Magazin

„Brauchen endlich Neuregelung für Organspende“

von Familien-Blickpunkt.de am 27/09/2011 - 14:40 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

„Brauchen endlich Neuregelung für Organspende“

„Erklärungslösung ohne jegliche Verpflichtung reiner Etikettenschwindel“.

Berlin (hsm) - Als „reinen Etikettenschwindel“ hat der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner die derzeit diskutierte Erklärungslösung bezeichnet. „Eine Erklärungslösung ohne jegliche Verpflichtung, sich zu erklären, ändert nichts an der bestehenden Zustimmungslösung. Dass diese aber nicht zielführend ist, zeigt der derzeit bestehende gravierende Mangel an Spenderorganen in Deutschland. Bundesweit warten mehr als 12.500 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan. So kann und darf es nicht weitergehen“, sagte Grüttner im Bundesrat.

Mit einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz Mitte dieses Jahres haben die Länder unter dem Vorsitz Hessens ein Maßnahmenbündel verabschiedet. „Wir fordern die Bundesregierung auf, dieses bei der Änderung des Bundestransplantationsgesetzes zu berücksichtigen. Der derzeitige Regierungsentwurf setzt lediglich die EU-Richtlinie über die Qualitäts- und Sicherheitsstandards von Organen in deutsches Recht um. Es ist jedoch nicht nur aus der Sicht Hessens dringend notwendig, weitere seit langem geforderter Schritte in das Transplantationsgesetz zu implementiern.“ Zum einen sollen die Regelungen für alle Akteure im Transplantationswesen verbessert werden. Zum anderen solle die bisherige erweiterte Zustimmungslösung durch eine Erklärungslösung ersetzt werden. „Darüber hinaus setze sich Hessen im Bundesrat dafür ein, dass für diejenigen, die sich dennoch nicht erklären wollen, die erweiterte Widerspruchslösung gelten soll. Das bedeutet, dass eine Organspende nach dem Tod erlaubt ist, sofern die Angehörigen nicht widersprechen. „Mit der Organspende kann man seinen Mitmenschen in einer existenziellen Notlage helfen. Daher muss es dem Einzelnen zuzumuten sein, sich mit der Möglichkeit der Organspende auseinanderzusetzen und sich zu erklären“, führte Grüttner weiter aus.

Um die Organspendesituation nachhaltig zu verbessern, müsste darüber hinaus ein ganzes Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht werden, betonte Grüttner. Es gehe vor allem darum, die Krankenhäuser mit einzubeziehen. „Hier muss im Transplantationsgesetz für eine Verbesserung des strukturellen und organisatorischen Ablaufs bei der Organspende gesorgt werden“, erklärte der Minister. Der Forderung der Länder, dass alle Krankenhäuser mit Intensivstation mindestens einen Transplantationsbeauftragten bestellen müssen, ist die Bundesregierung in ihrem Regierungsentwurf zur Änderung des Transplantationsgesetzes bereits nachgekommen. Allerdings bestehe noch Nachbesserungsbedarf, da unklar bleibt wie viele Transplantationsbeauftrage ein Krankenhaus haben muss und für welche Krankenhäuser Ausnahmeregelungen gelten. Die Erfassung möglicher Organspender müsse verbessert und die Leistung der Krankenhäuser im Bereich Organspende transparenter und vergleichbarer gemacht werden. Im Hinblick darauf sei es aber auch wichtig, dass derzeit geprüft werde, ob die Aufwandsentschädigung der Krankenhäuser für das Engagement beim Organspendeprozess noch ausreichend ist.

Wesentlich sei, dass die Menschen Vertrauen in das System der Organspende haben können und für die Organempfänger ein ausreichender und effektiver Schutz besteht. Hier sei eine kontinuierliche und effektive staatliche Überwachung aller am Organspendeprozess beteiligten Institutionen notwendig. Dazu gehören vor allem die für die Entnahme zuständige Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die Vermittlungsstelle für Organe Eurotransplant (ET) und die Bundesärztekammer, die die Vorschriften für den Ablauf der Organspende festlegt. Auch hier sei die Bundesregierung nur zum Teil auf die Forderung der Länder eingegangen, sagte der GMK-Vorsitzende weiter. Zusätzlich sollen der GKV-Spitzenverband, die Bundesärztekammer und die Deutsche Krankenhausgesellschaft endlich die seit 2004 unverändert geltende Aufwandserstattung für die Krankenhäuser und Transplantationszentren für deren Leistungen bei der Organspende prüfen und gegebenenfalls neu kalkulieren. Diese Forderung wurde bereits 2009 durch die Gesundheitsministerkonferenz gestellt. „Neben einer adäquaten Vergütung soll die Leistung der Krankenhäuser in Deutschland im Bereich Organspende transparenter und vergleichbarer werden. Dafür brauchen wir eine verlässliche Datenbasis, um künftig die Qualität der Versorgung nachhaltig sichern zu können“, so Grüttner.

Familien Blickpunkt



Kommentare


Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

*Name:
*E-Mail:
Website:
*Kommentar:
  Bitte geben Sie den Text, den Sie links im Bild sehen, in das Textfeld ein. Hierdurch werden automatische Kontaktanfragen verhindert.
Bild mit dem Bestätigungscode kann nicht angezeigt werden