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Pro Arbeit verstärkt Förderung für Alleinerziehende

von Familien-Blickpunkt.de am 30/01/2021 - 15:27 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Pro Arbeit verstärkt Förderung für Alleinerziehende

Maßgeschneiderte Angebote mit besseren digitalen Qualifizierungsmöglichkeiten

Kreis Offenbach - Alleinerziehende stehen bei der Arbeitssuche häufig vor großen Hürden: Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung, geringere zeitliche Flexibilität und fehlende Unterstützung, wenn ein Kind krank wird. Gerade in der Corona-Krise wirken sich diese strukturellen Nachteile besonders deutlich aus. Deshalb gilt das besondere Augenmerk der hessischen Kommunalen Jobcenter den – weit überwiegend weiblichen – Alleinerziehenden, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) beziehen.

Die Fachleute des Kommunalen Jobcenters der Pro Arbeit – Kreis Offenbach – (AöR) haben die Erfahrung gemacht, dass dem Integrationserfolg häufig nicht die fehlende schulische oder berufliche Qualifizierung entgegensteht. Im Gegenteil: Alleinerziehende Arbeitslose haben im Vergleich zu den anderen SGB II-Leistungsbeziehenden überproportional gute Schul- und Ausbildungsabschlüsse. Diese positiven Voraussetzungen lassen darauf schließen, dass es für alleinerziehende Arbeitslose grundsätzlich schwerer ist, eine Beschäftigung aufzunehmen.

Bei einigen Arbeitgebern gibt es nach wie vor Vorbehalte hinsichtlich der Verfügbarkeit und des Ausfallrisikos von Alleinerziehenden. Ziel ist es deshalb, durch positive Beispiele ein Umdenken herbeizuführen. Gerade die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen für flexibles und mobiles Arbeiten. „Alleinerziehende Jobsuchende sind eine wertvolle Fachkräfte-Reserve, die der Arbeitsmarkt bislang nur unzureichend abruft“, sagt Kreisbeigeordneter Carsten Müller, der als Sozialdezernent auch für die Pro Arbeit zuständig ist.

Während der Pandemie musste das Kommunale Jobcenter vorübergehend Einbrüche in der Aktivierungs- und Kontaktdichte registrieren. Es gab die Befürchtung, dass der stark fokussierte persönliche, ganzheitliche Beratungsansatz verloren gehen könnte. Um dem entgegenzuwirken, wurden die Handlungsstränge und die damit verbundenen Angebote zügig verändert. „Wir haben etablierte Arbeitsansätze noch einmal überdacht und diese mit Blick auf die Zeit nach der Pandemie gewinnbringend modifiziert“, so Carsten Müller.

Die wöchentliche Sprechstunde für Frauen und Alleinerziehende an diversen kommunalen Standorten im Kreis Offenbach musste zu Beginn der Pandemie zwar ausgesetzt werden, wurde dann aber mit einer Telefonsprechstunde wieder aufgenommen. In Pandemiezeiten ist es insbesondere für Alleinerziehende wegen Homeschooling noch schwieriger, den Wiedereinstieg in das Erwerbsleben und die Kinderbetreuung zu verbinden. „Obwohl wir wegen der explodierenden Zahl erwerbsfähiger Leistungsberechtigter im SGB II stärker belastet waren, haben wir die Zielgruppe der Alleinerziehenden nicht aus den Augen verloren, sondern die Unterstützung mit alternativen Förder- und Qualifikationsangeboten fortgesetzt“, betont Boris Berner, Vorstand der Pro Arbeit. So hat das Kommunale Jobcenter etwa spezifische Hilfeprodukte als Unterstützungstools zur Förderung von Frauen entwickelt. Damit werden die Förderungsnotwendigkeiten über alle Altersgruppen und für jeden Bedarf bedient.

Ein vom europäischen Sozialfonds (ESF) finanziertes Projekt zum beruflichen (Wieder-)Einstieg für Mütter mit Migrationshintergrund konnte trotz Pandemie bis auf eine zweiwöchige Pause fortgesetzt werden. Dabei geht es einerseits um eine berufliche Integration, andererseits werden im Falle einer Beschäftigungsaufnahme auch Tandem-Partnerinnen vermittelt, die den oftmals schwierigen Übergang in eine Erwerbstätigkeit inklusive familiärer Anforderungen begleiten und gegebenenfalls stabilisieren.

Da die Lebenswelt von Frauen mit Erziehungsverantwortung vielschichtig ist und universelle Angebote nicht immer effizient sind, bietet die Pro Arbeit verstärkt eine individuelle Einzelberatung an. „Damit die Jobsuche Erfolg hat und die Beschäftigungsaufnahme langfristig gesichert bleibt, muss die bereits bestehende Kinderbetreuung zügig und wohnortnah gewährleistet sein“, so Boris Berner. Diese Förderung erhält neue Impulse, indem die Pro Arbeit seit Oktober 2020 – zunächst in Kommunen im Osten des Kreises – Frauen mit Einzelcoachings unterstützt. Dau gehört eine individualisierte Beratung im sozialen Umfeld, in die auch der Allgemeine Soziale Dienst des Kreises einbezogen werden kann.

Bei der Analyse der Arbeit während der Pandemiezeit fiel den Fachleuten ein Problemfeld ins Auge: Kontakte und Kommunikation. „Bereits vor der Pandemie gab es Schwierigkeiten beim Informationsfluss, bei der Nutzung von Lernangeboten und beim Knüpfen von Kontakten, die für eine erfolgreiche Integration auf dem Arbeitsmarkt relevant sind“, so die Beobachtung von Boris Berner. Da viele Frauen seltener digital am PC das Internet nutzen und sich dort Informationen zur beruflichen Qualifikation holen, sondern kontinuierlich via Smartphone und Sozialen Medien wie WhatsApp, Facebook & Co kommunizieren, will die Pro Arbeit den Bereich des Remote-Lernens und Austausches auf Distanz verbessern. Ziel ist eine Mischung aus persönlicher und digitaler Kontaktaufnahme, die vor allem Frauen mit fehlender Kinderbetreuung weitere Lernfelder eröffnet.

„Für diese geplante digitale Beratungsansprache sowie die begleiteten Online-Coachings könnten wir Frauen künftig für zu Hause ein iPad zur Verfügung stellen, das ihnen die ersten Schritte zur Planung eines beruflichen (Wieder-)Einstiegs erleichtert“, so der Vorschlag des Vorstands der Pro Arbeit.

Bei Arbeitgebern wirbt die Pro Arbeit weiterhin für die Potentiale der Frauen und baut Einstellungshürden ab. Damit setzt die Pro Arbeit weiterhin das bundesweite Credo #Stark.Sozial.VorOrt. um. Mit den konzeptionellen Neuerungen will das Kommunale Jobcenter auch künftig Frauen mit Erziehungsverantwortung nachhaltig unterstützen, damit sie ihren gesellschaftlichen Platz im Arbeitsmarktsektor gleichberechtigt einnehmen.

 

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