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Das Projekt InterKulturPass ist Preisträger des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2014"

von Familien-Blickpunkt.de am 05/01/2015 - 16:34 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Das Projekt InterKulturPass ist Preisträger des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2014"

Kreis Offenbach - Der InterKultur-Pass des Kreises Offenbach ist Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2014“. Das auf zwei Jahre angelegte und Ende Dezember ausgelaufene Jugend-Projekt wurde vergangenen November in Berlin ausgezeichnet und von der Jury unter Vorsitz der Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz, als vorbildlich eingestuft.

Im Jahr 2000 gründeten die Bundesministerien des Innern und der Justiz das „Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt (BfDT)". Ein Teil der Arbeit des Bündnisses ist der jährlich stattfindende Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz", der nicht nur einige wenige Projekte, sondern eine große Zahl von "Best Practice"-Beispielen auszeichnen will. Die einzelnen Beiträge zeugen von der großen Bandbreite an zivilgesellschaftlichem Engagement in Deutschland. Von Integrations- und Toleranzförderung, über Gewaltprävention im Sport, Aktivitäten im Bereich der gelebten Demokratie bis hin zur Extremismus- und Antisemitismus-Bekämpfung sind alle sechs Themenbereiche des BfDT unter den ausgezeichneten Projekten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf einer guten Übertragbarkeit der Projekte und ihrem Vorbildcharakter. Wenn möglich sollen erfolgreiche Ideen auch auf andere Kommunen und Regionen gut übertragbar sein.

Genau das trifft nach Ansicht der Juroren auf den I-Pass zu. Ziel des Projektes war es, Jugendliche, die einen Migrationshintergrund haben, zu interkulturellen Botschaftern für das Ehrenamt auszubilden. Als Kooperationspartner konnte unter Anderem das „Deutsch-Türkische Forum Stadt und Kreis Offenbach e.V.“ (DTFO) gewonnen werden.

Während der zweijährigen Projektphase erhielten 21 Mädchen und Jungen zwischen 14 und 20 Jahren den so genannten I-Pass. Sie besuchten dafür jeweils ein Jahr lang verschiedene Seminare und absolvierten Praktika in Vereinen sowie verschiedenen ehrenamtlich arbeitenden Organisationen; aber auch in politische Parteien und in Verwaltungen.

„Dabei ging es ganz konkret darum, mitzuerleben, wie Vereine oder Non-Profit-Organisationen funktionieren, wie deren Strukturen sind und welche Angebote und Möglichkeiten es im ehrenamtlichen Bereich insgesamt gibt“, so der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller, zur Intention des Projektes. Diese Erfahrungen sollen die Teilnehmer des Projektes nach Erhalt des I-Passes weitergeben und so andere Jugendliche mit Migrationshintergrund für das Ehrenamt begeistern.

Müller: „Wir wollen Menschen mit Migrationshintergrund so stärker als bisher in das Ehrenamt und das Vereinswesen im Kreis Offenbach einbinden. Denn Vereine führen nicht nur Menschen zusammen, sie vermitteln auch Werte. Werte, die wichtig sind für unsere Gesellschaft.“

Wer beispielsweise Sport im Verein treibe, lerne Spielregeln zu akzeptieren und mit Siegen und Niederlagen umzugehen, so Müller weiter. „Sportler wissen nicht nur, dass Ehrgeiz, Disziplin und Fair-Play Voraussetzungen für Erfolg sind, sie erfahren auch immer wieder wie Gruppendynamiken funktionieren und erwerben so wichtige soziale Kompetenzen.“ Alle Vereine und Non-Profit Organisationen seien zudem seit jeher ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens in unserem Kreis, machte Müller deutlich. Sie förderten über den Sport oder ihre eigentliche Aufgabe hinaus den Zusammenhalt sowie das Miteinander und seien für viele schlicht ein Stück Familie, ein soziales Netzwerk, ja sogar Heimat. Müller: „Hier fühlt man sich wohl, hier trifft man Freunde. Gerade in der heutigen Zeit, einer Zeit voller Veränderungen, sind Vereine und ehrenamtliche Organisationen daher ein wichtiger Stabilisator, aber auch ein Garant für Toleranz und Gemeinschaft.“

Doch nicht in allen Ländern ist das Vereinswesen so ausgeprägt wie in Deutschland, so dass viele Menschen mit Migrationshintergrund oftmals keinen Bezug zu Vereinen oder ehrenamtlichem Engagement haben. Dadurch bleiben besonders Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und der gesellschaftlichen Teilhabe versagt.

„Aus eigener Erfahrung heraus weiß ich, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die eigene Persönlichkeitsentwicklung sein kann“, betont in diesem Zusammenhang Hüsamettin Eryilmaz, Vorsitzender des DTFO und kürzlich mit dem Landesehrenbrief Hessen gewürdigt. „Gerade Vereine und gemeinnützige Organisationen schaffen darüber hinaus Kontakte und öffnen Türen in die Gesellschaft. Dies ist vielen Eltern mit Migrationshintergrund oft nicht bewusst. Ihren Kindern fehlen daher einfach wichtige Netzwerke, die über den Bildungs- und Berufserfolg eines Jugendlichen mitentscheidend sein können!“

Nicht zuletzt deshalb sind nach der Überreichung des Zertifikats „I-Pass“ für die Absolventen Bewerbungshilfen für Bildungsstipendien und weitere berufliche Unterstützungsangebote angedacht. Darüber hinaus wurde den Mädchen und Jungen ein Kompetenznachweis des Landes Hessen, der von den jeweiligen Patenvereinen bescheinigt wurde, überreicht. Natürlich können die Jugendlichen auch die unmittelbar während der Praktika und Seminare geknüpften Kontakte nutzen. Peter Amrein, Projekt-Koordinator bei der Jugendförderung des Kreises, ergänzt, dass genau diese Mischung aus praktischer Erfahrung und Networking die Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht nur ans lokale Ehrenamt heranführt, sondern ihnen auch das weitere berufliche Fortkommen erleichtert! Für Carsten Müller ist der InterKultur-Pass daher ein Stück gelebte Integration. „Der I-Pass öffnet Türen und ermöglicht Chancen, das sind Dinge, die wir als Einwanderungsland dringender denn je brauchen“, so Müller abschließend.

www.familien-blickpunkt.de



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