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Giftinformationszentrum wird verstärkt genutzt

von Familien-Blickpunkt.de am 27/04/2011 - 16:04 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Giftinformationszentrum wird verstärkt genutzt

Staatssekretärin Müller-Klepper: „Lebensrettender Ansprechpartner bei Vergiftungsnotfällen“ - Giftnotruf 06131/19240.

Wiesbaden. Die gemeinsame Giftinformationszentrale für die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen, die in das Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz integriert ist, wird immer stärker genutzt. ”2010 wurden fünf Prozent mehr Beratungen als im Vorjahr durchgeführt. Über den Zeitraum von mehr als zehn Jahren ist die Gesamtanzahl der Beratungen ständig angestiegen. Von den rund 32.000 Anrufen, die im vergangenen Jahr bei der Giftinformationszentrale eingingen, kamen 13.400 und damit rund 42 Prozent aus Hessen“, erklärte die Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, Petra Müller-Klepper, heute in Wiesbaden.

Die im Jahr 2000 getroffene Entscheidung, dass Hessen kein eigenes Giftinformationszentrum einrichtet, sondern gemeinsam mit Rheinland-Pfalz eine entsprechende Zentrale betreibt, habe sich in der Praxis als richtig erwiesen. „Das Angebot wird gerade von der hessischen Bevölkerung verstärkt angenommen”, so die Staatssekretärin. Die Finanzierung der Einrichtung tragen beide Länder zu gleichen Teilen. Im Jahr 2011 stellt das Land Hessen 400.000 Euro zur Sicherstellung der Arbeit zur Verfügung.

”Die Einrichtung erfüllt eine wichtige, lebensrettende Funktion als Ansprechpartner für Vergiftungsnotfälle”, betonte Petra Müller-Klepper. Ratsuchende sind überwiegend Laien, Klinik- und Notärzte, niedergelassene Ärzte sowie Gesundheitsinstitutionen und Behörden. Der Grund der Anfrage ist zu über 90 Prozent ein vermuteter oder tatsächlicher Vergiftungsfall. Versehentliche Vergiftungsumstände bedingen mit etwa 65 Prozent den größten Anteil aller Vergiftungen. An zweiter Stelle folgen Selbstmordversuche mit annähernd 25 Prozent, an dritter Stelle Vergiftungsfälle, die durch Suchtverhalten ausgelöst wurden, mit rund 5 Prozent.

2010 waren bei 45 Prozent aller Anfragen Erwachsene von den Vergiftungen betroffen und zu 32 Prozent Kleinkinder im Alter von 1 bis 6 Jahre. „Bei den meisten kindlichen Vergiftungsfällen handelt es sich um Vergiftungen durch Haushaltsprodukte, Pflanzen, Pilze oder Medikamente, die versehentlich eingenommen werden“, erläuterte die Staatssekretärin. Bei den Erwachsenen geschehen etwa 50 Prozent der Vergiftungen versehentlich und 50 Prozent absichtlich als Suizide und Suizidversuche herbeigeführte Vergiftungen. Im Erwachsenenalter dominieren Vergiftungen durch Medikamente, Vergiftungsfälle durch Haushaltsprodukte und Pflanzen treten weniger auf. Bei einem Viertel aller Vergiftungsfälle gelang es, den Verlauf und den Ausgang der Vergiftung zu verfolgen. „Beim überwiegenden Teil aller Beratungsfälle kam es - auch durch die schnelle und kompetente Beratung der Giftinformationszentrale - zu einer Heilung“, so Petra Müller-Klepper. In 35 Fällen nahm die Vergiftung einen tödlichen Verlauf.

„Hilfe bei Vergiftungen heißt jedoch nicht nur Hilfe durch Beratung und Behandlung, sondern auch Aufklärung, Warnung und Vermeidung”, verdeutlichte Petra Müller-Klepper. Deshalb dokumentiere das Zentrum die bei der Giftberatung gewonnenen Erkenntnisse und werte sie aus. Ziel sei es, schnell zu erkennen und zu ermitteln, welche Stoffe, Zubereitungen oder Pflanzen für den Menschen gefährlich sein könnten.

Das Giftinformationszentrum in Mainz besteht bereits seit 47 Jahren. Die Beratungen werden dort durch speziell geschulte Ärzte mit Unterstützung von Chemikern und Biologen durchgeführt. Das Zentrum ist rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr unter der Telefon-Nummer 06131/19240 erreichbar (alternativ: 06131/232466; Fax 06131/232468; E-Mail:[email protected]). Zusätzliche Informationen über allgemeine Vergiftungsfragen, heimische Pflanzen und Pilze, Drogen und Heilmittel sowie aktuelle Meldungen sind im Internet abrufbar unter www.giftinfo.uni-mainz.de



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