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„Immer noch zu wenig Frauen in Führungspositionen“

von Familien-Blickpunkt.de am 15/06/2011 - 12:11 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

„Immer noch zu wenig Frauen in Führungspositionen“

Frauen im öffentlichen Dienst: Deutliche Fortschritte – aber noch keine Gleichstellung.

Oberursel. Die Politik für Chancengleichheit im öffentlichen Dienst Hessens verzeichnet messbare Erfolge. Das Hessische Gleichberechtigungsgesetz (HGlG) zeigt Wirkung. „In den letzten Jahren sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen – auch wenn die Chancengleichheit sowie die Beseitigung der Unterrepräsentanz von Frauen noch nicht umfassend erreicht sind. Das Gesetz wirkt und wird weiter gebraucht“, erklärte Staatssekretärin Petra Müller-Klepper heute beim Treffen der hessischen Frauenbeauftragten auf dem Hessentag in Oberursel.

Der aktuelle Bericht über die Umsetzung des HGlG belege die positive Entwicklung, offenbare aber auch die noch bestehenden Lücken. „Das HGlG, das seit mehr als 16 Jahren in Kraft ist, ist noch lange nicht überflüssig, sondern wird auch in Zukunft ein wichtiges Instrument bleiben.“

Frauen haben nur 12 Prozent der Führungspositionen inne

Frauen hätten mittlerweile ungleich bessere Chancen, beruflich aufzusteigen und Beruf und Familie zu vereinbaren, als dies vor Inkrafttreten des HGlG der Fall war. „Dennoch sind sie bis heute in den Führungspositionen von Landesverwaltung und Kommunen unterrepräsentiert. Auch hier Chancengleichheit herzustellen, wird die politische Herausforderung der nächsten Jahre sein“, so Petra Müller-Klepper weiter. Der Frauenanteil in der Besoldungsgruppe B, die Führungskräften in der Landesverwaltung vorbehalten ist, sei zwar um 4,1 Prozent gestiegen, mit insgesamt 12,3 Prozent aber noch immer viel zu gering. Auch an den Hochschulen hätten die Frauen aufgeholt, seien aber mit einem Anteil von 19 Prozent an den Professuren nach wie vor unterrepräsentiert. Immerhin habe sich der Anteil der Professorinnen in den letzten zehn Jahren verdoppelt.

Mehr Frauen in Vollzeitbeschäftigung – Parität im höheren Dienst fast erreicht

Obwohl die Zahl der Beschäftigten insgesamt rückläufig war, ist der Frauenanteil bei den Vollzeitbeschäftigten in der Landesverwaltung von 38,7 auf 40,8 Prozent gestiegen. „Es ist aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ eine positive Entwicklung festzustellen: Der Frauenanteil im höheren Dienst ist beachtlich gestiegen“, erklärte die Staatssekretärin. Dort seien die weiblichen Angestellten in Vollzeit 2008 mit ihren männlichen Kollegen fast gleichgezogen (zirka 47 Prozent). Der Anteil der Beamtinnen in der Besoldungsgruppe A sei um 5 Prozent auf 33,6 Prozent gestiegen. Bei den Gerichten habe sich die Zahl der Richterinnen ebenfalls auf etwa ein Drittel der Richterschaft erhöht. Speziell in der Arbeitsgerichtsbarkeit seien Richterinnen seit 2008 erstmals nicht mehr unterrepräsentiert.

Teilzeit ist Frauendomäne – in Führungspositionen kaum zu finden

Die Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind in der Landesverwaltung und in den Kommunen umfangreich und vielfältig, wie der Bericht zeige. „Sie werden allerdings fast ausschließlich von Frauen wahrgenommen. Deshalb sind ungleich mehr Frauen in Teilzeit beschäftigt als Männer“, erläuterte Petra Müller-Klepper.

Teilzeitbeschäftigung sei eine Domäne der Frauen im gehobenen und mittleren Dienst und werde im höheren Dienst offenkundig als Karrierebremse betrachtet. „Die höchsten weiblichen Teilzeitquoten hat der mittlere Dienst mit 91,7 Prozent zu verzeichnen, die niedrigsten der höhere Dienst mit 63,3 Prozent. Je höher die Besoldung, desto seltener wählen Frauen eine Teilzeitbeschäftigung“, skizzierte Petra Müller-Klepper.

Frauen fürchteten offenbar um ihre Karriere- und Aufstiegschancen, wenn sie nicht jederzeit beruflich präsent sein können. „Es herrscht immer noch der Anwesenheitsmythos. Wer lange im Büro und permanent erreichbar ist, mit dem wird hohe Leistungsfähigkeit assoziiert.“ Teilzeit sei in Führungspositionen selten anzutreffen, so dass es nicht verwundere, dass die Führungspositionen im öffentlichen Dienst nach wie vor männerdominiert seien.

„Diese Problematik muss für die Zukunft Ansporn sein, Chancengleichheitspolitik stärker als bisher an die männlichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu adressieren. Denn nur wenn sie bei der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen ähnlich großes Engagement entwickeln wie die Frauen, wird sich Teilzeitbeschäftigung zu einer normalen, den beruflichen Aufstieg nicht behindernden Form der Erwerbstätigkeit entwickeln“, forderte die Staatssekretärin. Sie wies darauf hin, dass das Gleichberechtigungsgesetz dem Prinzip des Gender Mainstreamings verpflichtet ist und somit immer beide Geschlechter in den Fokus von Chancengleichheitspolitik nimmt. „Das HGlG hat mit der Installierung der Frauenbeauftragten und der Verpflichtung der Dienststellen zur quantitativen wie qualitativen Frauenförderung erheblich zur Chancengleichheit in der hessischen Landesverwaltung beigetragen.

HGlG Novellierung

„Die Umsetzung des HGlG ist ein Erfolg, wenn auch noch nicht in allen Bereichen zufriedenstellend“, betonte die Staatssekretärin. Mit der geplanten Novellierung in 2013 solle eine umfassende Gesetzesänderung vorgenommen werden, die das HGlG schlagkräftiger und durchsetzungsfähiger mache.



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