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Mobilitätsforum zeigt, was lokale Projekte bewegen

von Familien-Blickpunkt.de am 29/06/2018 - 12:48 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Mobilitätsforum zeigt, was lokale Projekte bewegen

Kreis Offenbach - Das Thema Mobilität bewegt die Menschen im wirtschaftlich starken Kreis Offenbach täglich aufs Neue. Bus, Bahn, Fahrrad, Auto, Motorrad oder per Pedes – Tausende sind ständig unterwegs, suchen kurze Wege sowie komfortable und sichere Verbindungen zu ihrem Ziel. Der Verkehr stellt einige Kommunen vor allem in der Rush Hour vor Probleme. Diese könnten noch stärker werden, denn der Verkehr nimmt beispielsweise in Neu-Isenburg, Dreieich, Rodgau und Langen aufgrund der dort steigenden Zahl an Arbeitsplätzen und Einwohnern zu. Der Kreis Offenbach hat deshalb ein Leitbild Mobilität entwickelt, mit dem unter anderem der motorisierte Individualverkehr auf das erforderliche Maß reduziert werden soll. Welche Lösungen auf diesem Weg in den Städten und Gemeinden bisher schon umgesetzt wurden oder geplant sind, das haben Vertreter der Kommunen jetzt im Kreishaus in Dietzenbach beim jüngsten Mobilitätsforum des Kreises Offenbach erläutert.

Zu diesem mittlerweile neunten Treffen der Verkehrsexperten waren mit rund 120 Interessierten so viele wie nie zuvor gekommen. Mit Blick auf die große Resonanz, das breite Themenspektrum und die Diskussionen zieht Claudia Jäger, Erste Kreisbeigeordnete und Aufsichtsratsvorsitzende der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF), eine positive Bilanz des Mobilitätsforums. „Die Beispiele aus den Kommunen haben gezeigt, dass bei der Mobilität überall etwas in Bewegung ist. Die Präsentationen der Beispiele aus den Städten und Gemeinden sowie der Austausch an Erfahrungen sind wichtig, um zu wissen, welche Verkehrskonzepte die Nachbarn umsetzen. Wir müssen bei der Mobilität das Rad nicht immer neu erfinden, sondern können auch voneinander lernen“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger.

Der Kreis Offenbach ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen und hat vor drei Jahren sein Leitbild Mobilität auf den Weg gebracht. Unterstützung gab es dabei von der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH (kvgOF), der Gesellschaft für Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain mbH (ivm) sowie der Hochschule Darmstadt (h_da). Der dortige Dekan des Fachbereichs Bauingenieurwesen, Professor Dr.-Ing. Jürgen Follmann, berät den Kreis Offenbach bei der Lösung von Verkehrsproblemen und in dem permanenten Prozess, Mobilität und Klimaschutz besser in Einklang zu bringen.

Professor Dr.-Ing. Jürgen Follmann moderierte auch das 9. Mobilitätsforum, bei dem Vertreter der Kommunen ihre wichtigsten Projekte vorstellten. So wurden in Hainburg die drei großen Kreuzungsbereiche der Ortsdurchfahrt der Gemeinde untersucht, um abzuwägen, ob die Kreuzungen zum Kreisverkehr umgebaut werden sollen oder eine Verbesserung der Ampelschaltung ausreicht. Ein weiterer Vortrag zeigte am Beispiel Rodgau, wie man mit Sammelparkanlagen, Car-Sharing, mehr Ladesäulen für Elektroautos und einer stärkeren Anbindung an Bus und Bahnbus die mit dem neuen Baugebiet Rodgau West prognostizierte Steigerung des Autoverkehrs verhindern kann. Langen hat den Knotenpunkt Bahnhof im Blick. Im Umfeld entstehen neue Wohnungen. Die Stadt wird dort die Infrastruktur für Car-Sharing und E-Mobilität ausbauen. Außerdem entsteht ein großes Parkhaus für 400 Fahrräder.

Für mehr Platz und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Roller hat auch die Gemeinde Egelsbach gesorgt. Da viele Kinder mit Zweirädern zum Unterricht kommen, wurden allein an der Grundschule knapp 100 Parkplätze für Roller, sogenannte Scooter, geschaffen, die morgens nahezu alle genutzt werden. Durch Egelsbach führt – ebenso wie durch Langen, Dreieich und Neu-Isenburg – die geplante Radschnellverbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt. Der Startschuss für das Projekt fällt im Spätsommer, wenn der Kreis Offenbach die Kreuzung auf der K 168 zu einem Verkehrskreisel umbaut.

In der Stadt Dietzenbach wurde die Ortsdurchfahrt vom Schwimmbad bis nach Steinberg untersucht. Ziel ist es, die Knotenpunkte und die Radverkehrsführung zu optimieren. An der ersten Baustelle am Knotenpunkt B 459/L 3001 haben die Arbeiten jetzt begonnen. Ein besonderes Projekt wurde in Dreieich vor kurzem umgesetzt: Hessens längste Fahrradstraße führt durch Buchschlag und Sprendlingen und sorgt dafür, dass Radfahrer schneller vorankommen, auch wenn sie Tempo 30 nicht überschreiten dürfen.

Die „Barrierefreie Nahmobilität“ steht auch in Heusenstamm auf der Agenda. Geplant ist eine neue Radwegeverbindung zwischen Rembrücken und Hainhausen, die Umgestaltung der Hohebergstraße sowie der Kreuzungsbereiche Kolping-Herderstraße. Dabei geht es unter anderem um die Absenkung von Bordsteinkanten, damit Senioren mit Rollstühlen oder Rollatoren ohne Hindernisse mobiler sind. Auch Obertshausen engagiert sich für Fußgänger. Ältere Bürgerinnen und Bürger hatten mitgeteilt, dass sie nicht mehr zu Fuß einkaufen gingen, weil der Weg zu lang sei und es auf der Strecke keine Sitzgelegenheiten zum Ausruhen gebe. Die Stadt will deshalb in Obertshausen fünf sogenannte Seniorenbänke, die eine leicht erhöhte Sitzfläche und eine Querstange im Fußbereich haben, aufstellen.

Rödermark hat sich als Pilotkommune einem umfassenden Nahmobilitäts-Check unterzogen und – etwa durch weitere Querungshilfen – die Erreichbarkeit der Haltestellen von Bus und Bahn für Fußgänger und Radfahrer verbessert. In Seligenstadt soll der Bahnhof zu einem modernen Mobilitätsknotenpunkt mit Wendeschleife, Park & Ride- sowie Bike & Ride-Anlage, Car-Sharing-Plätzen und E-Bike-Ladestationen umgebaut werden.

Neu-Isenburg setzt ebenfalls darauf, dass mehr Bürgerinnen und Bürger aufs Fahrrad umsteigen, um einen weiteren Anstieg des Autoverkehrs zu bremsen. Die Stadt will den Radverkehr bis 2030 von einem derzeitigen Anteil am Gesamtverkehr von derzeit zehn auf 20 bis 25 Prozent erhöhen. Das große Projekt in Neu-Isenburg heißt aber Regionaltangente West. „Mit der RTW sind wir auf einem guten Weg zum Planfeststellungsverfahren. Parallel dazu werden im Verlauf und in der Verlängerung der Strecke verschiedene Optionen geprüft, wie etwa Mittel- oder Außenbahnsteig in Buchschlag und die Anbindung bis Dieburg oder Langen. Wenn die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, werden wir sehen, ob Langen in einem ergänzenden Planungsverfahren in die RTW integriert werden kann, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger.

Als Aufsichtsratsvorsitzende der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF), setzt sie sich auch für eine Verbesserung der Angebote und der Pünktlichkeit auf den S-Bahnlinien S 1, S 2 sowie S 8, S 9 im Kreis Offenbach ein, die allesamt durch den stark frequentierten City-Tunnel in Frankfurt fahren müssen. Die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) hat jetzt beim Planungsbüro Albert Speer + Partner (AS+P) in Frankfurt eine Studie zur einer zusätzlichen südlichen S-Bahn-Führung in Auftrag gegeben.

Professor Dr.-Ing. Jürgen Follmann machte die Verkehrsfachleute am Ende des Mobilitätsforums auf ein bisher eher seltenes Verkehrsmittel aufmerksam, das aber immer mehr Rückenwind bekommt und für das die Kommunen künftig Abstellplätze schaffen sollten. „Das Lastenfahrrad ist im Kommen.“

Bild: Auf dem Foto zum Mobilitätsforum sind zu sehen (von links): Karsten Maaß, Mobilitätsbeauftragter des Kreises Offenbach, Prof. Dr. Jürgen Follmann (Dekan der Hochschule Darmstadt), Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, Dr. Christian Langhagen-Rohrbach (Hessisches Wirtschaftsministerium) und Thomas Horn, Verbandsdirektor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain.

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