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Vorfahrt für Bus, Rad und Schiene

von Familien-Blickpunkt.de am 17/11/2018 - 11:55 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Vorfahrt für Bus, Rad und Schiene

Kreis Offenbach - Vor nunmehr fünf Jahren ist der Kreis mit seinem Leitbild Mobilität an den Start gegangen. Seitdem wurde vieles bewegt, um die Themen Verkehr und Klimaschutz besser in Einklang zu bringen. Gemeinsam mit den Projektpartnern Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH (kvgOF), Gesellschaft für Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain mbH (ivm) sowie der Hochschule Darmstadt (h_da) bringt der Kreis Offenbach neue Verkehrsangebote auf den Weg. „Wir haben einen Prozess des Umdenkens angestoßen. Mit den vielfältigen Aufgaben, die wir auf unserer Agenda haben, wollen wir das Autofahren nicht ausbremsen, aber durch veränderte Mobilitätsangebote für weniger Schadstoffausstoß, weniger Lärm und somit für mehr Lebensqualität sorgen“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger jetzt beim zehnten Mobilitätsforum im Haus des Lebenslanges Lernens in Dreieich, zu dem rund 120 Interessierte gekommen waren.

Großes Thema beim Mobilitätsforum war die aktuelle Zusage des Bundesverkehrsministeriums, in den nächsten Jahren rund 5,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Schienenknotenpunktes Frankfurt zu investieren. „Der Bau eines Fernbahntunnel am Frankfurter Hauptbahnhof sowie die nordmainische S-Bahn können auch für den Kreis Offenbach eine erhebliche Entlastung und viele Verbesserungen bringen“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. Mit der finanziellen Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums kann auch der von vielen gewünschte Schienenring rund um die Metropole realisiert werden. Das passt zu den Wünschen des Kreises Offenbach, der sich für eine Südost-Tangente, die aus dem Kreisgebiet über den Offenbacher Hauptbahnhof und weiter nach Frankfurt Süd fahren könnte, stark macht und dazu bereits eine Studie, die Potenziale analysieren und Ideen für mögliche Maßnahmen in Betrieb und Infrastruktur aufzeigen soll, in Auftrag gegeben hat.

Professor Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, zeigte sich beim Mobilitätsforum sehr zufrieden von den Finanzierungszusagen aus Berlin. „Mit dieser Unterstützung gibt es beim dringend notwendigen Ausbau der Kapazitäten neue Perspektiven. Der Fernbahntunnel ist ein Riesenschritt für die Entwicklung der Schiene und das größte Infrastrukturprojekt seit dem Bau der S-Bahnen. Die Verbesserungen auf der Schiene bedeuten für unsere Kunden einen Gewinn an Qualität“, so Ringat. Der RMV-Geschäftsführer lobte den Kreis Offenbach dafür, dass er sich schon seit rund fünf Jahren im Rahmen seines Leitbildes Mobilität mit den Verkehrskonzepten der Zukunft beschäftigt.

Thomas Horn, Direktor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain, plädierte ebenfalls für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. „Egal auf welcher Strecke, da können wir hier im Ballungsraum nichts falsch machen.“ Er nannte die Regionaltangente West als positives Beispiel. „Doch die Bahnlinie ist schon 1992 konzipiert worden. Wir müssen bei der Umsetzung der Projekte schneller werden“, forderte Thomas Horn.

Steigende Spritpreise, die Verknappung und Verteuerung von Parkplätzen, neue EU-weite Grenzwerte bei den Kohlendioxid-Emissionen, und vor allem der Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach sauberer Luft in den Innenstädten, machen den Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren zunehmend zum Problem. Mit der Umsetzung der Agenda im Leitbild Mobilität dreht der Kreis Offenbach im Verkehrssystem an verschiedenen Rädern, um möglichst viel in Bewegung zu bringen.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Radverkehrs. Dabei arbeitet der Kreis Offenbach an mehreren Stellen gleichzeitig, um das Verbindungsnetz zu stärken und mehr Menschen zum Umsatteln zu bewegen. Das größte Projekt ist aktuell der Bau der Radschnellverbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt, die im Westen durch vier Kreiskommunen führt. In Egelsbach fiel vor ein paar Wochen an der Kreisstraße 168 mit dem Bau eines Kreisels der Startschuss. Ins Rollen kommt ferner der Ausbau der Wege für Radler zwischen Neu-Isenburg und Offenbach, den Ulrich Lemke, Projektmanager von Bike Offenbach, beim Mobilitätsforum skizzierte.

„Auf dem Weg zur Verbesserung der Nahmobilität möchten wir dem Radverkehr Vorfahrt geben. Das geschieht beispielsweise auf Hessens längster Fahrradstraße in Dreieich-Sprendlingen“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. Sie setzt sich deshalb auch für den Bau neuer Radwege zum Flughafen ein, wo viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreis Offenbach beschäftigt sind. „Dabei muss im Gespräch mit allen zuständigen Stellen eine Lösung gefunden werden, damit Radfahrer sicher über die B 44 bei Neu-Isenburg kommen.“

Eine Radschnellverbindung hält der Kreis Offenbach nicht nur im Westen auf der Nord-Süd-Achse für wichtig. Auch auf der Ost-West-Linie entlang der Kreisquerverbindung kann eine solche breitere, beleuchtete und damit sichere Strecke für Zweiradfahrer entstehen. Der Punkt Attraktivitätssteigerung des Nahverkehrs spielt im Leitbild Mobilität eine entscheidende Rolle, weil durch das Vermeiden von Autofahrten auf kurzen Strecken innerhalb des Wohnortes oder zur Nachbarkommune Abgase vermieden werden können. Professor Jürgen Follmann wies beim Mobilitätsforum darauf hin, dass jede zweite Fahrt mit dem Pkw kürzer als fünf und jede dritte Fahrt kürzer als drei Kilometer ist.

Das Umsteigen auf das Fahrrad bringt neben dem Klimaschutzeffekt auch den Vorteil, dass die Fitness gefördert wird. „Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, jede Woche mindestens 75 Minuten einer intensiven Aktivität nachzugehen, doch das schafft nur knapp die Hälfte der Bevölkerung. Jeder Zehnte gab in einer Befragung an, körperlich überhaupt nicht aktiv zu ein“, sagte Professor Jürgen Follmann beim Mobilitätsforum.

Der Verkehrsexperte plädiert dafür, Straße und öffentlichen Nahverkehr immer gemeinsam zu denken und den gesamten Weg vom Start bis zum Ziel zu betrachten. Das bedeutet auch, den Mix der Verkehrssysteme unter Berücksichtigung der digitalen Möglichkeiten von Smartphones und Internet zu verbessern und die Erreichbarkeit, Wahlfreiheit sowie Chancengleichheit für alle Gruppen, die am Verkehr teilnehmen, zu gewährleisten. Der Radverkehr allein wird die steigende Nachfrage nach Alternativen zum Pkw nicht bewältigen können. „Der Kreis Offenbach will deshalb auch die Schienenverbindungen weiter stärken und setzt sich beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zudem dafür ein, dass die S-Bahnen noch verlässlicher werden.“

Das Leitbild Mobilität enthält weitere Projekte, für die der Kreis Offenbach schon jetzt die Weichen stellen oder sie weiter anschieben will. Dazu gehören unter anderem die Regionaltangente West und die Verbesserung des Angebotes der Dreieichbahn mit der Verlängerung der S-Bahn bis Dieburg sowie von Dietzenbach nach Rödermark. Für alle künftigen Baustellen und ebenso für die großen bestehenden Kreuzungen etwa gilt neuerdings ein Sicherheitsaudit. Bei diesem Funktionscheck prüfen Fachleute, ob die Verkehrsanlage sicher ist, ob sie von allen relevanten Verkehrsteilnehmern regelkonform genutzt wird, ob sie optimal gestaltet ist und welche Verbesserungen sinnvoll erscheinen. In diesem Fall hat der Kreis Offenbach bereits heute einen Punkt aus dem Verkehrssicherheitsprogramm der EU bis 2030 realisiert.

Für nächsten Sommer plant die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH (kvgOF) ein weiteres Pilotprojekt, mit dem eine Reduzierung des Autoverkehrs erreicht werden soll: „Anrufsammel-Taxi plus“ (ASTplus) oder neudeutsch „bus on demand“ heißt der nächste Schritt. Die Kunden des ÖPNV sollen per Smartphone über die App ihre Wunschstrecken von der Haustür zu festgelegten Haltepunkten sogenannten Point of Interests buchen und von Kleinbussen befördert werden.

„Wenn die Formel ‚Mehr Mobilität durch weniger Verkehr‘ aufgehen soll, dann müssen wir die Nahverkehrs-Angebote stärker vernetzen, die Fahrten bequemer gestalten und die Strecken schneller machen. Nur dann steigen auch all jene Bürgerinnen und Bürger auf Bus, Bahn oder das Fahrrad um, die seit Jahrzehnten auch für kurze Fahrten ihr Auto nutzen. Doch das ist schlecht für den Motor, der nicht warm wird, und schädlich für Mensch und Umwelt, weil auf Kurzstrecken besonders viele Schadstoffe aus dem Auspuff kommen“, so Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger abschließend.

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