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Jugendamt verstärkt Kontakte zu Eltern

von Familien-Blickpunkt.de am 23/01/2021 - 15:17 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Jugendamt verstärkt Kontakte zu Eltern

Kinder brauchen unseren Schutz.

Keine auffälligen Zahlen zur Kindeswohlgefährdung

Kreis Offenbach - Die Corona-Pandemie hat das Leben vieler Menschen stark verändert. Vor allem Familien stehen aufgrund von temporär geschlossenen Kindertagesstätten und Schulen sowie Homeoffice und Kurzarbeit vor großen Herausforderungen. Neue Aufgaben im Alltag, die Angst vor einem Jobverlust und damit verbundene finanzielle Not können für starke Belastungen sorgen. Wenn sich eine ganze Familie in Krisenzeiten, somit unter erschwerten Bedingungen, viel länger als gewöhnlich in einer manchmal zu kleinen Wohnung aufhalten muss, können durch das Zusammenleben Probleme entstehen. Darunter leiden oftmals die Kinder. Trotz aller Schwierigkeiten während der Lockdowns hat der Fachdienst Jugend und Familie des Kreises Offenbach jedoch keine signifikant gestiegenen Zahlen von Kinderwohlgefährdung registriert.

„Wir haben mit Beginn der Pandemie Mitte März vergangenes Jahr sofort eine Task Force eingerichtet, die seitdem permanent im Außendienst im Einsatz ist und Familien unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln besucht“, sagt Kreisbeigeordneter Carsten Müller. Gerade in den extremen Phasen der Krise waren sowohl das Team der Task Force als auch andere Fachkräfte des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Kreisverwaltung im engen Kontakt mit Familien, Kindertagesstätten, Schulen und dem gesamten Netzwerk der Helfenden, um Familien zu unterstützen und somit mögliche Kindeswohlgefährdungen frühzeitig zu erkennen. „Wir haben verstärkt Präsenz gezeigt und hatten viele Familien im Blick“, so der Jugenddezernent weiter.

Die Beschäftigten des Fachdienstes Jugend und Familie und vor allem die Task Force standen mit belasteten und überforderten Familien in Kontakt und ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Seit Mitte März des vergangenen Jahres wurden genau 917 Familien mit knapp 1.400 Kindern im häuslichen Umfeld überprüft. Im Hinblick auf eine mögliche Gefährdung des Wohls von Kindern gingen beim Allgemeinen Sozialen Dienst insgesamt 388 Meldungen ein. Davon war rund ein Viertel anonym. Weitere Hinweise kamen aus Schulen, Kindertagesstätten und dem medizinischen Bereich.

Die Task Force hat knapp 240 Familien besucht, die nicht zu einem der in Hessen vorgeschriebenen Vorsorgetermine bei einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt gekommen waren. Dadurch konnte sichergestellt werden, dass insbesondere kleine Kinder während des Lockdowns vom Jugendamt gesehen wurden.

Verglichen mit den Zahlen aus dem jüngsten Evaluationsbericht der Sozialarbeit aus dem Schuljahr 2016/17 liegen die Meldungen zur Kindeswohlgefährdung trotz der von der Pandemie verursachten Belastungen unter dem Durchschnitt. Auffallend war während der rund neunmonatigen Pandemiezeit 2020, dass den Fachdienst Jugend und Familie lediglich 28 Meldungen zum Verdacht einer Kindeswohlgefährdung in Schulen erreichten. Im Vergleichszeitraum des Schuljahres 2016/17 mussten sich die Sozialarbeiterinnen mit knapp 120 Fällen beschäftigen.

Mögliche Ursachen für diese geringe Zahl können unter anderem in den Besonderheiten der Krise liegen. „Aufgrund der zeitweisen Schulschließung sowie des Distanzunterrichts fehlten soziale Kontakte und Kontrollen, so dass Veränderungen im Verhalten der Kinder oftmals nicht bemerkt werden konnten“, führt Carsten Müller aus. Außerdem ist es wegen der Hygiene- und Abstandsregeln für die Schülerinnen und Schüler schwieriger gewesen, sich bei auftretenden Problemen der Lehrerin oder dem Lehrer anzuvertrauen.

Sowohl in Schulen als auch in Kindertagesstätten standen während des ersten Lockdowns Notbetreuungsplätze zur Sicherung des Kindeswohls zur Verfügung. Dort wurden zehn Kinder im Grundschulalter und 45 Mädchen und Jungen unter sechs Jahren untergebracht.

Eines der wichtigsten Ziele des Fachdienstes Jugend und Familie während der Pandemie ist es, den Kontakt zu den Familien und Kindern zu halten und den Faden auch dann nicht abreißen zu lassen, wenn Schulen und Betreuungseinrichtungen geschlossen sind und die Kinder sich weitgehend selbst überlassen bleiben. So hat der Allgemeine Soziale Dienst des Kreises die Fachkräfte, die ältere Kinder unterrichten und die unter Sechsjährigen betreuen, vergangenes Jahr verstärkt motiviert, weiterhin einen regen Austausch mit den Kindern zu pflegen. Durch diese präventive Arbeit kann eine drohende Kindeswohlgefährdung früher erkannt und verhindert werden.

Mit der Gründung der Task Force hat der Kreis Offenbach die Kontakte und Hausbesuche, meist waren es wegen der Corona-Bestimmungen Treffen im freien oder Spaziergänge mit Eltern, intensiviert und einige Prozesse beschleunigt. So gab es beispielsweise nach den Hinweisen aus Arztpraxen, dass Familien mit ihren Kindern nicht zur obligatorischen Vorsorgeuntersuchung erschienen sind, keine zwei, drei Briefe an die Eltern, sondern die Task Force war sofort im Einsatz und besuchte die Betroffenen umgehend.

Das Jugendamt des Kreises wird die während der Pandemie-Zeit gesammelten Erfahrungen analysieren und beurteilen, welche Arbeitsweisen etabliert werden können. „Wir haben im Kreis Offenbach ein starkes Netzwerk mit Trägern der Jugendhilfe, vielfältigen Angeboten der Erziehungshilfe sowie Beratungsstellen, mit denen wir gut zusammenarbeiten. Gerade in der Krise ist die Kooperation aller Beteiligter wichtig, um das Wohl der Kinder zu sichern und ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu fördern“, so Jugenddezernent Carsten Müller abschließend.

 

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