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Grabung am Zellhügel fortgesetzt

von Familien-Blickpunkt.de am 12/08/2016 - 11:41 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Grabung am Zellhügel fortgesetzt

Landrat Oliver Quilling und Bürgermeisterin Ruth Disser besuchen die Grabungsstelle in Mainhausen

Kreis Offenbach - Bereits zum siebten Mal ist der Zellhügel in der Gemeinde Mainhausen Ort für eine archäologische Grabung. Organisiert werden die Arbeiten, die in den drei ersten Augustwochen stattfinden und an denen sich bis zu 16 freiwillige Helfer aus dem ganzen Kreisgebiet und vier Archäologiestudenten der Uni Marburg beteiligen, vom Geschichts- und Heimatverein aus Mainhausen, die Grabungsleitung hat die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach.

„Wir freuen uns, dass es gelungen ist,“ so Landrat Oliver Quilling und Bürgermeisterin Ruth Disser, „dieses geschichtsträchtige Fleckchen Erde einmal mehr quasi unter die Lupe zu nehmen, und der Vergangenheit auf den Grund zu gehen.“ Bei der diesjährigen Grabung wurden drei Grabungsflächen freigelegt. Auf der ersten Fläche erhoffen sich die Ausgräber weitere Informationen über die Größe und das Alter der Zellkirche. Diese stand an der höchsten Stelle des Hügels und wurde im frühen 19. Jahrhundert abgebrochen. Dabei wurden auch die Steine aus dem Fundament entfernt. Die neuerlichen Ausgrabungen sind bereits so weit fortgeschritten, dass ein Teil des alten Fundamentgrabens aufgedeckt werden konnte. Kleine Stücke von Wandputz und das Bruchstück einer Bodenfliese aus dem 13. Jahrhundert weisen auf die Ausgestaltung der Kirche.

Auch auf dieser Grabungsfläche wurden, wie im vergangenen Jahr, Bestattungen auf dem zugehörigen Kirchhof entdeckt. Kindergräber liegen eng an den Außenseiten des Kirchenschiffs. Sie wurden freigelegt und in Fundlage belassen.

Die naturwissenschaftliche Datierung (C14-Datierung) der 2015 geborgenen Skelette hat ergeben, dass die Toten, drei Jungen im Alter von fünf, elf und achtzehn Jahren, im 15/16. Jahrhundert beigesetzt wurden. Daher ist anzunehmen, dass spätestens nach dem 30-jährigen Krieg keine Bestattungen mehr vorgenommen wurden.

Die beiden anderen Flächen wurden dort angelegt, wo das Bodenradar eindeutige Hinweise auf Siedlungsspuren gab. Wie schon bei den früheren Grabungen gibt es aus Kulturschichten und Abfallgruben aus allen Siedlungsperioden Scherbenfunde und eine Unmenge Knochen von Haus- und Wildtieren. Dank des sorgfältigen Suchens mit der Metallsonde konnten ebenso zahlreiche Metallfunde geborgen werden, darunter zwei interessante Münzen und eine Scheibenfibel.

Auf einer Fläche konnte ein etwa 2 Meter großer kreisrunder Befund freigelegt werden. Hierbei handelt es sich um eine Kalkgrube, in der wohl Branntkalk gelöscht wurde. Kalk wurde für viele Dinge, vor allem für die Herstellung von Mörtel und Wandputz gebraucht.

In den vergangenen Kampagnen wurden sowohl spätbronzezeitliche als auch römische und mittelalterliche Siedlungsspuren auf dem Zellhügel festgestellt. Spektakulär war die Entdeckung eines steinernen Kellers, der mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem karolingischen Herrenhof gehörte. Außergewöhnliche Fundstücke belegen, dass im 9. Jahrhundert hier der damalige Hochadel verkehrte. Von besonderem Interesse ist, dass in derselben Zeit Einhard in nur drei Kilometer Entfernung das Kloster Seligenstadt gründete.

Eine weitere spektakuläre Entdeckung war, dass dieser karolingische Herrenhof im frühen 10. Jahrhundert zu einer massiven Befestigung ausgebaut wurde. Die bautechnische Ausführung und die dendrochronologische Datierung gefundener Eichenhölzer weisen sie als eine der typischen „Heinrichsburgen“ aus. Diese wurden nach dem Reichstag von Worms 926 nach der sogenannten Burgenbauordnung Heinrichs I. zum Schutz vor den fast jährlich in das Land einfallenden ungarischen Reiterhorden errichtet. Waren die Konradiner, denen in der fraglichen Zeit das Kloster Seligenstadt gehörte, auch die Bauherren am Zellhügel?

Bei den früheren Grabungen wurden über 1.000 Quadratmeter archäologisch untersucht, nun kommen etwa 290 Quadratmeter hinzu. „Die Arbeiten sind nur möglich,“ bedanken sich der Landrat und die Bürgermeisterin bei allen Beteiligten, „weil sich viele ehrenamtlich einsetzen und kostenlos Leistungen zur Verfügung stellen. Das gilt für die unermüdlichen Mitglieder des Geschichtsvereines ebenso wie für die Studenten oder das ortsansässige Unternehmen, das unentgeltlich baggert. Auch die Einwilligungen von Grundstückseigentümern und Landwirten sind Voraussetzung, dass die für die mittelalterliche Regionalgeschichte äußerst bedeutende Fundstelle untersucht werden kann.“

Für die Restaurierung der Metallfunde, für die Untersuchungen der Anthropologen, für die dendrochronologische Datierung, für die C14- und für die Strontium-Isotopen-Analyse müssen erhebliche Mittel aufgewendet werden. Nur institutionelle und private Spenden haben diese wissenschaftliche Nachbereitung ermöglicht.

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