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Himmel und Hölle

Bildnis Dante © Serego Alighieri

Himmel und Hölle

Veröffentlicht: 04/05/2021 von girasole

» Urlaub im Blickpunkt

Dante und kein Ende: Im Jubiläumsjahr zum 700. Todestag von Dante Alighieri entdecken die Italiener ihren berühmtesten Dichter neu. Und nicht nur das: Auch Besucher aus dem Ausland sollen den Autor der Divina Commedia (Göttliche Komödie) kennenlernen. Spuren hinterlassen hat er genug, denn nachdem er aus Florenz verbannt wurde, begab er sich ins Exil, für das jedoch erstmal ein geeigneter Ort gefunden werden musste.

Florenz: der junge Dante

Die Schüler, die in der kleinen Kirche Santa Margherita dei Cerchi an Beatrices Grab stehen und der rein platonischen Romanze zwischen dem Dichter Dante Alighieri und seiner großen Liebe nachspüren, wissen vermutlich wenig über das wahre Leben des Autors der berühmten Göttlichen Komödie. Sie ahnen nicht, dass er eine Ehefrau und vier Kinder hatte; dass Beatrice einen Bankier heiraten musste und mit kaum 24 Jahren bei der Geburt ihres ersten Kindes starb; dass das sogenannte Liebespaar sich bestenfalls ein paar Mal gesehen, kaum je miteinander gesprochen und sich mit Sicherheit niemals berührt hatte. Es spielt auch keine Rolle, denn das Schöne am Mittelalter ist, dass man nichts Genaues darüber weiß und sich den Rest dazu denken darf. Was also ist über den jungen Dante bekannt? Er kam am 29. Mai 1265 in Florenz zur Welt. Die Alighieris waren adlig, dabei ganz normale Leute mit einem mittleren Einkommen. Getauft wurde er im Baptisterium, das damals noch Holztüren hatte und ganz allein auf dem Platz stand, der heute als Domplatz weltberühmt ist. Den Campanile di Giotto und die Kathedrale Santa Maria del Fiore gab es damals noch nicht, sie wurden erst später im Auftrag der Medici errichtet.

Wer auf Dantes Spuren durch die Altstadt von Florenz läuft und die heutige Shopping-Straße Via de' Calzaiuoli entlang schlendert, kommt bei Hausnummer 11 am wunderschönen Wohnhaus von Dantes Dichterfreund und Förderer Guido Cavalcanti vorbei. Ein Stück weiter, in der Via Por Santa Maria, die direkt zu Ponte Vecchio führt, steht der hohe Turm der Amidei, einer mächtigen Florentiner Familie, die Dante für den Krieg zwischen den papistischen Guelfen und den kaisertreuen Ghibellinen verantwortlich macht. An der Fassade ist eine Marmortafel mit ein paar diesbezüglichen Dante-Versen angebracht – dass er aus Florenz verbannt wurde, hatte nämlich auch etwas mit diesem Krieg zu tun, zwischen dessen Fronten er geraten war. Am Corso, der schon im 13. Jahrhundert zu den belebtesten Straßen der Stadt zählte, wohnten zu Dantes Zeiten viele wichtige Florentiner Familien, darunter, in Hausnummer 6, die Portinaris zu denen auch Dantes Muse Beatrice gehörte. Dantes eigenes Elternhaus existiert heute nicht mehr. Was als „Casa di Dante“ von unzähligen Touristen besucht wird und ein dem Dichter gewidmetes Museum beherbergt, wurde erst im 19. Jahrhundert errichtet. Man vermutet, die Alighieris haben unweit von hier, gegenüber der Torre della Castagna, gelebt.

Heute würde man in Florenz wohl nichts lieber tun, als den verbannten und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilten Dichter-Star in einer großen Versöhnungsgeste an die Brust zu drücken. Immerhin wurden zahlreiche Dante-Erinnerungsdenkmäler in der Stadt verteilt, darunter dessen Totenmaske im Palazzo Vecchio, eine imposante Statue auf der Piazza Santa Croce und ein Grabmal ohne Leiche in der Basilika gleich dahinter. Dante hat sich übrigens bis ans Ende seiner Tage nichts sehnsüchtiger gewünscht, als eine Rückkehr nach Florenz.

Übernachtungstipp: Lungarno Collection

Zur Lungarno Collection gehören vier zeitgeistorientierte Boutiquehotes, die sich mit unangestrengter Eleganz, luftig-hellen Räumlichkeiten und intimem Charme wohltuend von der altmodischen Opulenz der traditionellen Fünf-Sterne-Paläste der Stadt abheben. Ganz gleich ob Gallery Hotel Art, Hotel Lungarno, Continentale oder Portrait Firenze – die Hotels sprechen eine weitgereiste und kultivierte Klientel an und bieten einen Concierge-Service, der interessierten Besuchern eine perfekte Dante-Tour zusammenstellt und den Eintritt in Museen und andere Sehenswürdigkeiten vereinfacht. www.lungarnocollection.com

Verona und Valpolicella: In der Mitte des Lebens

In Verona verbrachte Dante die ersten sieben Jahre seines Exils (1312-1319). Er lebte als Gast des Edelmanns Cangrande della Scala, der als Kriegsherr, aber auch als Liebhaber der schönen Künste bekannt war. An dessen Hof fand Dante ein anregendes Umfeld, das auch seine politischen Schriften beeinflusste. Aus Dankbarkeit widmete er seinem Gönner und Beschützer das „Paradies“, den dritten Teil seiner berühmten Divina Commedia. Die Stadt Verona wiederum erinnert mit einer Marmorstatue an ihren berühmten Bewohner. Sie steht auf der Piazza dei Signori, auch Piazza Dante genannt, direkt vor dem Palazzo degli Scaligeri, der ehemaligen Residenz von Cangrande della Scala, in dem heute die Stadtverwaltung untergebracht ist. In der sanften Hügellandschaft der Valpolicella-Region zwischen Verona und dem Gardasee, werden auf Dantes Spuren wandelnde Weinfreunde fündig. Hier steht das Weingut Serego Alighieri, das Dantes Sohn Pietro 1353 erwarb und das sich bis heute in Besitz der Alighieris befindet.

Die Weinherstellung erfolgt dort nach alter Tradition: Bei der von den Römern überlieferten Methode des Appassimento trocknen die Trauben für Amarone und Recioto mindestens 100 Tage lang auf Bambusgestellen, bevor ihr konzentrierter Saft vorsichtig ausgepresst wird. Die Cuvée – bestehend aus den regionaltypischen Rebsorten Rondinella, Corvina und der vom Weingut selbst geklonten Traube Molinara – verdankt ihren eleganten, unverwechselbaren Charakter unter anderem einer Reifephase in althergebrachten Kirschholzfässern. Diese verfeinern vor allem den Amarone, dem Serego Alighieri seinen Ruf als eines der besten, historischen Weingüter Venetiens verdankt. Das Weingut ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Besucher dürfen die antiken Kalksteingebäude, den historischen Trockenspeicher und den wohl ältesten Keller der Region besichtigen. Neben ausgezeichneten Weinen produziert Serego Alighieri auch Olivenöle, Grappa, Maronencreme, Marmeladen und Honig, die auf dem Gut verkostet und gekauft werden können. Das Anwesen bietet zudem ein Gästehaus mit acht großzügigen Apartments, einen Weinladen, eine Kochschule, Platz für Tagungen sowie herrliche Räumlichkeiten für elegante Empfänge und romantische Hochzeiten. www.seregoalighieri.it

Übernachtungstipp: Quellenhof Luxury Resort Lazise

Oberhalb des mittelalterlichen Dorfes Lazise und nur wenige Minuten vom Ufer des Gardasees entfernt, eröffnete im Frühjahr 2019 das modern gestaltete Fünf-Sterne-Hotel der Familie Dorfer. Neben der außergewöhnlichen Architektur, den 58 schönen Suiten, einem weitläufigen Spa und dem Restaurant mit Gourmet-Küche bietet Hoteldirektor Stefan Margesin seinen Gästen auch spannende Dante-Erlebnisse. Dazu gehören Cocktail-Kreationen, die den berühmtesten Begegnungen auf Dantes Weg durch Hölle, Fegefeuer und Paradies gewidmet sind, Spa-Behandlungen mit audiovisuellem Support sowie Dinner-Menüs, die den Etappen in Dantes Leben folgen und Spezialitäten aus Florenz, Verona und Ravenna kombinieren. www.quellenhof-lazise.it

Ravenna: Die letzten Jahre

1316 begibt sich Dante erneut auf Wanderschaft. Das touristische Projekt „Le Vie di Dante“ zeichnet seine Route nach. Dantes Wege können zu Fuß begangen werden und führen an einigen der schönsten Dörfer Italiens vorbei, darunter Portico di Romagna, Dovadola und San Benedetto in Alpe. Endstation ist Ravenna, wo der Dichter einen mächtigen Gönner findet, der ihm Zuflucht gewährt: Guido Novello da Polenta, Aristokrat und Dichter sowie Bürgermeister der schon damals kultivierten und eleganten, unweit von der Adria gelegenen Stadt in der Emilia-Romagna. Belegt ist, dass Dante von 1318 bis zu seinem Tod 1321 dort gelebt hat.

Anlässlich seines 700. Todestags hat die Emilia-Romagna einen Kalender mit weit über 100 kulturellen Events zusammengestellt, die in der ganzen Region, vor allem aber zwischen Ravenna und Forlì stattfinden und zu vielen Dante-Orten führen. Den Auftakt machten die Feierlichkeiten am jüngst restaurierten Dante-Grab „Dantis Poetae Sepulcrum“ in Ravenna, einem Tempelchen, das von den Einheimischen wegen seiner abgerundeten Form und weißen Farbe liebevoll „zuccheriera“ (Zuckerdose) genannt wird und das den Sarkophag mit den Überresten der mutmaßlichen Gebeine des Dichters enthält. Die Gedenkstätte wurde sorgfältig restauriert und Anfang September 2020 im Beisein von Sergio Mattarella, dem Präsidenten der Italienischen Republik, eingeweiht. Seitdem wird dort täglich um 17 Uhr ein Kapitel aus der Göttlichen Komödie vorgelesen – das Live-Literaturerlebnis mit dem Namen „L'ora che volge il disio“ hat Seltenheitswert.

Nur ein paar Schritte weiter befindet sich das Museo Dantesco. Das vor rund 100 Jahren, pünktlich zum 600. Todestag des Dichters eröffnete und zum aktuellen Jubiläum vollständig neugestaltete Museum residiert in einem zauberhaften Franziskanerkloster und bietet einen umfassenden Einblick in das Leben Dante Alighieris. Bildliche Darstellungen in Form von Büsten, Portraits und Masken zeigen, wie Dante ausgesehen haben könnte, Videos und interaktive Multimediapräsentationen bringen eine moderne Komponente in die historische Thematik. Die Casa Dante, ein dem Dichter gewidmetes multifunktionales Gebäude mit Innenhof und Garten, Buchhandlung, Designabteilung und einer Gemäldeausstellung soll am „Dante-Dì'“ (Dante-Tag, 25. März) innerhalb des Dante Museums eröffnet werden. Bis dahin kann man auf Dantes Spuren durch Ravennas schöne Altstadt bummeln. In der Via Zagarelli alle Mura 2 steht das eher schmucklose Haus von Francesca da Polenta, die in der Göttlichen Komödie wegen Unzucht zusammen mit ihrem Geliebten Paolo Malatesta in der Hölle schmort. Die sogenannte Casa dei Polentani wurde im 8. Jahrhundert errichtet und gilt als das älteste Gebäude der Stadt. In der Via San Vitale 28 ist dagegen der strenge Palast der Traversaris zu sehen. Diese Familie wird im zweiten Teil der Divina Commedia, dem Purgatorio (Fegefeuer) mit Wohlwollen erwähnt, ihr ritterliches und zivilisiertes Benehmen scheint Dante imponiert zu haben. Zusätzlich zu den realen Orten, die zu Dantes Leben in Ravenna gehören, lässt die Emilia-Romagna auch dessen geistiges Schaffen wieder aufleben. In den Musei San Domenico in Forlì beispielsweise widmet sich die Ausstellung „Dante. La visione dell’arte“ mit 300 Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen vom 1. April bis Ende Juli 2021 dem Dichter. Die künstlerischen Leihgaben kommen dabei aus aller Welt. In Imola wird der amerikanische Schauspieler und Filmproduzent John Malkovich Ende Juni mit seinem Programm „John Malkovich’s Inferno“ Halt machen und bei der Eröffnung des 21. Emilia Romagna Festivals uraufführen. Malkovich selbst trägt Dantes Verse der Divina Commedia vor und wird dabei musikalisch begleitet. Geplant sind auch die Weltpremiere des Balletts Trilogia d'Autunno mit Weltstar Sergei Polunin und die Eröffnung der Ausstellung „Un'epopea pop“ im MAR (Museo d'Arte della Città di Ravenna) mit Ausstellungsstücken, die Dantes Erbe in vielen kulturellen Bereichen der Jetztzeit belegen. Abgeschlossen werden die Feierlichkeiten des Dante-Jahres am 12. September 2021 mit einem Konzert unter der Leitung von Riccardo Muti.

Übernachtungs-und Besichtigungstipps:

https://www.viedidante.it/de/offerta/dantes-exil-der-grose-dichter-in-der-region-romagna/ https://www.turismo.ra.it/follow-your-way/dante-alighieri/?lang=en https://www.spreaker.com/show/dalla-selva-oscura-al-paradiso

 

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