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Gebündelte Leistungen bringen mehr Effizienz

von Familien-Blickpunkt.de am 26/07/2021 - 14:58 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Gebündelte Leistungen bringen mehr Effizienz

Kreisausschuss stärkt Jugendberatungsbüro „RoOF“

Kreis Offenbach - Das Team des Jugendberatungsbüros „RoOF – Richtig orientiert im Kreis Offenbach“ in Dietzenbach wird seine Arbeit nach Abschluss der erfolgreichen Pilotphase fortsetzen und die Angebote ausbauen. Auf Beschluss des Kreisausschusses des Kreises Offenbach soll die Unterstützung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die im Übergang von der Schule zum Beruf Hilfe suchen, in der Einrichtung in der Albert-Einstein-Straße 32 in Dietzenbach weitergeführt werden. Seit Beginn des Projektes im Oktober 2018 bis heute haben die Fachkräfte des Jugendberatungsbüros knapp 1.100 junge Menschen gefördert und ihnen einen individuellen Weg in die berufliche Zukunft geebnet.

„Die Erfahrung hat gezeigt, dass aus der Zusammenarbeit von Fachleuten der Jugendhilfe und Projekten der Jugendberufshilfe des Kreises Offenbach, der Pro Arbeit und der Agentur für Arbeit Offenbach unter einem Dach und einem gemeinsamen Ziel vor Augen die größtmögliche Unterstützung für die Jugendlichen wächst“, sagt Kreisbeigeordneter Carsten Müller. Der Sozialdezernent hebt die niederschwelligen Angebote hervor: „Die Türen stehen allen jungen Leuten aus Dietzenbach offen, niemand wird wegen der Zuständigkeiten verschiedener Behörden von A nach B geschickt. Im ,RoOF´ betrachten wir die Zielgruppe ganzheitlich und finden interdisziplinär bei Fallkonferenzen Lösungen für Probleme.“

Die hohe Effizienz der Arbeit generiert das Jugendberatungsbüro durch das Zusammenspiel der Kompetenzen. Je nach Problemlage müssen junge Leute, die Schwierigkeiten im Übergang von der Schule in den Beruf haben, gewöhnlich drei verschiedene Stellen aufsuchen, um Hilfe zu bekommen. Im Sozialgesetzbuch sind die Zuständigkeiten dabei klar definiert: Der Kreis Offenbach ist für die Jugendhilfe zuständig (SGB VIII), die Pro Arbeit unterstützt Bürgerinnen und Bürger mit der Grundsicherung (SGB II) und die Agentur für Arbeit zeigt Betroffenen, welche Unterstützung es über die Arbeitsförderung (SGB III) gibt. Im „RoOF“, das englische Wort „roof“ heißt übersetzt „Dach“, werden die Kompetenzen zentral gebündelt. Unterstützung für das Projekt kommt auch von der Stadt Dietzenbach, die als Trägerin einer Stelle nachträglich in das Projekt aufgenommen wurde.

Im „RoOF“, das auch von Förderprogrammen des Bundes und des Landes Hessen profitiert, läuft seit fast drei Jahren alles unter einem Dach. Die Experten zu Themen wie etwa Berufsberatung, Lehrstellensuche, Weiterbildung, Schulbesuch oder Arbeit sitzen an einem Tisch und suchen gemeinsam mit den Betroffenen, die oftmals in multiple Problemlagen geraten sind, individuell den besten Weg aus der Krise und hin zum Berufsleben, zur weiterführenden Schule oder zum Studium. In besonders schwierigen Situationen, wenn es beispielsweise um Drogenmissbrauch oder einen hohen Schuldenberg geht, kooperieren die sieben operativen Mitarbeitenden und die zwei Koordinatorinnen des Jugendberatungsbüros mit Partnern aus einem Netzwerk verschiedener Unterstützergruppen. Fachleute unterschiedlicher Stellen schnüren somit im „RoOF“ ein Rund-um-Hilfspaket, das die Chancen der jungen Leute auf dem Arbeitsmarkt erhöht und ihre wirtschaftliche und soziale Teilhabe fördert.

Der Kreisausschuss des Kreises Offenbach hat mit seinem positiven Votum zur „Verstetigung der rechtskreisübergreifenden Strukturen des Jugendberatungsbüros“, wie es in der Beschlussvorlage heißt, das Fundament für die Unterstützung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestärkt und die Arbeit der Beratungsstelle mit der Budgetierung in den Haushaltsplänen finanziell auf sichere Beine gestellt.

„Zu den Angeboten des Jugendberatungsbüros gibt es keine Alternative, denn die Beendigung der Pilotphase hätte zu negativen sozialen Folgen geführt, die wir teuer bezahlen müssten. Wenn wir nicht frühzeitig Impulse geben und die Betroffenen in dieser für sie nicht einfachen Lebensphase stärken, haben wir später mehr Fälle in der Grundsicherung“, sagt Boris Berner, Vorstand der Pro Arbeit – Kreis Offenbach (AöR).

Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach, lenkt den Blick auf den Ausbildungsmarkt und spricht von einer Verschärfung der Lage durch Corona: „Der Zugang zu einer Ausbildung war wegen Corona stark beeinträchtigt und konnte allein durch digitale Wege nicht vollständig ersetzt werden. Vor allem bei Unternehmen, die vom Lockdown betroffen sind, ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Das Problem, dass Unternehmen und potenzielle Auszubildende teilweise nur schwer zusammenfinden, ist durch die Pandemie noch größer geworden.“

Der Übergang von der Schule zum Beruf ist für junge Menschen eine entscheidende Lebensphase, in der jede Unterstützung zählt, deshalb wollen wir die erfolgreiche Arbeit des „RoOF“ fortsetzen“, betont Kreisbeigeordneter Carsten Müller. Das Konzept der offenen Türen mit dem leichten Zugang zu den Angeboten konnte das Jugendberatungsbüro während der Pandemie temporär nicht umsetzen. Die Fachleute entwickelten kreative Möglichkeiten, um Kontakte zu knüpfen, sie trafen sich etwa mit den jungen Leuten im Freien und verstärkten die sogenannte aufsuchende Arbeit. Nach der Rückkehr in den Regelbetrieb rechnet das Jugendberatungsbüro mit einem hohen Zulauf.

Expertinnen und Experten des Rhein-Ruhr-Instituts für Sozialforschung und Politikberatung e.V. und des Instituts Arbeit und Qualifikation, beide gehören zur Universität Duisburg-Essen, haben die Arbeit des Jugendberatungsbüros vom Herbst 2019 an knapp ein Jahr lang analysiert und mit den jungen Menschen Interviews geführt. „Mit seinen innovativen Lösungen im administrativen Verfahren ist das ,RoOF´ im Kreis Offenbach zu einer Marke geworden. Die Einrichtung gewährleistet eine Beratungsqualität auf höchstem Niveau und verhindert, dass Jugendliche und junge Erwachsene verlorengehen. Die Leistungen sind qualitätssichernd, effektiv und wirkungsorientiert“, heißt es im Abschlussbericht. Das Konzept der Bündelung der Beratungsleistungen wird in der Evaluation als inhaltlich und operativ überzeugend bezeichnet. „Dadurch entsteht zugleich Mehrwert für die gesamte Bürgerschaft.“

Foto: Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach Thomas Iser, Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent des Kreises Offenbach Carsten Müller und der Vorstand des kommunalen Jobcenters Pro Arbeit Boris Berner im Jugendberatungsbüro "RoOF".

 

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