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Vierbeiniger Assistent unterstützt Dezentrale Schule

von Familien-Blickpunkt.de am 15/07/2015 - 10:44 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Vierbeiniger Assistent unterstützt Dezentrale Schule

Kreis Offenbach - Seit einigen Wochen hat das Kreishaus in Dietzenbach einen eher ungewöhnlichen Mitarbeiter. Er hat braunes Fell, ist bekannt für sein freundliches, ruhiges Wesen und hört auf den schönen Namen Romeo. Seine Leinenführung ist ausgezeichnet und der fünfjährige Eurasier hat auch schon mit Erfolg die Junghundeschule sowie einen Erziehungskurs absolviert.

Das ist wichtig, denn Romeo ist der erste Diensthund der Kreisverwaltung. Seine Besitzerin Cornelia Conradi ist Lehrerin an der Dezentralen Schule des Kreises Offenbach mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Sie begleitet ihre Schülerinnen und Schüler regelmäßig während des Unterrichts an den jeweiligen “Stammschulen“.

Derzeit arbeitet Cornelia Conradi an zwei Grundschulen sowie an zwei weiterführenden Schulen mit insgesamt fünf Mädchen und Jungen. Mit ihr zusammen soll Romeo die soziale und emotionale Kompetenz der einzelnen Kinder stärken. Mensch und Tier bilden im Unterricht ein Team.

Tiergestützte Pädagogik nennt sich der Ansatz. Er eignet sich besonders für Schülerinnen und Schüler, die unter Bindungsstörungen leiden, emotionale, soziale oder motorische Entwicklungsverzögerungen aufweisen oder traumatisiert sind.

Einmal pro Woche assistiert Romeo Cornelia Conradi eine Stunde lang; entweder im Rahmen einer Einzelstunde, in der Cornelia Conradi zunächst den Unterrichtsstoff durcharbeitet, bevor sich der jeweilige Schüler mit Romeo beschäftigen darf oder gleich inmitten einer ganzen Klasse.

„Die Schüler lernen so, Ängste zu überwinden, Neues auszuprobieren aber auch die Folgen ihres eigenen Handelns besser wahrzunehmen. Gleichzeitig werden die Frustrationstoleranz, die Teamfähigkeit und damit letztlich das Selbstbewusstsein der betreffenden Kinder gestärkt“, begrüßt Landrat Oliver Quilling den Einsatz des vierbeinigen Assistenten.

Die ersten Erfahrungen sind denn auch durchweg positiv. „Hunde entspannen allein durch ihre Anwesenheit im Klassenzimmer das Unterrichtsklima. Sie vermitteln Spaß und Freude, das Aggressionspotential wird vermindert. Die Zufriedenheit der Schüler steigt, was sich automatisch auf die Lernerfolge niederschlägt“, schildert Cornelia Conradi ihre Eindrücke.

Die Kinder lernen durch das Tier zudem Respekt und Achtung, denn sie erhalten durch den Hund eine unmittelbare Reaktion auf ihr Verhalten. „Ein Hund ist immer authentisch. Er sendet klare Signale aus und setzt Grenzen“, berichtet die 54-Jährige. „Er spürt die Individualität der Kinder und nimmt sie an, wie sie sind.“

Für Romeo zählt daher auch nicht, ob ein Junge oder ein Mädchen schön oder nicht so attraktiv, arm oder reich ist. Gibt man ihm zu verstehen, dass man seine Bedürfnisse achtet, zeigt er Freude und Zuneigung. So lernen die Schülerinnen und Schüler welch emotionale Konsequenzen ihr Verhalten bei anderen Lebewesen auslöst.

Sie übernehmen außerdem Verantwortung für ihr Tun. „In einer Klasse wurde beispielsweise nur noch sehr ruhig gesprochen. Auch die Türen wurden leise geschlossen, weil die Schüler mitbekommen haben, dass Romeo ein wesentlich besseres Gehör und damit auch ein anderes Lautstärkeempfinden hat und knallende Türen ihn erschrecken“, erzählt Cornelia Conradi.

Bevor Romeo jedoch zum Einsatz kommt, müssen einige Dinge beachtet werden. „Zunächst einmal informieren wir die Eltern und brauchen deren schriftliches Einverständnis. Dann sprechen wir mit der betreffenden Schulleitung. Schließlich wird die Klasse auf Romeos Erscheinen vorbereitet und im Umgang mit ihm geschult. Regeln und Rituale werden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und in der Klasse aufgehängt. Außerdem arbeitet Romeo nur im Team mit seiner Besitzerin, er ist niemals mit den Kindern oder anderen Lehrern alleine und hat eine spezielle Ausbildung absolviert“, macht Landrat Oliver Quilling deutlich.

Und natürlich wird der gutmütige Vierbeiner nur eingesetzt, wenn er gesund ist. Er wird zudem regelmäßig geimpft und vom Tierarzt untersucht.

Und Romeo? „Er findet seine neue Aufgabe klasse. Zunächst ist er immer ein wenig zurückhaltend. Ist er jedoch erst einmal mit den Schülern vertraut, reagiert er freundlich, neugierig und hat Spaß Neues zu lernen und mit den Kindern zu spielen“, weiß Cornelia Conradi. Kurzum: Romeo genießt seine neue Aufgabe als Schulhund! Und eine weitere gute Nachricht: Der tierische Mitarbeiter arbeitet komplett zum Nulltarif!

www.familien-blickpunkt.de



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