittags von 11:30 bis 17:00 Uhr schlemmen, probieren, genießen und schwelgen. Das Fest wird, ganz so wie früher in den 60er Jahren, wieder an der stimmungsvollen Kulisse der Strandpromenade an der Spiaggia Levante vor der malerischen weißen Kirche Madonna del Angelo stattfinden. Essens- und Weinstände, Barkioske und Tische werden dort aufgestellt und dann wird im milden warmen Abendlicht gefeiert. Traditionelle Gerichte „wie bei der Mama“, dazu Gesang am Strand und das herrliche Gefühl, Teil einer wunderbaren Gemeinschaft zu sein.

Die Gefahren des Meeres - wie es ist, eine Fischersfrau zu sein

Mitglied dieser Gemeinschaft ist Attilia, die Frau des Fischers Egidio. So leichtfüßig, wie es beim Fest und im Hafen aussieht, ist das Leben der Fischer beileibe nicht. Attilia, mittlerweile seit 56 Jahren verheiratet und immer noch arbeitsam, erinnert sich: „Wenn die Männer draußen sind, leiden wir. Entfernung ist wie der Wind ... Ich habe so viele Opfer gebracht, weil ich allein war und so viele Sorgen wegen des Wetters hatte. Wir wussten ja nie, vor allem bei Stürmen, ob unsere Lieben nach Hause kommen. Ich stand jeden Tag am Fenster und habe das Wetter beobachtet. Auch die ungeregelten Arbeitszeiten sind strapaziös. Das Fischen beginnt oft um 1 Uhr morgens und endet am nächsten Tag um 15 Uhr. Wir fischten, wann immer das Wetter es zuließ.“

Einzigartiger Tintenfisch

Attilia erinnert sich gern an ein Ereignis, das die Familie bis heute stolz macht: „Eines Tages, an einem Ostermontag, kam Egidio mit seinem Boot und den Netzen zurück und hatte vier Zentner Tinten- und andere Fische gefangen. Es war eine große Erfüllung und Freude, die sich in unsere Familie eingeprägt hat.“ Tintenfisch gibt es hier reichlich, beispielsweise die berühmten, nur hier beheimateten Moschuskraken, die Moscardini. Der Prosecco-Produzent Sandro Bottega erwähnt sie in seinem Kochbuch. Er stellt zwei Rezepte zur Zubereitung der Moscardini di Caorle vor: Einmal traditionell, in Wasser gekocht und dann in Essig eingelegt und einmal in Olivenöl knusprig konfiert. Sandro Bottega: "Hier hat der Fang der Moscardini eine lange Geschichte und erfolgt heute auf besonders schonende Weise: Die Qualität des Produktes bleibt voll erhalten, das maritime Ökosystem wird geschont.“

Nachhaltige Fischerei aus Tradition

Auch deshalb ist die Region immer noch fischreich, trotz der Arbeit mit den Schleppnetzen, die die Böden verschlechterten. Hier in Caorle werden die Schonzeiten eingehalten und die Natur geschützt. Nach sechs Wochen Fangverbot für größere Mengen darf im September endlich wieder aus den Vollen geschöpft werden. Das Fischen und Angeln wird hier großgeschrieben. Von Generation zu Generation wird dieser traditionelle Beruf weitergegeben. Attilia: „Auch unsere beiden Söhne, Luca und Diego, sind Fischer. Der Ältere hat eine Zeit lang versucht, in einer Fabrik zu arbeiten, aber dann ist er wieder zum Fischer geworden.“ Zu verlockend war der Ruf des Meeres.

Das Leben in den Casoni, den strohgedeckten Fischerhütten

Bevor die Touristen in die Stadt kamen, lebten die Menschen hier ausschließlich vom Fischfang, in engem Kontakt mit dem Meer und der Lagune. Und das ist bis heute so. Die Casoni, die traditionellen Fischerhütten der Lagune, werden immer noch genutzt, die Fischkutter fahren täglich aufs Meer hinaus. Egidio erzählt über eine besondere Fischereitradition in der Lagune: „Im Herbst, mit der Fraima, was so viel bedeutet wie „beim nahenden Winter“, am 8. September, ziehen die Fische aus den Laichgründen ins Meer. An diesem Tag gibt es eine große Prozession, es ist das Fest der Madonna dei Fagotti (Madonna der Bündel). Die Caorlotti reisten früher mit den „Fagotti“ aus der Stadt, den Bündeln aus der Maisstrohmatratze und anderen Habseligkeiten, um mit dem Boot zu den Casoni, den strohgedeckten Fischerhütten in der Lagune zu fahren. Caorle war wie leergefegt. Die Menschen fischten in der Lagune in großen Gruppen, oft schliefen sieben Familien in einer Hütte. Ein paar Tage vor Weihnachten kehrten alle zurück. Und an Heiligabend wurden Aal gegrillt und Risotto zubereitet.“

Die Vielfalt der Lagune und des Meeres

Das Besondere an Caorle als Feinschmeckerziel ist die Tatsache, dass es sowohl die Süßwasserfische der Lagune als auch die Köstlichkeiten des Meeres bereithält. Die Lagune, die auch Ernest Hemingway so liebte und dessen Haus noch heute aus der Ferne vom Schiff aus sichtbar ist. Aus dem Meer holt die Fischer hier Vitello di Mare, das "Meereskalb", ein harmloser Glatthai, dazu Garnelen, Meeräschen, Brassen und Doraden. Und die kostbaren, dicken Jakobsmuscheln. Auch regionale Besonderheiten wie Moeche (Krebse ohne Rückenschild) die vorher beschriebenen, dunklen, handtellergroßen, aromatischen Moscardini (Moschuskraken). Und natürlich Sardinen. Vom Grill, mit gegrillter Polenta, gelten sie als sehr beliebtes Gericht. Dazu trinkt man den Lison Veneziens, einen aromatischen, trockenen Weißwein, der im Hinterland von Caorle entlang der " Strada del vino Doc Lison Pramaggiore" angebaut und gekeltert wird. Caorle ist die Stadt der Fischer und der Genüsse. Auch jetzt im Herbst, bis Ende Oktober, haben die Gastwirte und Hotelbesitzer geöffnet. Denn in Caorle gibt es mehr zu entdecken als nur den Strand.

Übrigens: Die typischen Traditions-Rezepte von Caorle finden Sie im Projekt GustaCaorle auf der Website www.caorle.eu unter der Rubrik https://www.caorle.eu/de/geniessen/caorle-geniessen/caorle-geniessen

 

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