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Klimawandel begünstigt giftiges Jakobskreuzkraut

Klimawandel begünstigt giftiges Jakobskreuzkraut

Veröffentlicht: 23/07/2012 von Stadt Offenbach

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Für Tiere gefährlich – Als Wildpflanze aber mit einfachen ökologischen Mitteln behandelbar

Das gegen Trockenheit und hohe Temperaturen widerstandsfähige Jakobskreuzkraut bahnt sich seit mehreren Jahren, auch begünstigt durch den Klimawandel, verstärkt seinen Weg auf die Weideflächen und Wiesen Deutschlands, wo es insbesondere zur Gefahr von Pferden und Rindern gedeiht.

Fakten

Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaeae), auch Jakobs-Greiskraut genannt, zählt seit über 2000 Jahren zur mitteleuropäischen Flora. Die zweijährige Pflanze wird zwischen 30 und 120 cm hoch und entwickelt im zweiten Jahre auffallende leuchtend gelbe Zungenblüten und zahlreiche flugfähige Samen. Die gesamte Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide, ist somit giftig und für den Verzehr nicht geeignet. Die höchste Giftkonzentration weisen dabei die Blüten auf.

Seine hauptsächliche natürliche Verbreitung hat das Jakobskreuzkraut in den steppenartigen Lebensräumen Vorderasiens und des Mittelmeerraumes. In Deutschland ist die Pflanze überwiegend an Weg- und Straßenrändern, Bahndämmen, auf Brachäckern, Schuttflächen und anderen Flächen ohne geschlossene Vegetationsdecke zu finden. Auf intensiv genutztem Wiesen- und Weideland, sowie bei geschlossener Grasnarbe kann sich das konkurrenzschwache Jakobskreuzkraut hingegen kaum etablieren.

Gefahr für Tiere

Grundsätzlich halten die in der Pflanze befindlichen Bitter- und Geruchsstoffe Tiere vom Verzehr ab, jedoch geht die Giftstoffproduktion der Bitterstoffproduktion voraus, und so stellt die Pflanze gerade im Rosettenstadium eine Gefahr für unerfahrene Jungtiere dar.
Zu beachten ist, dass Pyrrolizidinalkaloide, welche für eine Reihe von vor allem durch Greiskrautvorkommen auf Viehweiden verursachten Vergiftungen bei Rindern und Pferden verantwortlich gemacht werden, beim Konservierungsprozess nicht abgebaut werden.
In konserviertem Futter wird der abstoßende und warnende Eigengeruch der Pflanze dann zudem vom Duft des Heus oder von Gärsäuren überdeckt wodurch sich das Verzehrrisiko nochmals erhöht.

Expertenstimmen

Heike Hollerbach vom Amt für Umwelt, Energie u. Mobilität führt dazu aus:
„Als giftige Art, die für den Verzehr ungeeignet ist, stellt es für Pflanzenfresser eine Gefahr dar. Wie andere toxische Wildpflanzen ist es allerdings ein unentbehrlicher Bestandteil der hiesigen Vegetation und kann mit einfachen, ökologisch vertretbaren Mitteln von landwirtschaftlich genutzten Flächen ferngehalten werden.“

Rolf Weyh, Diplom-Biologe und Fachmann vom Umweltamt äußert sich über die möglichen Ursachen der Ausbreitung wie folgt:
„Nach dem extrem trockenen, nahezu frostfreien, Winter 2006/2007 traten erstmals Pflanzen in größerer Anzahl auf Wiesen und Weiden auf. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die erhebliche Verzögerung beim Graswachstum aufgrund der langen Trockenheit, durch offenen Boden und durch Trittschäden als Resultat eines zu hohen Viehbesatzes sowie falsche Wiesenbewirtschaftung, insbesondere wenn die Nachsaat bei Bodenverwundungen nicht erfolgte.“

Zukunftsprognose/ Empfohlene Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pflanze

Das Jakobskreuzkraut ist als Lichtkeimer grundsätzlich auf offene Stellen angewiesen, frei von konkurrierenden Pflanzen und gedeiht auch bei Trockenheit gut. Im Zuge des Klimawandels ist künftig mit länger andauernden Trockenperioden mit „Steppenklima“ zu rechnen, so dass die Bedingungen zur vermehrten Verbreitung des Krauts auch in Zukunft gegeben sein werden.

Als konkrete Maßnahme gegen die Ausbreitung in landwirtschaftlich genutzten Flächen empfiehlt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen daher die Samenbildung zu verhindern und die Einwanderung in Grünlandnarben abzuwehren.
Am besten sei es Einzelpflanzen inklusive ihrer Wurzel auszustechen oder die Pflanzen zu Blütebeginn und auch bei wiederholter Blüte des Nachtriebs abzumähen. Sowohl die ausgestochenen Pflanzen als auch das Mähgut seien im Anschluss dann zu vernichten. Zum Dichthalten der Grasnarbe empfehle sich die jährliche Übersaat lichter Stellen und auf eine ausgewogene Tierzahl, die der Weidefläche angepasst ist, zu achten.

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