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Schrift in der Schwebe: "...nur von Augenblickes Dauer..." im Klingspor-Museum

Schrift in der Schwebe: "...nur von Augenblickes Dauer..." im Klingspor-Museum

Veröffentlicht: 19/05/2013 von Stadt Offenbach

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Fliegende Buchstaben, Salztropfenkristalle, mit der Umgebung verschmelzende Schriftstücke oder sich auflösende Gedichte: die vier Künstlerinnen der Ausstellung „…nur von Augenblickes Dauer…“ haben sich auf ganz unterschiedliche Weise der Zeile aus dem Gedicht von Hermann Hesse „Was der Wind in den Sand geschrieben“ genähert und in ihren Arbeiten das Flüchtige und Vergängliche in den Mittelpunkt gerückt.

Schriftkunst mal ganz anders: „Während sich das Klingspor-Museum normalerweise der im Buch gebannten Schrift widmet“, so dessen Leiter Dr. Stefan Soltek, „sind jetzt Arbeiten zu sehen, die sich dezidiert mit dem Momenthaften auseinandersetzen.“ So lotet Tanja Leonhard die vielfältigen Möglichkeiten von Schrift aus, experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien und Schreibwerkzeugen und hat in ihren aktuellen Arbeiten Seidenfahnen in der Natur installiert. Das Spiel von Licht und Schatten, die Bewegung der beschriebenen Fahnen im Wind und die umgebende Landschaft lösen die Grenzen zwischen Kunst und Natur auf. „Seidensprachen in der Natur“ nennt Leonhardt diese Verschmelzung, wenn sich der Text in die Umgebung mischt und orchestergleich mit ihr konzertiert. Ein weiteres Moment in ihrem Schaffen: die Emotionalität von Sprache. Gemeinsam mit dem stellvertretender Schulleiter der Rudolf-Koch-Schule Elmar Gerhart leitet Tanja Leonhardt die dortige Schreibwerkstatt, bei denen die Schüler mit Schreiben und Schrift experimentieren. „Sprache ist mächtig und bleibt im Bewusstsein“, meint Leonhardt und verweist auf deren emotionale Qualität.

„Time past long“. In der Arbeit von Gabrielle Hattensen löst sich das Gedicht des englischen Lyrikers Percy Bysshe Shelley (1792-1822) beinahe auf, der Druck auf Japanpapier und die Präsentation auf transparenten Ebenen machen es „durchsichtig“, es wird zu Luft und Worten. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt in die raumfüllende Installation von Ingrid Heuser, in der sie Buchstaben an kleinen Fallschirmen fliegen lässt.

Heuser lebte lange in Asien und hat dort zahlreiche Ausstellungen realisiert. Ihr Sujet sind hängende Installationen, üblicherweise Torsos. Wörter lasse sie nun das erste Mal fliegen, gesteht die Künstlerin.

Die Geschichte „Brennesseln“ von Christoph Meckel füllt das Zimmer, in der Luft, aber auch auf den gestalteten Seiten in den Vitrinen.

Ganz dem Experiment hat sich die in Köln lebende Künstlerin Nora Schattauer verschrieben: nachdem sie in den 90er Jahren mit Wachs, Öl oder Gummi gearbeitet hat, erläutert Dr. Soltek, seien es heute ausschließlich Salzlösungen, mit denen sie Blätter gestalte: „Was passiert mit Flüssigkeiten und wie dehnen sie sich aus?“ In ihren Laborbüchern dokumentiert sie akribisch den bestimmten Augenblick, in dem „es wird“.

„…nur von Augenblickes Dauer…“
vom 17. Mai bis 7. Juli 2013 im Klingspor-Museum

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