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Pflegereform: Sozialminister fordert bessere Leistungen für Demenzkranke und deren Angehörige

von Familien-Blickpunkt.de am 17/01/2012 - 15:03 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Pflegereform: Sozialminister fordert bessere Leistungen für Demenzkranke und deren Angehörige

Wiesbaden (hsm) - Einen besseren Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung für Demenzkranke und Hilfebedürftige fordert der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner. „Möglichst frühe Hilfen der Pflegeversicherung würden Überforderungen oder kritische Situationen in der häuslichen Pflege von Demenzkranken vermeiden helfen und damit auch Angehörige entlasten“, erklärte Grüttner heute in Wiesbaden. Derzeit benachteilige die Pflegeversicherung strukturell Demenzkranke und Hilfebedürftige mit einem besonderen Betreuungsbedarf. „Bei der Feststellung einer Pflegestufe werden die besonderen Bedürfnisse der Anleitung, Beaufsichtigung und Betreuung bei Demenzkranken nicht angemessen berücksichtigt“, so Grüttner weiter.

Bereits seit 2009 liege das Gutachten eines Beirates zur Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs vor, der hier Abhilfe schaffen könnte. „Die Umsetzung des von den Fachverbänden und den Ländern getragenen Gutachtens ist längst überfällig. Dies muss Bestandteil der vom BMG angekündigten Reform der Pflegeversicherung werden“, betonte der Hessische Sozialminister.

Grüttner wies darauf hin, dass nach dem Demenz-Report 2011 des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung derzeit 1,3 Millionen Menschen unter Demenz leiden. Bis zum Jahr 2030 soll sich die Anzahl der pflegebedürftigen Demenzpatienten auf etwa 2 Millionen Menschen erhöhen. Vor diesem Hintergrund sei eine rasche Lösung angezeigt. Die erforderlichen Leistungsverbesserungen würden zwar zu einem Anstieg des Beitragssatzes in der Pflegeversicherung führen, so der Minister weiter. „Dies ist aber zur Stärkung der häuslichen Pflege dringend notwendig. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen wünscht, zuhause betreut und gepflegt zu werden. Diesem Wunsch nach selbstbestimmtem Leben trotz Hilfebedürftigkeit muss der Gesetzgeber Rechnung tragen, indem die Leistungen der Pflegeversicherung häusliche Betreuungssituationen besser stützen.“

Moderne Sozialpolitik müsse eine aktivierende Wirkung auf die Menschen haben, erklärte Grüttner. „Aktivierende Sozialpolitik ist der richtige Schritt in eine sichere Zukunft mit gleichzeitiger Teilhabe und Verantwortung. Der moderne Sozialstaat sollte nicht alimentierende Fürsorge betreiben, sondern vor allem aktivierend und motivierend auf die Menschen wirken.“ Dies gelte auch für den Pflegebereich. „Hier setze ich mich für eine Stärkung von Prävention und Rehabilitation ein. Prävention kann Pflegebedürftigkeit verhindern, zeitlich aufschieben oder in ihren Auswirkungen begrenzen. Gleiches gilt für die Rehabilitation, die gerade für ältere Menschen ein Weg sein kann, ihre gesundheitliche Situation zu verbessern.“ Der Rahmen hierfür sei eine aktivierende Seniorenpolitik, erläuterte der Sozialminister. „Ältere Menschen verfügen über wertvolle Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft. Die weitere Entwicklung unserer alternden Gesellschaft wird entscheidend davon abhängen, ob sich diese Potenziale ungehindert entwickeln und entfalten können.“ Eine aktivierende Seniorenpolitik müsse ältere Menschen stärker in das Arbeitsleben integrieren und deren Lebenserfahrung und Wissen für die Gesellschaft nutzen, erklärte Grüttner. „Mit der derzeit laufenden Seniorenpolitischen Initiative will die Hessische Landesregierung neue Bilder des Alterns gesellschaftlich etablieren. Nicht nur die mit dem Alter eintretenden Defizite sollen dabei im Fokus stehen, sondern auch die Potenziale einer immer größer werdenden älteren Bevölkerungsgruppe für die Gesellschaft“, so Sozialminister Grüttner abschließend.

Familien-Blickpunkt.de



Kommentare


23/01/2012 - 17:27

Warum sollte man nicht seinen Angehörigen pflegen dürfen, wenn gerade er es verlangt, und nicht ins Heim möchte? Dazu bedarf es aber einiger kompletter Einsichten der Politiker.
Pflegende Angehörige sollten nicht in das Hartz IV – Raster gehören, da sie mit dieser schweren Arbeit eine sehr große gesellschaftliche Rolle spielen. Die finanziellen Entlastungen für die Pflegekassen sind nicht zu unterschätzen. Jedem pflegenden Angehörigen stehen alle Rechte und Freiheiten zu, welche durch Hartz IV und den Bezug von ALG II nicht gegeben sind und die Handlungsfähigkeiten der pflegenden Angehörigen sehr stark eingrenzt. Eine entsprechende Anerkennung durch die Angleichung des Pflegegeldes an die Pflegesachleistung und Durchsetzung aller Rechte für pflegende Angehörige ist schnellstens geboten.
»Wenn die öffentliche Hand für einen Heimplatz ( Stufe III ) rund 3200 Euro zahlt, reicht hier die Hälfte«. Damit käme man aus der "Hartz-IV - Armuts - Falle" heraus und so ließen sich »Zwei Drittel der Probleme im Pflegebereich mit einem Streich lösen«.
Kein Pflegender Angehöriger verdient es in Hartz IV zu sein!
Ein Pflegentgeld in Höhe der Pflegesachleistung, wovon alle Sozialabgaben geleistet werden, ermöglicht ein humaneres Leben für alle Pflegenden Angehörigen und entlastet das Pflegekräftemangelproblem bedeutend. Im Ausland macht man es uns schon vor. ( Bsp.: Österreich )
Jeder kann die Einsparungsrechnung mit einem normalen Mathematischen "Drei – Satz“ nachvollziehen.
Für eine Person (Stufe III) im Heim : = 3200 € Pflegesachleistung einschließlich Zuzahlung.
Für eine Person (Stufe III) zu Haus: = 1500 € Pflegegeld für Pflegende Angehörige ( …mit allen sozialen Abgaben inbegriffen), statt 440€ Pflegegeld allein.
Das wäre pro einer gepflegten Person eine Einsparung von: 1700 €, gegenüber eines Heimplatzes. Dies muss man nur einmal auf die Millionen Pflegebedürftigen, welche von ihren Angehörigen gepflegt werden, umrechnen. Die eingesparte Summe, welche dabei herauskommt, bedarf keines Kommentares mehr.
Außerdem wäre es ein humaneres Leben mit mehr Anerkennung für die Leistungen der pflegenden Angehörigen, welche bislang noch mit Hartz-IV und Weniger leben müssen

22/01/2012 - 21:47

Herr Bahr lügt,wenn er behauptet,es sei kein Geld da für die Pflege.Was ist mit den Geldern,die von pflegenden Angehörigen nicht für Pflegesachleistungen abgerufen werden.Es sollten endlich Pflegesachleistungen finanziell abgegolten werden.Auch dabei bleiben die Angehörigen der billigste und effizienteste Pflegedienst Deutschlands.Es nutzt mir nichts,wenn die Minutenpflege der ambulanten Dienste nicht mit dem Krankheitsbild meiner Frau(geistig schwer behindert nach Hirninfarkt)vereinbar sind.Von einem gelernten Banker haben wir ohnehin nichts zu erwarten.

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