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Reiten im Schnee

Haflingerstute Romy vorm Peternhof-Reitstall

Reiten im Schnee

Veröffentlicht: 10/02/2017 von MaroPublic

» Urlaub im Blickpunkt

Romy ist eine echte Schönheit. Eine robuste, nordische Schönheit mit mediterranem Touch. Große braune Augen unter dichten Wimpern, eine üppige blonde Mähne, straffer Bauch. Dazu ein milchkaffee-brauner Teint, unter dem sich ihre gut trainierten Muskeln abzeichnen. Und wie geschmeidig sie diese in Szene setzt! Elegant und kraftvoll, verspielt und trotzdem trittsicher.

Romy liebt Laszlo, den netten Ungarn, der sie täglich striegelt, streichelt und ausführt. Romy mag auch Karotten, Salat und Süßigkeiten. Und den Schnee, dessen lustige Flocken schon seit Tagen um ihren neugierigen Nüstern wirbeln.

Ob die hübsche Haflinger-Stute auch mich sympathisch findet, weiß ich noch nicht. Es wäre aber wichtig. Denn so sehr ich die blonde Beauty auch bewundere – ich habe auch ein bißchen Angst vor ihr. Als Kind bin ich von einem Pferd in die Brust gebissen worden. Dabei wollte ich doch nur spielen! Das hat das Pferd leider anders gesehen und zugeschnappt. Obwohl es damals dort nichts zu holen gab, hat es ordentlich weh getan. Jedenfalls habe ich seither einen Höllenrespekt vor diesen kräftigen Tieren. Nicht nur ihr Gebiss, auch ihre Körpergröße und ihr Temperament schüchtern mich ein.

Erste Reitversuche

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – faszinieren mich Pferde. Ich sehe ihnen gerne zu, wie sie über ihre Koppeln sprinten und dabei aus jeder Pore Lebens- und Bewegungslust versprühen. Als ich größer wurde und meine Angst kleiner, malte ich mir aus, wie toll es sich anfühlen muss, auf einem so anmutigen Muskelpaket durch die Landschaft zu traben.

Vor ein paar Jahren habe ich das auch versucht. Wobei sich das Verb traben als viel zu „hochtrabend“ für die Gangart erwies, die dabei angeschlagen wurde. Die wenigen Meter aus dem Stall heraus zuckelte mein Pferd noch brav hinter dem des Reitlehrers her. Dann blieb es stehen. Und nichts, rein gar nichts, konnte es dazu bringen, sich wieder in Bewegung zu setzten. Und so zuckelte ich hinter dem Ross des Reitlehrers zurück in den Stall. Den Rest des Urlaubs ging ich wieder wandern.

Gutmütige Gebirgspferde als ideale Trainingspartner

Doch heute will ich mich noch einmal an einen Ausritt wagen. Mein Hotel, der Peternhof in Kössen, liegt nämlich nicht nur inmitten einer herrlichen Berglandschaft, es besitzt auch einen gut geführten Reitstall mit Haflingern. Einer Pferderasse, die für Anfänger wie mich wie geschaffen ist. Im Gegensatz zu den heißblütigen, hochgezüchteten Araberpferden sind Haflinger gutmütige Gebirgstiere. Dafür sorgt schon ihre Abstammung von den Südtiroler Hochalmen. Dort erzogen die Bergbauern die genügsamen Tiere zu braven Lastenträgern.

Außerdem sind Haflinger – großer Vorteil! – kleiner als Araberpferde. Man fällt also nicht so tief und kommt leichter rauf. Jedenfalls, wenn man einigermaßen sportlich ist. Beim Aufsteigen wünsche ich mir, ich hätte nicht nur meine Bein-, sondern auch meine Armmuskeln besser trainiert.

Laszlo führt uns an der Leine in eine tief verschneite Winterlandschaft. Klapp, klapp, klapp, geht es anfangs noch über eine schmale, vom Schnee geräumte Straße. Ich spüre die eiskalte Luft im Gesicht und den warmen Pferderücken unter mir. Schon allein dieser Kontrast ist ein Erlebnis.

Ausritt im frischen Pulverschnee

Um uns herum glitzert es weiß, soweit das Auge reicht. Auf den Wiesen liegt der Schnee gut dreißig Zentimeter hoch. Als wir in den tief verschneiten Nadelwald einbiegen, sinkt Romy fesseltief ein. Es scheint ihr nichts auszumachen, sondern großen Spaß zu bereiten, den frisch gefallenen Pulverschnee unter ihren Hufen in weißen Wölkchen davonstieben zu sehen.

Natürlich hat Romy längst gemerkt, was für ein Greenhorn sich da oben an ihren Sattel klammert. „Pferde testen sofort aus, ob jemand reiten kann“, bekräftigt Laszo und erklärt mir, wie ich die Zügel halten und was ich mit den Beinen machen muss. Am Anfang fällt mir die Koordination noch schwer, doch mit jedem Schritt gewinne ich mehr Vertrauen.

Immer weiter lockert Laszlo die Leine. In einer Lichtung lässt er sie schließlich ganz los, behält mich aber wachsam im Auge. Die Stute nutzt die Situation natürlich sofort aus, um die Kurve zurück in den Stall zu kriegen. Einen Augenblick bin ich verwirrt. Wo bitte war hier noch mal die Bremse? Und wie geht es dann weiter? „Zügel anziehen, aber nicht zu stark“, ruft Laszlo. Und dann: „Rechtes Bein, linker Zügel“. Und – welch Wunder – diesmal gelingt es mir tatsächlich, mein Pferd von meinen frisch erworbenen Führungsqualitäten zu überzeugen.

Ein volles Erfolgserlebnis

Eine halbe Stunde später bürste ich Romys Mähne und striegle ihr verschwitztes Fell. „Du bist die Allerschönste – vielen Dank für den tollen Ausflug!“ flüstere ich in ihre fuchsbraunen Ohren und kraule dabei ihren warmen Hals. Haflinger sind sehr verschmust, hat mir Laszlo verraten.

Das bin ich auch. Und so könnte mein Reitausflug mit Romy der Beginn einer wunderbaren Freundschaft unter Stuten werden. Romy, wir sehen uns wieder! Bis dahin werde ich – hoffentlich – meinen Bizeps in Form gebracht haben.

www.peternhof.com

www.familien-blickpunkt.de

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