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Mit Robotern und Klebstoff die Nische im Markt gefunden

Marco Rodruguez

Mit Robotern und Klebstoff die Nische im Markt gefunden

Veröffentlicht: 20/07/2018 von Stadt Offenbach

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Firmenstandort, Ideenschmiede, Arbeits-WG: Der in leuchtendem Orange gestrichene Ostpol Gründercampus in der Hermann-Steinhäuser-Straße 43-47 bietet Selbstständigen, Kreativen und Firmengründern günstige Büros mit guten Arbeitsbedingungen. Die Mietverträge haben keine festgelegte Laufzeit und nur drei Monate Kündigungsfrist, es wird keine Kaution fällig, die Infrastruktur wie Küche, Empfang und auf Wunsch auch Telefonzentrale teilen sich die Mieter. Im Jahr 2005 hat die GBO Gemeinnützige Baugesellschaft mbH aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Unternehmensgruppe das ehemalige Postwohnheim gemeinsam mit dem Amt für Wirtschaftsförderung übernommen. Es wurde nach einem Umbau vorrangig an Startup-Unternehmen vermietet, um ein neues Klientel in das Mathildenviertel zu bringen. Seiter haben dort rund 270 junge Unternehmer sich und ihr Konzept ausprobiert. Die 60 Büros mit einer Größe von 20 bis 140 Quadratmetern sind voll belegt, 211 Mieter haben den Ostpol wieder verlassen – die meisten davon, weil ihre Idee Erfolg hatte und sie nun mehr Raum brauchen. Einige dieser Erfolgsgeschichten stellt diese Serie vor.

In den heutigen Empfangsraum des Unternehmens adhesive solutions würde das erste Büro im Offenbacher Ostpol locker hineinpassen. Im Gewerbegebiet von Dreieich-Sprendlingen hat Firmengründer Marco Rodriguez großzügige Räume eingerichtet, die schon wieder zu klein werden. „Wir beraten Kunden in Sachen Klebstoff und dessen Applikation mit Robotern, die dafür programmiert werden müssen“, umreißt er seine Geschäftsgrundlage.

Der gelernte Industriemechaniker hatte nach seinem Abschluss angefangen Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren, aber immer nebenbei in der Automobilbranche gearbeitet. Ein Angebot der Firma Henkel brachte ihn in den Vertrieb von Klebstoffen. „Aber in einem großen Konzern kann man den Kunden nicht immer das Optimale bieten“, sagt er rückblickend. Er begann seine eigene Idee zu entwickeln, wie die Beratung besser aufgestellt werden könnte. Das erste Konzept entstand noch am Schreibtisch in der Ecke des heimischen Schlafzimmers in Frankfurt Oberrad. Dann suchte er nach eigenen Büroräumen und stieß bei der Internet-Recherche auf den Ostpol. „Mit meiner Frau bin ich dann sonntags daran vorbeigefahren und fand das Gebäude richtig schön“, erinnert er sich. Auch das Konzept kam ihm sehr entgegen. „Als Gründer ohne eigene Mittel wollte ich nicht viel riskieren“, sagt Marco Rodriguez. „Ich suchte in dieser Phase Unterstützung und da hat der Ostpol super gepasst.“

Anders als in anderen Gewerbeobjekten musste er sich nicht mit einem jahrelangen Mietvertrag binden. Wenn ihn Geschäftspartner besuchten, wurden sie von dem repräsentativen gemeinsamen Empfang aus weitergeleitet. „Bei der Suche nach der ersten Angestellten habe ich ebenfalls Unterstützung erhalten. Als ich erzählt habe, dass ich Verstärkung brauche, hat sich das Ostpol-Team gekümmert und mir jemanden aus dem beruflichen Umfeld vorgeschlagen, die dann auch gut gepasst hat.“ Mit den anderen Mietern im Ostpol fand er mit seiner sehr speziellen Unternehmensausrichtung zwar kaum Schnittpunkte, menschlich aber umso mehr. In der gemeinsamen Küche auf der Etage traf er immer jemanden zum Reden, es wurde freitags regelmäßig gemeinsam gekocht. Nicht nur im Ostpol selbst, auch am Standort selbst habe er sich sehr wohl gefühlt, sagt Marco Rodriguez. „Die Ecke dort in der Hermann-Steinhäuser-Straße ist schon etwas rauer, aber ich mag Offenbach total gerne und die meisten meiner Freunde kommen auch von dort.“

Adhesive solutions wuchs weiter, das Studium hatte er längst zugunsten des Unternehmens aufgegeben. Nach der ersten Mitarbeiterin kam auch bald ein zweiter Raum für die Anlagentechnik hinzu. „Wir hätten irgendwann den gesamten Flur anmieten müssen, um unseren Platzbedarf auch nur annähernd zu decken; das widerspricht aber dem Konzept des Ostpols.“ Als Kunden gewann er in dieser Zeit die Großen der Automobilbranche. „Wir zeigen ihnen, was an welcher Stelle bei der Produktion mit Klebstoffen gemacht werden kann, und wie man das in einem automatisierten Prozess hinbekommt.“ Dafür werden dann Roboter programmiert, für einen Großkunden entwirft er gerade eine Produktionsstraße mit automatisiertem Klebstoffauftrag. Außerdem werden Mitarbeiter von Unternehmen geschult, in denen Klebstoffe verarbeitet werden. Das Angebot wird stark nachgefragt. „Wir suchen händeringend Leute.“

Geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese Nische kann ihm der Arbeitsmarkt nicht von der Stange bieten, er bildet sein inzwischen auf sechs Köpfe gewachsenes Team intern für seine Geschäftsausrichtung aus. „Die meisten Kollegen kommen aus der Elektrotechnik und dem Maschinenbau“, sagt Marco Rodriguez. „Mir ist wichtig, dass meine Leute technisches Verständnis mitbringen und Lust auf etwas Neues haben.“ Das Unternehmen wächst weiter, inzwischen ist ein erneuter Standortwechsel im Gespräch. Der Firmeninhaber, der bereits einen zweiten Standort bei München eröffnet hat, denkt sogar darüber nach, ein geeignetes Gebäude bauen zu lassen, in dem auch Platz für Schulungen ist. „Das könnte auch wieder in Offenbach sein.“

An den Ostpol denkt er aber nach eigener Aussage oft und gerne zurück. „Das war so ein Arbeits-WG-Feeling, alles war noch überschaubar. Das kann ich einem Firmengründer wirklich nur empfehlen.“

http://www.klebstoffloesungen.de/

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