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Druckwerkstatt soll im Bernardbau entstehen

Druckwerkstatt soll im Bernardbau entstehen

Veröffentlicht: 18/02/2020 von Stadt Offenbach

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Der Magistrat der Stadt Offenbach hat in seiner jüngsten Sitzung die Einrichtung einer Druckwerkstatt im Bernardbau beschlossen. Vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung soll das Haus der Stadtgeschichte gemeinsam mit dem Klingspor Museum bis Ende 2020 die Idee einer Druckwerkstatt im Erdgeschoss des Bernardbaus verwirklichen. Hierfür stehen rund 164 Quadratmeter Fläche der früheren EVO-Kundenberatung im ehemaligen Bürgerbüro der Stadt an der Herrnstraße zur Verfügung. Die beiden Museen sollen die öffentlich zugängliche Werkstatt in Zusammenarbeit mit der Internationalen Senefelder Stiftung (ISS) betreiben.

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke freut sich sehr über den Beschluss des Magistrats: „Offenbach hat eine bedeutende Druckgeschichte. Die können wir nun endlich besser für unsere Kultur und für unsere Stadt sichtbar machen. Das ist Werbung für Offenbach im besten Sinne.“

Der Steindruck, der knapp anderthalb Jahrhunderte als eine der wichtigsten Drucktechniken weltweit galt, war ab 1800 erstmals in Offenbach kommerziell genutzt worden. Im Offsetdruck wirkte das Verfahren bis zur Gegenwart nach, künstlerisch ist der Steindruck noch immer sehr bedeutend. Die Innovationsstadt Offenbach ist nach München, wo das Verfahren durch Alois Senefelder erfunden worden war, wichtigster Ort und Wiege dieser Technik. Dies beruht auch auf der berühmten Tatsache, dass die Witwe von Wolfgang Amadeus Mozart dem Offenbacher Musikhaus André damals den Notennachlass ihres Mannes verkaufte. Dessen Kompositionen wurden in der Folgezeit lithografisch vervielfältigt und verbreitet. Auf diesen Weg erlangte Mozart posthum und maßgeblich durch Offenbacher Unterstützung Berühmtheit.

Offenbach ist bis heute stolz auf diese Geschichte und darauf, ein bedeutender Standort der Druckindustrie zu sein. Tausende Offenbacherinnen und Offenbacher arbeiteten früher bei Mabeg, Roland oder „beim Faber“ (so auch ein Urgroßvater des Oberbürgermeisters), wie die Druckmaschinenfabrik Faber & Schleicher im Volksmund hieß. Nach Jahrzehnten als Weltmarktführer gemeinsam mit Heidelberger Druck ist manroland sheetfed nach zahlreichen Schrumpfungen bis heute der fünftgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt. Die Gießerei zählt zu den letzten großen originären Industrieproduktionsstätten in der Stadt.

Im Zuge der Bedeutung Offenbachs als Druck- und Lithografiestandort wurde auch die Buch- und Schriftkunst erheblich befördert. Mit dem Klingspor Museum ist Offenbach bis heute Heimat des einzigen Schriftkunstmuseums in Deutschland. Neben der Weltfirma manroland sheetfed ist im Kontext der Druckgeschichte auch die kaum weniger bekannte historische Schriftgießerei Gebr. Klingspor zu beachten. Klingspor sorgte zwischen 1900 und 1934 (dem Todesjahr Rudolf Kochs) für eine so nur in Offenbach bezeugte Vitalisierung des Schriftschaffens im unmittelbaren Schulterschluss zur bildenden Kunst. Der Hausdruckerei verdanken sich jene exquisiten Schriftproben, in denen die Tragweite der Schriften von Otto Eckmann und Peter Behrens zum Ausdruck gebracht ist. Bis heute inspirieren diese herausragenden Drucksachen Fachleute und Interessierte weltweit zum Besuch des Klingspor Museums.

„Nimmt man hinzu, dass heute diese Schriftproben durch das neu begründete Klingspor-Institut für Schriftgestaltung digitalisiert werden und die Druckwerkstatt der Hochschule für Gestaltung ebenso aktiv ist wie es der neuen Druckwerkstatt noch bevorsteht, wird die ungebrochene Wirkkraft der Geschichte Offenbachs in diesem Themenfeld umso offenkundiger evident“, sagt Dr. Stefan Soltek, der Leiter des Klingspor Museums.

„Offenbach wird nun einmal mehr mit wenig Geld viel bewegen, und damit die Profilierung als Stadt der Druckkultur schärfen“, so Schwenke weiter. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal Offenbachs, das ich nutzen will. Für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Gäste erwarte ich von der neuen Werkstatt interessante Angebote für alle Altersklassen.“

Neben der Ausstellung historischer Druckmaschinen soll vor allem die museumspädagogische Arbeit an und mit diesen Maschinen im Vordergrund stehen. Die Maschinen stammen aus einer 2015 erfolgten Schenkung der Bestände des Vereins „Grafische Werkstatt für Technik und Kunst Offenbach am Main e. V.“ an die Stadt. Grundlage des geplanten Angebots ist das Konzeptpapier „Offenbach am Main. Eine Stadt der Druckkultur“, welches der Leiter des Klingspor Museums, Dr. Stefan Soltek, im Sommer 2019 im Namen des Forums Kultur vorgelegt hatte. Es stieß auf großen Zuspruch seitens der Politik und der Internationalen Senefelder-Stiftung.

Die Kosten für die Einrichtung der Druckwerkstatt belaufen sich auf einmalig rund 62.410 Euro. Dieses Geld steht für Laborbecken und Installation, Werkstatteinrichtung, Werkzeuge, Werkstattmöbel, Werkstattleitungsbüro, Transporte und Dienstleistungen zur Verfügung. Das Geld stammt aus übrig gebliebenen Haushaltsmitteln des Jahres 2019. Die jährlichen Betriebskosten werden auf 10.000 Euro beziffert – die Hälfte dieser Ausgaben soll durch Einnahmen aus Eintrittsgeldern für die Werkstatt refinanziert werden. Weiterhin ist eine halbe Stelle als Werkstattleitung vorgesehen. Die Aufwendungen für diese Person betragen jährlich rund 24.000 Euro und sind im städtischen Stellenplan ab 2021 eingeplant. Für das Jahr 2020 übernimmt die Dr. Marschner-Stiftung die anfallenden Personalkosten.

Die Werkstattleitung wird in Zusammenarbeit mit den Museen und der Internationalen Senefelder-Stiftung ein Programm konzipieren. Schwenke dankt sowohl der ISS als auch der Dr. Marschner-Stiftung für ihre Unterstützung: „Diese Zusammenarbeit beweist einmal mehr, dass wir in Offenbach trotz begrenzter Ressourcen mit vereinten Kräften einiges auf die Beine stellen können und wir auf diese Weise unsere Stadt immer auch ein Stück lebens- und liebenswerter machen.“

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