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Ein Jahr Corona im Kreis Offenbach

von Familien-Blickpunkt.de am 09/03/2021 - 15:08 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Ein Jahr Corona im Kreis Offenbach

Kreis Offenbach - Vor genau einem Jahr musste das Gesundheitsamt des Kreises Offenbach den ersten positiven SARS-CoV-2-Befund vermelden. Inzwischen gehört die tägliche Meldung der Fallzahlen zum Alltag. „Wir wollen bewusst einen Blick auf das außergewöhnliche Jahr zurückwerfen“, sagt Landrat Oliver Quilling. „Vieles, was wir heute über das Virus wissen, sind die Erkenntnisse der vergangenen zwölf Monate. Auch die Problemstellungen haben sich nach und nach verändert. Das Frühjahr 2020, die sogenannte erste Welle, war geprägt vom allgemeinen Mangel an persönlicher Schutzausrüstung und dem absoluten Minimum an sozialen Kontakten. Im Sommer 2020 entspannte sich die Lage merklich und das Leben kehrte in fast allen Bereichen zurück. Die AHA-Regel wurde zu unserem ständigen Begleiter. Im Oktober änderte sich dies schlagartig und die Fallzahlen schnellten in eine bis dato nie gekannte Höhe, die zweite Welle. Inzwischen hat die medizinische Maske die Alltagsmaske weitgehend abgelöst und verschiedene Mutationen sind bei uns angekommen. Der Start des Impfzentrums in Heusenstamm ist die positive Nachricht in dieser Zeit.“

Das Robert Koch-Institut weist die 7-Tages-Inzidenz aktuell mit 74,2 für den Kreis Offenbach aus. Zum Vergleich: Ende März, dem Hoch der ersten Welle, lag diese bei knapp unter 30. Zu dieser Zeit befand sich das ganze Land im ersten Lockdown mit geschlossenen Schulen und Kindergärten, Geschäften und Restaurants insbesondere auch mit einem strikten Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen. All diese Regelungen waren landesweit verfügt worden und bedurften keiner Allgemeinverfügungen des Kreises Offenbach. Dies hat sich inzwischen geändert. Das Land Hessen hat mit dem Eskalationskonzept sehr viel Verantwortung auf die Gesundheitsämter vor Ort übertragen. Für den Kreis Offenbach mit fast 360.000 Menschen in 13 Kommunen, die teilweise eng miteinander vernetzt sind, bedeutet dies eine permanente Prüfung der Situation und Abwägung, was die Verbreitung des Virus eindämmen kann. Der Corona-Krisenstab tagt bereits seit Februar 2020, anfangs täglich, inzwischen mehrfach wöchentlich. Darin sind neben den Dezernenten des Kreises, das Gesundheitsamt, die Pressestelle, der Rettungsdienst, die Polizei, die Bundeswehr und inzwischen auch das Staatliche Schulamt vertreten. Anschließend erfolgt eine Telefonkonferenz mit allen Bürgermeistern.

„Die Beschäftigten unseres Gesundheitsamtes haben außerordentliches geleistet“, resümiert der Landrat. Sie haben bis auf einige Sonntage im Sommer des vergangenen Jahres an sieben Tagen der Woche, insbesondere auch an Ostern und Weihnachten, vorrangig positiv getestete Personen in häusliche Isolation geschickt, deren Kontaktpersonen nachverfolgt und auch diese quarantänisiert. Viele Betroffene reagierten verständnisvoll, einige Personen nicht. Innerhalb des ersten Jahres der Pandemie wurden mehr als 12.500 Menschen, die im Kreis Offenbach leben, positiv getestet. Die prozentuale Verteilung auf die Altersklassen gestaltet sich aktuell wie folgt: bis zehn Jahre: neun Prozent, elf bis 20 Jahre: zwölf Prozent, 21 bis 30 Jahre: zehn Prozent, 31 bis 40 Jahre: 17 Prozent, 41 bis 50 Jahre: 15 Prozent, 51 bis 60 Jahre: 19 Prozent, 61 bis 70 Jahre: neun Prozent, 71 bis 80 Jahre: drei Prozent, 81 bis 90 Jahre: vier Prozent sowie über 91 Jahre: zwei Prozent. Nach wie vor ist das Infektionsgeschehen sehr diffus. Nur noch in wenigen Fällen können die Betroffenen Angaben zur Kontaktkette machen. Die Mehrzahl von ihnen weiß schlicht nicht, wo sie in Kontakt mit einer infizierten Person gekommen ist, oder will es in manchen Fällen auch nicht mitteilen. Rund 35.000 Menschen wurden in den zwölf Monaten als enge Kontaktpersonen ermittelt.

Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Infektionsschutz wurde von 46 Vollzeitstellen auf inzwischen 130 erhöht. Aus anderen Organisationseinheiten der Kreisverwaltung unterstützen etliche Beschäftigte das Gesundheitsamt und übernehmen einzelne Aufgaben, telefonieren an der Corona-Hotline oder kümmern sich um die konkrete Sachbearbeitung. Allein die Corona-Hotline hat mehr als 40.000 Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet. Auf dem Gelände des Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrums wurde ein separates Gebäude mit 15 Büroräumen für die neuen Beschäftigten errichtet. Um die Flut von Daten, die bearbeitet werden müssen, bewältigen zu können, hat das Gesundheitsamt des Kreises Offenbach bereits zu Ostern 2020 eine professionelle Praxissoftware installiert. Diese dient nicht nur der Verwaltung der Patientendaten, sondern unterstützt das Personal insbesondere bei der Bearbeitung der Fälle. Darüber hinaus sind seit nunmehr fünf Monaten 15 Kräfte der Bundeswehr in der Kontaktpersonennachverfolgung im Einsatz sowie weitere Kräfte als sogenannte „helfende Hände“ in den besonders stark betroffenen Alten- und Pflegeheimen.

Im Fokus stehen in den letzten Monaten vor allem die Alten- und Pflegeheime. Der Kreis Offenbach hat bereits zu Beginn der Pandemie, im Frühjahr 2020, begonnen, Einrichtungen, in denen positive Fälle festgestellt wurden, sehr engmaschig zu begleiten. Dies erfolgte mit unterschiedlichen Maßnahmen. Sie reichen von einem umfangreichen Besuchsverbot bis hin zur Verlegung von Infizierten innerhalb der Einrichtungen in einen separaten COVID-Bereich sein. In allen Fällen haben sich regelmäßige Reihentests von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Beschäftigten bewährt. Das Gesundheitsamt hat seither weit mehr als 2.000 Abstriche für PCR-Tests genommen. „Dies ist eine freiwillige Leistung und zählt nicht zur originären Aufgabe des Gesundheitsamtes“, erläutert Landrat Oliver Quilling. „Für uns war und ist diese Maßnahme aber sehr wichtig, um ein Bild über die Infektionslage innerhalb der jeweiligen Einrichtung zu bekommen. 26 der 27 Alten- und Pflegeheime im Kreis waren inzwischen betroffen, unterschiedlich heftig, aber teils auch mehrfach. Nachdem die zweite Corona-Schutzimpfung in diesen Einrichtungen größtenteils erfolgt ist, hat sich die Lage merklich entspannt. Zuvor hat es die Bewohnerinnen und Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen besonders hart getroffen, knapp 50 Prozent der inzwischen 442 Verstorbenen, lebten in den Einrichtungen. Mit der zweiten Welle ist die Zahl der Menschen, die verstorben sind, erheblich angestiegen. Während von März bis Mai 39 Verstorbene registriert wurden, sind es seit November 384 Verstorbene. Die prozentuale Verteilung auf die Altersklassen gestaltet sich insgesamt wie folgt: 40 bis 59 Jahre: ein Prozent, 50 bis 59 Jahre: ein Prozent, 60 bis 69 Jahre: acht Prozent, 70 bis 79 Jahre: 18 Prozent, 80 bis 89 Jahre: 46 Prozent, 90 bis 99 Jahre: 25 Prozent sowie über 100 Jahre: ein Prozent.

Die Corona-Pandemie hat die beiden Kliniken im Kreisgebiet vor große Herausforderungen gestellt. Zeitweise musste der gesamte Klinikbetrieb der Bekämpfung der Folgen der Coronainfektion untergeordnet werden. Am 25. Januar 2021 wurden 98 Patienten im Krankenhaus behandelt. Dank der ECMO-Therapie (Extrakorporale Membranoxygenierung) konnten in der Asklepios-Klinik in Langen, die für fünf Jahre als ECMO-Zentrum von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin zertifiziert wurde, viele Menschenleben gerettet werden.

„Am Sonntag, 27. Dezember 2020 konnten wir endlich mit den Corona-Schutzimpfungen starten“, sagt Landrat Oliver Quilling. „Bereits Mitte Dezember 2020 war das Impfzentrum auf dem Campusgelände in Heusenstamm startklar. Wir haben uns dabei bewusst für eine Lösung außerhalb einer großen Halle oder eines Bürgerhauses entschieden, um das öffentliche Leben, wenn es denn wieder möglich ist, nicht unnötig einzuschränken. 100 Menschen, die im Haus Dietrichsroth in Dreieich leben und arbeiten, waren die ersten, die in unserem Kreis durch ein mobiles Team geimpft wurden. Mit den mobilen Teams haben wir zügig – soweit das Land Hessen Impfstoff zur Verfügung gestellt hat – in den Alten- und Pflegeheimen, in Behindertenwohnanlagen, Einrichtungen des betreuten Wohnens und Krankenhäusern geimpft. Das Ausbruchsgeschehen dort konnte so weitgehend eingedämmt werden.“ Seit dem 9. Februar 2021 hat auch das Impfzentrum in Heusenstamm geöffnet, wo neben Personen der Priorisierungsgruppen eins und zwei, Beschäftigte im Rettungsdienst, in Arztpraxen und mobilen Pflegediensten geimpft werden. Die Rückmeldungen der Besucherinnen und Besucher sind durchweg sehr gut. Rund 19.000 Impfungen sind bislang im Kreis Offenbach durchgeführt worden, davon 85 Prozent mit Biontech, elf Prozent mit AstraZeneca und vier Prozent mit Moderna. Fast 5.000 Personen haben bereits die zweite Impfdosis erhalten.

Eine gute Nachricht ist auch, dass es inzwischen zwei Testcenter im Kreisgebiet gibt, in denen zusätzlich zu den Arztpraxen und Kliniken Abstriche für PCR-Tests abgenommen werden. In Dietzenbach am Schwimmbad ist dies seit Ende des vergangenen Jahres möglich, in Mainhausen im Bürgerhaus Mainflingen startete der Betrieb Anfang März. Seit Montag, 8. März 2021, haben die Bürgerinnen und Bürger einen Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche. Die ersten Teststationen im Kreisgebiet sind definiert und unter www.kreis-offenbach.de/testanspruch abzurufen. Weitere werden folgen.

Es treten immer mehr Mutationen vom Coronavirus auf – auch im Kreis Offenbach. Am 29. Januar 2021 wurde erstmals die Virus-Variante „B.1.1.7“, die sogenannte britische Mutation des Coronavirus, bei drei neuinfizierten Personen festgestellt. Inzwischen wurde eine Mutation in über 250 Fällen nachgewiesen, innerhalb der letzten sieben Tage waren es 68 neue Fälle.

In diesem Pandemie-Jahr gab es unterschiedliche Beschränkungen, die über Landesverordnungen oder Allgemeinverfügungen geregelt waren. Verstöße dagegen wurden von der Polizei und den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden geahnt. Die Bußgeldstelle beim Kreis hat knapp 1.900 Verfahren erfasst. Am häufigsten war der Verstoß gegen die jeweils gültigen Kontaktbeschränkungen.

„Auch die Arbeit der Kreisverwaltung hat sich verändert“, führt Landrat Oliver Quilling aus. „Wir mussten erstmals die Verwaltung schließen, so dass Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen nicht mehr persönlich vorbringen konnten. Seit der Wiederöffnung arbeiteten wir nur noch mit Terminvergabe. Rund zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten inzwischen im Homeoffice, auch dieser hohe Wert ist ein Novum für unser Haus. Gleichzeitig ist der Beratungsbedarf der unterschiedlichen Gruppen gestiegen. So hat beispielsweise die Wirtschaftsförderung rund 300 Unternehmen zu den unterschiedlichen Fragen, die sich aus der Pandemie ergeben haben, beraten. Einen hohen Beratungsbedarf hatten auch die Vereine im Kreis. Etwa 1.000 Anfragen konnte das Ehrenamtsteam beantworten.“ Mit 50.000 Euro hat der Kreis die Sport- und Kulturvereine zusätzlich direkt unterstützt. Darüber hinaus konnten 50.000 Euro aus Fördertöpfen des Landes vermittelt werden.

Für Schülerinnen und Schüler, denen kein mobiles Endgerät zur Verfügung steht, hat der Kreis Offenbach rund 5.500 Laptops – finanziert aus den Sondermitteln des Sofortausstattungsprogramms in der COVID-19-Pandemie für mobile Endgeräte – angeschafft. Diese wurden eingerichtet und über die Schulen an die Kinder verteilt. Aktuell wurden gut 3.700 mobile Endgeräte für Lehrkräfte bestellt. Eine besondere Unterstützung hat der Kreis Offenbach für die verschiedenen Einrichtungen der Kinderbetreuung, wie Kindergarten, Tagespflege und Schulkind, geleistet. Schätzungsweise 2,3 Millionen Euro wurden bereitgestellt, um das Angebot auch weiterhin zu sichern.

„Ein großes Dankeschön geht an die Beschäftigten unseres Hauses für den außergewöhnlichen Einsatz, an alle Pflegekräfte, sei es in den Altenheimen oder Krankenhäusern, und auch an die Bevölkerung, denn nur, wenn sich alle an die Maßnahmen halten, können sie auch eine Wirkung entfalten“, so Landrat Oliver Quilling abschließend. „Allerdings haben wir die Pandemie noch nicht hinter uns und wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen. Es sind Ausdauer und Durchhaltevermögen gefragt.“

 

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