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Sprechstunde für Alleinerziehende wird drei Jahre alt

von Familien-Blickpunkt.de am 13/09/2015 - 11:02 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Sprechstunde für Alleinerziehende wird drei Jahre alt

Kreis Offenbach - Wie bekomme ich welche finanzielle Unterstützung? Welche Möglichkeiten zum Wiedereinstieg in den Job gibt es? Wie bekomme ich einen Betreuungsplatz für mein Kind? Auf all diese Fragen bekommen Mütter und Väter Antworten, wenn sie die Sprechstunde der Pro Arbeit des Kreises Offenbach für Alleinerziehende besuchen. Dieser Tage wird das Projekt drei Jahre alt. Im Oktober 2012 öffnete die Sprechstunde für Alleinerziehende erstmals ihre Pforte. Insgesamt beziehen derzeit im Kreis Offenbach rund 2.100 Alleinerziehende SGB-II-Leistungen.

„Wir widmen uns ganz bewusst besonders der Gruppe der Alleinerziehenden. Denn diese Mütter und Väter haben, was die Vermittlung in Arbeit betrifft, große Potentiale. Das ist zumindest unsere Erfahrung. Sie haben auf der anderen Seite aber auch spezielle Probleme, die zu einer überdurchschnittlich hohen Armutsgefährdung führen“, betont der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller. „Auch deshalb kümmern wir uns sehr gezielt um die Zielgruppe und deren Kinder!“

Eine aktuelle Studie der Bertelmann-Stiftung stützt diese These. Rund 2,2 Millionen Kinder wachsen derzeit deutschlandweit in einem Haushalt mit nur einem Elternteil auf. Diese Kinder haben ein fünfmal höheres Risiko von Hartz-IV-Leistungen abhängig zu sein, als Kinder die in einer Familie mit Mutter und Vater aufwachsen. 39 Prozent der Alleinerziehenden beziehen der Studie zufolge staatliche Grundsicherung. Bei den Familien mit zwei Elternteilen liegt dieser Prozentsatz bei lediglich sieben Prozent. Besonders betroffen von dem Problem sind Frauen: Neun von zehn Alleinerziehenden laut der Studie sind weiblich. "Wer Kinderarmut bekämpfen will, muss also vor allem die Rahmenbedingungen für alleinerziehende Eltern verbessern", macht Müller deutlich. „Genau das tun wir!“

Das schlägt sich unter anderem in der offiziellen Integrationsquote der Alleinerziehenden nieder. Während die durchschnittliche Integrationsquote in der Gruppe der Alleinerziehenden im Jahr 2014 hessenweit bei 20,9 Prozent lag und im Bundesdurchschnitt 20,8 Prozent der Alleinerziehenden in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten, waren es im Kreis Offenbach 25,0 Prozent. Auch nach den ersten vier Monaten diesen Jahres lag der Kreis Offenbach bei den Vermittlungen der Alleinerziehenden mit 25,5 Prozent deutschlandweit unter vergleichbaren Kommunen auf Platz 2, was die Vermittlungsquote betrifft.

Das hat seinen Grund. „Bei der Vermittlung von Alleinerziehenden berücksichtigen wir immer auch die besondere Belastung durch Beruf, Erziehung und Haushalt. Wir sehen uns die individuelle Situation an und sehen wie wir Hindernisse, die einer Beschäftigung entgegenstehen, aus dem Weg räumen können oder den finanziellen Druck auf das alleinerziehende Elternteil verringern können", so Müller. „Unsere Sprechstunde ist dabei ein ganz wichtiger Teil unserer Bemühungen, denn hier können wir gezielt auf den jeweiligen Einzelfall zugeschnittene Lösungen herausarbeiten“, erklärt der Sozialdezernent den Ansatz der erfolgreichen Beratungsarbeit!

Zwei Mitarbeiterinnen der Pro Arbeit halten die Sprechstunde im Wechsel ab und fungieren als Schnittstelle und Kontakt zu den jeweiligen Jobcoaches. Fragen zu Trennung und Scheidung beschäftigen sie genauso wie die Unterstützung bei der Suche nach einem Kinderbetreuungsplatz. Insgesamt wurden so seit Oktober 2012 rund 500 Alleinerziehende intensiv beraten und betreut!

„Außerdem ist geplant, die Beratung künftig zusätzlich einmal im Monat direkt im Ostkreis anzubieten, um noch mehr Alleinerziehende zu erreichen“, so Müller weiter. Darüber hinaus gibt es spezielle Angebote für Alleinerziehende. Zusammen mit der APS AirportPersonalService GmbH, einem Unternehmen des Fraport-Konzerns, hat die Pro Arbeit des Kreises Offenbach beispielsweise das Projekt „Check-In“ auf den Weg gebracht. Das Projekt wendet sich an langzeitarbeitslose und arbeitssuchende Alleinerziehende. Für diese Zielgruppe hat das Unternehmen spezielle flexible Arbeitszeitangebote mit Kinderbetreuungsangeboten entwickelt. Zu diesen Betreuungsangeboten gehört neben den Plätzen der Kinderkrippe „Kinder-Arche“ eine ad-hoc-Kinderbetreuung im „Fluggi-Land“, wo Mitarbeiterkinder im Alter von ein bis zwölf Jahren von 6:00 bis 22:00 Uhr aufgenommen werden können – und das an 365 Tagen im Jahr. „Die Arbeitszeit im Projekt richtet sich zudem nach den Kinderbetreuungszeiten der Alleinerziehenden. Reicht die gesetzliche Kinderbetreuung nicht aus, kann auf die Betreuungsangebote der Fraport ausgewichen werden“, erklärte Müller abschließend.

Die Sprechstunde für Alleinerziehende im SGB-II-Bezug findet immer montags zwischen 9:00 und 12:00 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 06074/8180-8501.

www.familien-blickpunkt.de



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