Magazin

Lob für Vermittlung Langzeitarbeitsloser

von Familien-Blickpunkt.de am 09/01/2015 - 10:29 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Lob für Vermittlung Langzeitarbeitsloser

Örtlicher Beirat mit der Umsetzung der Hartz-Reformen im Kreis zufrieden

Kreis Offenbach - Der örtliche Beirat der Pro Arbeit zeigte sich auf einer Pressekonferenz am Donnerstag im Kreishaus in Dietzenbach sehr zufrieden mit der Umsetzung der Hartz-IV-Reformen im Kreis Offenbach. Der örtliche Beirat der Pro Arbeit besteht aus Vertretern von IHK, Handwerk sowie Verbänden und steht dem Sozialdezernenten sowie dem Vorstand der Pro Arbeit bei wichtigen Entscheidungen mit Rat und Tat zur Seite.

„Seit nunmehr zehn Jahren ist der Kreis Offenbach Optionskommune. Wir als Beirat sind der Meinung, dass die Hartz-IV-Reformen im Kreis Offenbach außerordentlich erfolgreich umgesetzt worden sind“, betonte der Beiratsvorsitzende Helmut Geyer. „Die Vermittlungsergebnisse stimmen, die angebotenen Qualifizierungen und Schulungen orientieren sich an der gesellschaftlichen Realität und den Bedürfnissen der Langzeitarbeitslosen. Zudem geht der Kreis immer wieder einzelne Zielgruppen an und entwickelt individuelle Konzepte – beispielsweise für Alleinerziehende, Jugendliche oder Menschen über 50 Jahre.“

Der ehemalige Geschäftsführer der Kreishandwerkskammer bezeichnete darüber hinaus die Herangehensweise des Kreises bei den sogenannten Ein-Euro-Jobs als „beispielhaft!“ Hier hatten Kreis und IHK eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet. Geyer: „Was dem Arbeitsmarkt und den mittelständischen Unternehmen in der Region nützt, das nützt auch automatisch den Langzeitarbeitslosen. Deshalb war es richtig, dass Kreis und Wirtschaft bei diesem Thema an einem Strang ziehen. Mit dem Ergebnis, dass im Kreis Offenbach dank einer festgelegten Positivliste bei der Umsetzung von Arbeitsgelegenheiten keine sozialversicherungspflichtigen Jobs in Gefahr geraten!“

Auch generell sieht Geyer den Kreis, in punkto Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, auf einem sehr guten Weg. „Es wurden in den vergangenen Jahren die richtigen Weichen gestellt“, so Geyer. Nicht umsonst liege die aktuelle Arbeitslosenquote im Kreis bei lediglich 4,8 Prozent. Der Kreis nähere sich damit langsam aber stetig einer statistischen Vollbeschäftigung, wie es sie beispielsweise seit längerem im Kreis Starnberg oder dem Landkreis Bodensee gebe. Und das trotz einer ungleich schwierigeren Bevölkerungsstruktur, machte Geyer deutlich.

Zugleich kritisierte der ehrenamtliche Richter am Landessozialgericht den Bund. Aus Berlin, erklärte Geyer, kämen immer neue bürokratische Vorgaben. Dadurch würden die Mitarbeiter gezwungen, mehr Zeit in Dokumentationsvorschriften und Steuerungsvorgänge zu stecken, statt in ihre eigentliche Arbeit: die Weiterbildung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen!

Der Beiratsvorsitzende mahnte zudem in Berlin eine größere Zuverlässigkeit bei der Mittelvergabe an. Oftmals würden Budgets willkürlich umgeschichtet, gekürzt oder sie fielen ganz weg. Damit werde die Arbeit vor Ort immer wieder erschwert. Ein Beispiel sei für ihn das Projekt 50PLUS, das Ende des Jahres ausläuft, weil Berlin keine Mittel mehr zur Verfügung stellen will. Geyer: „Wir als Beirat halten diese Entscheidung für einen Fehler.“ Denn gerade dieses Projekt habe entscheidend zu einer anderen Wahrnehmung älterer Arbeitnehmer innerhalb der Personalabteilungen beigetragen.

Sozialdezernent Carsten Müller nutzte die Pressekonferenz, um einen höheren Mindestlohn ins Spiel zu bringen. Müller: „Die tägliche Praxis zeigt, dass bei vielen Menschen ein Mindestlohn von 8,50 Euro nicht ausreicht, um sie aus dem Hartz-IV-Bezug zu bringen. Ein nicht zu unterschätzender Teil von Vollzeitbeschäftigten bekommt aufstockende Leistungen. Unternehmen legen somit nach wie vor ihre Kosten auf den Steuerzahler um. Um das künftig zu verhindern, müsste der Mindestlohn unseren Berechnungen zufolge auf Grund der hohen Lebenshaltungskosten im Rhein-Main-Gebiet auf etwa 10,50 Euro angehoben werden!“

Der Kreisbeigeordnete sprach im Zusammenhang mit dem Mindestlohn auch von einem „Kardinalfehler“ bei der Einführung von Hartz IV. „Schon damals hätte es einen Mindestlohn geben müssen. Dies habe man leider versäumt, so dass sich ein fragwürdiger Niedriglohnsektor ausbreiten konnte“, sagte Müller. Zudem müsse seines Erachtens noch stärker darauf geachtet werden, wie lange jemand gearbeitet hat. Es könne nicht sein, dass ein Opelarbeiter nach 20 Jahren am Fließband fast genauso behandelt wird, wie ein 23-Jähriger, der noch nie einen festen Job hatte.

Grundsätzlich jedoch seien die Arbeitsmarktreformen der damaligen Bundesregierung aber der richtige Weg gewesen, betonte der Sozialdezernent. Das zeige der bundesweite Rückgang der Zahl der Arbeitslosen um rund 40 Prozent. Hessenweit hat sich zudem die Zahl der Hartz-IV-Bezieher seit Einführung der Arbeitsmarktreformen um 50.000 auf zuletzt rund 118.000 Arbeitslose (Stand November 2014) reduziert. Auch im Kreis Offenbach ging die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 2007 von rund 7.700 auf derzeit 5.200 zurück.

Ein ähnlicher Rückgang sei innerhalb der nächsten Jahre jedoch nicht mehr zu erwarten. Man sei - abgesehen von den Aufstockern - bei einer gewissen Kernklientel angelangt, so Müller abschließend. „Viele derjenigen, die heute Hartz IV beziehen, haben zwei oder mehrere Vermittlungshemmnisse. Das können gesundheitliche oder mentale Probleme sein. Ein beträchtlicher Teil hat zudem keinen Schulabschluss oder weist gravierende Sprach- und Verständigungsprobleme auf. Diese Menschen sind nur sehr schwer in die Arbeitswelt zu integrieren!“

www.familien-blickpunkt.de



Kommentare


Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

*Name:
*E-Mail:
Website:
*Kommentar:
  Bitte geben Sie den Text, den Sie links im Bild sehen, in das Textfeld ein. Hierdurch werden automatische Kontaktanfragen verhindert.
Bild mit dem Bestätigungscode kann nicht angezeigt werden