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Wachstum hält Mobilität in Bewegung

von Familien-Blickpunkt.de am 15/05/2019 - 11:38 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Wachstum hält Mobilität in Bewegung

Kreis Offenbach - Die wachsende Bevölkerung und das Plus an Pendlern stellen den Kreis Offenbach beim Ausbau der Infrastruktur vor große Herausforderungen. Die Einwohnerzahl im Kreis ist in den vergangenen acht Jahren um 15.000 auf jetzt 353.600 gewachsen. Mit rund 130.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen gibt es heute 13.000 Jobs mehr als 2016. Tendenz steigend. Die große Dynamik im wirtschaftsstarken Kreis Offenbach und die Ziele des Klimaschutzes machen vor allem bei der Mobilität ein Umdenken erforderlich, denn auch die Zahl der Fahrzeuge erhöht sich. Vergangenes Jahr stiegen die Zulassungen im Vergleich zum Vorjahr um knapp 1,5 Prozent auf rund 270.000 Autos, Motorräder und Lkw.

Der Verkehr der Zukunft muss stärker vernetzt werden, damit er sauberer und sicherer wird. Der Ausbau der Bus- und Bahnverbindungen, die Förderung der Elektromobilität sowie die Verbesserung der Infrastruktur im Radverkehr stehen deshalb beim Kreis Offenbach ganz oben auf der Agenda. Das wurde am Montag beim elften Mobilitätsforum im Kreishaus in Dietzenbach deutlich, wo sich rund 100 Interessierte mit Verkehrsfragen und -lösungen der Zukunft beschäftigten.

Referenten waren unter anderem Dr. Christian Langhagen-Rohrbach vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Jörg Lunkenheimer, Senior Consultant der Consulting für Mobilität, Transport und Verkehr sowie Professor Dr. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt (h_da), der über die laufenden Projekte und Vorhaben im „Leitbild Mobilität der Zukunft“ des Kreises Offenbach berichtete. Professor Dr. Jürgen Follmann war bei der Ausarbeitung des Leitbildes federführend, begleitet die Umsetzung und erarbeitet für den Kreis Offenbach sowie Kommunen Konzepte zur Mobilität.

Verschiedene Projekte, die der Kreis Offenbach auf seinem bereits 2013 begonnenen Weg zu einem Leitbild Mobilität festgeschrieben hat, haben Fahrt aufgenommen. Gemeinsam mit der Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF), der Gesellschaft für Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain mbH (ivm) und der Hochschule Darmstadt (h_da) wurde ein umweltverträgliches Mobilitätsmanagement ausgearbeitet. „Für uns ist es wichtig, den Menschen Alternativen zum Auto mit Verbrennungsmotor zu bieten. Die Bedeutung von Bus und Bahn wächst. Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr deshalb leistungsfähiger, schneller und pünktlicher machen“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF) ist, beim Mobilitätsforum. „Zum Umdenken gehört auch ein Umsteigen“, betonte Landrat Oliver Quilling. „Doch das kann nur gelingen, wenn die Alternative zum Abgas produzierenden Individualverkehr umweltfreundlich, komfortabel und zuverlässig ist.“

Bei der Verbesserung der Verbindungen auf der Schiene fährt der Kreis Offenbach mehrgleisig. So sollen beispielsweise die Weichen gestellt werden für eine südmainische S-Bahnlinie, die künftig vom Kreis Offenbach aus über Offenbach nach Frankfurt-Süd und weiter zum Flughafen unterwegs ist und somit den überlasteten City-Tunnel Frankfurt umfährt. Für diese Variante hat der Kreis Offenbach mit einer Machbarkeitsstudie bereits eine erste Grundlagenermittlung und Analyse in Auftrag gegeben. Ferner kommt im Westen des Kreises Offenbach ein für die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main wichtiges Schienenprojekt in Fahrt: Die Regionaltangente West, bei der der Kreis Offenbach neben Neu-Isenburg als Gesellschafter auftritt, soll nur der Anfang sein. Ein Schienenring im Osten um Frankfurt könnte eine weitere Entlastung bringen.

Beim Busverkehr setzt die Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF) auf Komfort, Zuverlässigkeit, Qualität und Service. Mit Hilfe des Interaktiven Linienplans erhalten Kunden via Internet und somit auch auf dem Smartphone maßgeschneiderte Informationen und Routenvorschläge zu ihren gewünschten Zielen. Die Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF) bietet auch für unterwegs einen Überblick des Streckennetzes, der Radwege sowie aller Fahrpläne und informiert aktuell über die Verkehrslage. „Wir zeigen, wo es Baustellen gibt, und ebnen den Weg zu alternativen Verkehrsmitteln und anderen Mobilitätsangeboten wie Car Sharing oder Fahrrad-Verleih“, sagte Andreas Maatz, Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF).

Die kvgOF nutzt verstärkt neue Möglichkeiten der Digitalisierung. „Wir starten im Sommer ein Pilotprojekt, das den Fahrgästen ein flexibles und komfortables Mobilitätsangebot bringt“, so Aufsichtsratsvorsitzende Claudia Jäger. „ASTplus“ ist eine innovative Form des Anruf-Sammel-Taxis. Über eine App können Kunden auf ihrem Smartphone einen Kleinbus bestellen, der sie von ihrer Haustür zu einem bestimmten Zielort, neudeutsch Point of Interest, bringt. Nach einer erfolgreichen Startphase im Osten des Kreises soll das „ASTplus – bus on demand“ dann auf weitere Kommunen ausgeweitet werden. Zum Einsatz kommen sollen dabei später auch elektrisch angetriebene Kleinbusse.

Beim jüngsten Mobilitätsforum erläuterte Alexander Pilz, Regionaler Bevollmächtigter der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil, dass der Radverkehr bei der Straßenverkehrsbehörde des Landes künftig eine stärkere Rolle spielen wird. So hat Hessen Mobil eine Steuerungsgruppe Radverkehr eingerichtet, in der der Verkehrsexperte Felix Weidner die Aufgaben koordiniert.

Auch beim Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main hat das Thema Vorfahrt und ist im „Masterplan Mobilität“ fest verankert. Erster Beigeordneter und Mobilitätsdezernent Rouven Kötter stellte den Masterplan Mobilität, der 2021 fertig wird, vor. „Dieser Fahrplan soll die Verkehrswende in der Region einleiten, indem er die schon vorhandenen Ressourcen und Vorhaben aller beteiligen Akteure in gemeinsam abgestimmten Zielen bündelt. Das führt dann auch zu der Überzeugung aller, an der raschen Umsetzung der Wende mitzuwirken“, so Kötter. „Mobilität muss für alle da sein, das heißt unter anderem bezahlbar und barrierefrei, unnötiger Verkehr muss vermieden werden und der notwendige Verkehr umweltfreundlich, umfeldgerecht und wirtschaftlich sein“, sagte der Mobilitätsdezernent. Der Regionalverband setzt sich auch für ein besonderes Verkehrsmittel ein, das man aus den Bergen oder von der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz kennt: Eine Seilbahn. Diese Verkehrsvariante ist relativ kostengünstig, schnell zu realisieren und könnte vielbefahrene Hauptverkehrsstraßen entlasten.

Beim Thema Radschnellweg ist der Kreis Offenbach mit am Start. Der erste Radschnellweg Hessens führt im Westen durch das Kreisgebiet. In Egelsbach hat der Kreis mit dem Umbau der Kreuzung K 168/Schillerstraße zu einem Verkehrskreisel dafür gesorgt, dass Fahrradfahrer sicherer über die Straße kommen. Der Bau von Querungshilfen auf Kreisstraßen ist ein Schwerpunkt im Leitbild Mobilität des Kreises Offenbach, denn kleine Mittelinseln zwischen den Fahrstreifen auf breiten und vielbefahrenen Straßen verringern die Gefahr für Radfahrende, die die Fahrbahn überqueren wollen. Nach der Fertigstellung der ersten Querungshilfe auf der Kreisquerverbindung an der Kreuzung des Heusenstammer Weges bei Rodgau, wo der Radfernweg Nummer vier des Landes Hessen verläuft, sollen weitere folgen wie beispielsweise auf der Kreisquerverbindung bei Waldacker auf der K 168/Prinzessin-Margareth-Allee in Langen-Oberlinden, auf der K 168 in Egelsbach (Hans-Fleißner-Straße und Heidelberger Straße) sowie auf der K 191 in Mühlheim (Dieselstraße und Südring).

Auch im Zuge der umfangreichen Sanierung der Fahrbahn auf der K 185 in Seligenstadt wird die Verkehrssicherheit für den Fuß- und Radverkehr und insbesondere für Schulkinder erhöht. Geplant sind neue Geh- und Radwege sowie Querungshilfen. Vor allem die Verbesserungen für Menschen auf dem Rad gehen auf eine Initiative des Runden Tisches Radverkehr zurück. In diesem Gremium beschäftigen sich regelmäßig Fachleute des Kreises, aus den Kommunen, der Polizei, der Fahrradclubs und von Hessen Mobil mit Fragen der Verkehrssicherheit.

„Die Arbeitsgruppe deckt Schwachstellen im Radwegenetz auf. Der Runde Tisch Radverkehr leistet eine vorbildliche Arbeit und ist mit bis zu 40 Teilnehmern pro Treffen hessenweit einer der aktivsten und kreativsten“, so Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. Für den Kreis Offenbach ist die Förderung der Nahmobilität ein wesentlicher Bestandteil im Leitbild Mobilität. „Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und des Radwegenetzes ist mit Blick auf die Klimaschutzziele notwendig und bringt den Menschen weniger Lärm, bessere Luft und somit mehr Lebensqualität“, so Claudia Jäger abschließend.

Foto: Beim 11. Mobilitätsforum des Kreises Offenbach stellten Verkehrsfachleute Konzepte für den Ausbau des Radwegenetzes sowie der Bus- und Bahnverbindungen vor. Zu dem Treffen kamen rund 100 Besucher ins Kreishaus in Dietzenbach.

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