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Vierte »Modellregion Inklusive Bildung« in Hessen

von Familien-Blickpunkt.de am 01/01/2014 - 18:35 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Vierte »Modellregion Inklusive Bildung« in Hessen

Das Land Hessen und der Kreis Offenbach vereinbaren die Kooperation zur Modellregion „Inklusive Bildung im Kreis Offenbach“

Kreis Offenbach - Kultusministerin Nicola Beer und Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger unterzeichneten im Kreishaus in Dietzenbach die Kooperationsvereinbarungen für die Modellregion „Inklusive Bildung im Kreis Offenbach“. Damit wird gemeinsam vom Land Hessen und dem Kreis Offenbach der Grundstein für die Weiterentwicklung des inklusiven Unterrichts in der Region gelegt. Bereits seit vielen Jahren setzt sich der Kreis Offenbach für die kontinuierliche Umsetzung der Inklusion ein, um Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen die Möglichkeit zu geben, eine allgemeine Schule zu besuchen.

„Die gewachsenen Strukturen aus den langjährigen Erfahrungen der sonderpädagogischen Unterstützung an allgemeinen Schulen und die Erkenntnisse aus dem Schulversuch `Begabungsgerechte Schule` sind eine gute Grundlage, um die inklusive Schulkultur im Kreis Offenbach weiter zu entwickeln. Der gemeinsame Schulbesuch von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung ist in dieser Region keine Unbekannte und die Schulen stehen dem Entwicklungsprozess aufgeschlossen und verantwortungsbewusst gegenüber“, so Kultusministerin Nicola Beer.

„Die Umsetzung des inklusiven Unterrichts ist für den Kreis Offenbach von großer Bedeutung und öffnet weitere Möglichkeiten in der inklusiven Schulentwicklung für die Zukunft. Ebenso haben wir ein beeindruckendes Netzwerk an Institutionen, sozialen Einrichtungen und geschultem Lehrerpersonal, die mit uns gemeinsam den Weg beschreiten möchten“ erklärte Erste Kreisbeigeordnete Jäger bei der Unterzeichnung. „Wir liegen, was das Thema „inklusiver Unterricht“ betrifft, im Kreis Offenbach weit vorn!“ Dies belegten die jüngsten Schülerzahlen. Gemessen an der Gesamtschülerzahl von 35.891 besuchten im Kreis Offenbach laut Statistischem Landesamt im Schuljahr 2011/2012 nur 993 Schülerinnen und Schüler eine Förderschule. Jäger: „Dies entspricht einer Quote von lediglich 2,77 Prozent. Damit liegen wir hessenweit mit an der Spitze. Dieser extrem niedrige Wert zeigt, dass wir - was das begabungsgerechte Lernen betrifft - tatsächlich führend in Hessen sind! Nur in wenigen Regionen besuchen prozentual gesehen weniger Schüler eine Förderschule.“

„Fakt ist“, so Jäger weiter, „dass wir bereits im Schuljahr 2008/2009 den Schulversuch ‚Begabungsgerechte Schule‘ auf den Weg gebracht haben, an dem sich vier Schulen mit großem Engagement beteiligt haben. Die allgemein bildenden Schulen im Kreis nehmen ihre Aufgabe der Teilhabe von behinderten Kindern wahr und sehen in der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler einen Gewinn!"

Darum habe man sich ja seinerzeit auch für den Schulversuch „Begabungsgerechte Schule“ entschieden, schilderte Erste Kreisbeigeordnete Jäger. Es sei im Kreis Konsens, dass es sinnvoll ist, Kinder mit und ohne Behinderung, wenn möglich gemeinsam zu beschulen. Heute sehe man sich in der Entscheidung bestätigt. Jäger: „Die Rückmeldungen der Schulen lassen seit längerem erkennen, dass unsere damalige Initiative zur begabungsgerechten Schule ein Erfolg ist. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die nötige Unterstützung in Bereichen, die aufzuarbeiten sind, aber auch die nötige individuelle Förderung von speziellen Begabungen und Fähigkeiten. Zudem berichten uns Schulen, dass die Kinder deutlich früher lesen können und sich das Schulklima positiv verändert hat.“

Im Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Hessische Landesregierung u.a. das Ziel gesetzt, den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigung oder Behinderung an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu erhöhen und im Gegenzug die Förderschulbesuchsquote in den nächsten Jahren zu senken. Mit den Modellregionen werden nun inklusive Strukturen im allgemeinen Schulsystem flächendeckend im Landkreis eingerichtet. Die Ministerin: „Um dieses Ziel sukzessive zu erreichen gewährleistet das Land die Zahl der Stellen für sonderpädagogische Förderung im Förderschwerpunkt Lernen in der Modellregion konstant zu halten. Die durch die Aufhebung der Helene-Lange Schule in Rödermark und der Abteilung Förderschwerpunkt Lernen an der Friedrich-Fröbel-Schule in Neu-Isenburg freiwerdenden Lehrerstellen verbleiben somit in der Region und werden schrittweise zur Stärkung und zum Ausbau des Inklusiven Unterrichts in die allgemeine Schule überführt.“

Weiterhin stellt das Land verschiedene Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung. Die Kultusministerin betonte, dass es nicht nur für Lehrkräfte und Schulleiterinnen und Schulleiter umfassende Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Umgang mit heterogenen Lerngruppen“ beziehungsweise eine Begleitung der Entwicklung zur inklusiven Schule gebe, sondern auch angehende Lehrkräfte würden bereits in der zweiten Ausbildungsphase auf das erweiterte Aufgabenfeld gezielt vorbereitet.

„Die Schullandschaft im Kreis Offenbach ist lokal unterschiedlich und bekannt für eine beispielhafte Bildungsvielfalt. Und das soll auch so bleiben. Mit der Entscheidung zur Modellregion unterstreicht der Kreis Offenbach die besondere Stellung der Inklusion, aber das heißt im Umkehrschluss nicht, dass alle Förderschulen geschlossen werden. Hier setzen wir auf das Miteinander unterschiedlicher Angebote, so dass es den Eltern nach wie vor freigestellt bleibt, für ihr Kind die richtige und beste Alternative zu wählen“, machte Erste Kreisbeigeordnete Jäger deutlich.

„Inklusion ist bundes- und landesweit ein wichtiges Thema. Ursprünglich waren für diese Legislaturperiode zwei Modellregionen für Hessen in Planung. Jetzt sind es vier geworden. Das zeigt, dass Hessen, was die Inklusion betrifft, rechtzeitig die richtigen Weichen gestellt hat. Es freut mich sehr, dass neben der Stadt Wiesbaden und den Landkreisen Hochtaunus, Wetterau und Offenbach derzeit die Vorbereitungen für etliche weitere Modellregionen getroffen werden. Denn nur mit diesen gesammelten Erfahrungen und der engen Zusammenarbeit zwischen Schulträgern und dem Land Hessen können inklusive Strukturen und die sonderpädagogische Förderung weiterentwickelt werden. Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle vor allem den Lehrkräften der allgemeinen Schulen und den Beratungs- und Förderzentren, ohne deren engagierter Arbeit die inklusive Entwicklung in der Region und damit auch landesweit nicht vorangetrieben werden könnte“, betonte die Ministerin zum Abschluss.

www.familien-blickpunkt.de



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