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Studie zum ehrenamtlichen Engagement im Kreis Offenbach

von Familien-Blickpunkt.de am 29/09/2011 - 12:35 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Studie zum ehrenamtlichen Engagement im Kreis Offenbach

Kreis Offenbach - Die Hochschule Darmstadt hat den ersten Teil der Auswertung des Freiwilligensurvey im Kreis Offenbach vorgelegt. Dazu wurden bundesweit 20.000 Menschen, hessenweit 1.000 und im Kreis Offenbach ebenfalls 1.000 Personen telefonisch befragt. „Die Studie brachte für uns als Kreis einige wichtige Erkenntnisse zu Tage“, so Landrat Oliver Quilling in einer ersten Stellungnahme. „Nämlich, dass wir insgesamt sehr gut dastehen, was das ehrenamtliche Engagement im Kreis betrifft. Wir aber immer noch Steigerungspotential haben, was das Engagement von Berufstätigen, kindererziehenden Frauen sowie Migranten und Haupt- und Realschülern betrifft!“

So engagieren sich laut der Studie etwa ein Drittel (36 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger des Kreises Offenbach ab 14 Jahre ehrenamtlich. Dies entspricht sowohl dem Bundes- also auch dem Landesdurchschnitt. „Allerdings sind 40 Prozent der Männer, aber nur 33 Prozent der Frauen ehrenamtlich engagiert.

Bis zum 35. Lebensjahr ist die Engagementquote bei Männern und Frauen gleich. Danach bricht das Engagement der Frauen ab. Zudem ist das Engagement bei den 14 bis 24 Jährigen (41 Prozent) und bei den über 65-Jährigen (32 Prozent) verglichen mit dem Land Hessen (34 bzw. 27 Prozent), im Kreis Offenbach signifikant höher. In den anderen Altersgruppen liegt der Kreis Offenbach dagegen unterhalb des hessischen Durchschnitts. Das ehrenamtliche Engagement im Kreis steigt auch mit der Höhe des Bildungsabschlusses. Nur 20 Prozent der Hauptschüler engagieren sich ehrenamtlich. Bei Gymnasiasten sind es dagegen 47 Prozent.

„Eine unserer Aufgaben wird es in den kommenden Jahren sein, die Lücke im ‚Mittelalter‘ und bei den Frauen zu schließen. Hier spielen aber natürlich auch bundespolitische Entscheidungen, wie Gesetze zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle eine wichtige Rolle“, macht Quilling deutlich.

Das Potential, die aufgezeigten Lücken zu schließen, ist im Kreis vorhanden - auch dies eine Erkenntnis aus der Studie. Denn rund 34 Prozent der Menschen im Kreis Offenbach, die bisher kein ehrenamtliches Engagement ausüben, wären unter bestimmten Bedingungen bereit, sich einzubringen. Dazu kommen nochmal 41 Prozent der bereits Engagierten, die bereit sind mehr als bisher zu tun. Quilling: „Das sind Zahlen, die mich durchaus hoffnungsvoll stimmen! Denn genug Aufgaben haben wir ja. Die Frage, die sich stellt ist also zunächst: Wie bringen wir diejenigen, die bereit sind, sich zu engagieren mit den Vereinen und Institutionen zusammen, die eine ehrenamtliche Tätigkeit anbieten. Hierüber werden wir uns im Kreis verstärkt Gedanken machen müssen. Wir werden dazu auch das Gespräch mit den Städten und Gemeinden suchen.“

Allerdings macht die Studie auch deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen noch durchaus verbessern lassen. So wünschen sich 60 Prozent der Engagierten ein größeres Finanzbudget für ihre Projekte. Eine weitere Grundvoraussetzung für die Ausübung der freiwilligen Tätigkeit, neben einem ausreichenden Finanzbudget, ist eine geeignete Infrastruktur, also beispielsweise das Vorhandensein von geeigneten Räumen. Etwa 39 Prozent der Engagierten im Kreis Offenbach sahen 2009 diesbezüglich Verbesserungsbedarf. Und auch beim freiwilligen Engagement spielte das Thema „Weiterbildung“ eine wichtige Rolle. 37 Prozent der Freiwilligen im Kreis Offenbach wünschen sich ganz klar bessere Weiterbildungsmöglichkeiten.

Freiwillige Tätigkeiten sind zudem häufig mit Kosten für die Freiwilligen verbunden. Teilweise können sich die Engagierten diese Kosten erstatten lassen. Möglichkeiten der Kostenerstattung sind besonders für finanziell weniger gut gestellte Engagierte wichtig, etwa wenn es um die Erstattung von Fahrtkosten geht. Im Kreis Offenbach wünschten sich 29 Prozent der Engagierten in diesem Punkt Verbesserungen.

„Interessant ist auch, dass sich viele Menschen deshalb nicht engagieren, weil sie schlicht und einfach nicht wissen wo“, so Quilling zu einem weiteren Punkt der Studie. „Hier werden wir direkt ansetzen und uns Gedanken über eine Info-Kampagne oder andere Maßnahmen machen.“

Auch der Wunsch nach Beratung und Unterstützung ist bei den Engagierten sehr groß. Quilling: „Die Erfahrung zeigt, dass eine solche Beratung ortsnah erfolgen muss. Obwohl der Kreis Offenbach die Einrichtung von Freiwilligenagenturen in den Städten und Gemeinden, insbesondere durch Beratung unterstützt, tun sich die einzelnen Kommunen schwer, solche Anlaufstellen für das ehrenamtliche Engagement einzurichten. Hier wäre eine von höchster Ebene unterstützte Kampagne zur Einrichtung von Freiwilligenagenturen eine sinnvolle Maßnahme.“

Insbesondere junge Menschen sind darüber hinaus daran interessiert, das Ehrenamt als Möglichkeit zur Weiterbildung zu nutzen. „Folgerichtig wäre es, Gelegenheiten für junge Menschen zu schaffen, sich im ehrenamtlichen Engagement zu erproben und über die gemachten Erfahrungen zu reflektieren. Ein solches Programm könnte in Kooperation mit Schulen, den Jugendverbänden, der Jugendförderung und dem Jugendbildungswerk entwickelt werden“, betont der Landrat.

Erwartungsgemäß niedrig ist auch die Gruppe der ehrenamtlich engagierten Migranten. Sie beträgt nur 25 Prozent, während ansonsten im Schnitt 36 Prozent einem Ehrenamt nachgehen. „Hier liegt also ein enormes Potential brach. Auffällig ist auch, dass Menschen mit Migrationshintergrund in den Vereinen des Kreises noch immer unterrepräsentiert sind. Durch Sprachförderung, aber auch über geeignete Projekte mit den Vereinen und Institutionen auf der einen und den Migrantenverbänden auf der anderen Seite, können wir hier die Quote sicherlich deutlich steigern. Das wird in Sachen Ehrenamt eine der Herausforderungen der kommenden Jahre sein“, so Quilling abschließend.

Eine Zusammenfassung der Ehrenamtsstudie und die vollständige 160-seitige Studie finden Interessierte auf der Internetseite des Kreises unter www.kreis-offenbach.de/Freiwilligensurvey.

Familien Blickpunkt



Kommentare


01/10/2011 - 18:06

Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung

Vier von fünf Ersthelfern sind Männer.

Den größten Männeranteil weisen Rettungsdienste und Freiwillige Feuerwehr auf (84%).[2] Die Wikipedia gibt für Deutschland 7,25%, für Österreich 3,4% und für die Schweiz 5,6% Frauenanteil an.[3] Der Katastrophenschutz weist einen Männeranteil von ca. 70% auf.[4] Das erweckt den Eindruck, dass sich Frauen lieber retten lassen als selbst andere zu retten.

http://wikimannia.org/Ehrenamt

30/09/2011 - 16:30

Gläserne Decken halten sehr wahrscheinlich die WauerPummen keimfrei davon ab, die niedrigste KinderInnenQuote ever ebenso, miese Frauenerwerbsquoten allenfalls mit Halbtags tun ihr Übriges dazu!
;-)

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