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Kreis Offenbach sucht erneut Pflegeeltern

von Familien-Blickpunkt.de am 24/08/2016 - 10:29 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Kreis Offenbach sucht erneut Pflegeeltern

Kreis Offenbach - Kinder sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Darum müssen sie behütet aufwachsen können. In manchen Fällen ist die Ursprungsfamilie damit überfordert. Wenn es beispielsweise auf Grund von Suchtproblemen erkennbar zu Vernachlässigung oder Gewalt in der Familie kommt, ist die Jugendhilfe gefragt. Sie kümmert sich darum, für die betroffenen Kinder vorübergehend oder dauerhaft ein neues Zuhause zu finden. Dabei setzt sie verstärkt auf Pflegefamilien.

„Pflegeeltern sind zu einem unverzichtbaren Baustein in der Jugendhilfe geworden“, erklärt dazu der Sozialdezernent des Kreises Offenbach Carsten Müller, „denn sie bieten Kindern die Möglichkeit, in einem familiären Umfeld aufzuwachsen. Die Entscheidung zur Pflegelternschaft ist allerdings nicht leicht und darum wollen wir am 20. September mit einem Informationsabend unter dem Leitspruch „Ich suche Pflegeeltern“ verstärkt auf das Thema aufmerksam machen. Mit gezielter Werbung wollen wir interessierte Menschen für das komplexe Thema sensibilisieren. Besonders freut es mich, dass sich auch bei dieser Kampagne die Kirchen dazu bereiterklärt haben, das Werbematerial auszulegen, und so die Aktion tatkräftig zu unterstützen.“

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Modelle einer Pflegeelternschaft, zum einen die Bereitschafts- und zum anderen die Vollzeitpflege. 101 Mädchen und Jungen werden im Kreis Offenbach zurzeit als Pflegekinder in 81 Vollzeitpflegefamilien betreut. Hier verbleiben die Kinder meist bei einem Elternpaar, bis sie junge Erwachsene sind. In der Bereitschaftspflege werden Kinder bis zum Alter von maximal drei Jahren auf Zeit betreut. Sie verbleiben manchmal nur wenige Tage, höchstens allerdings ein Jahr, in den verschiedenen Betreuungsfamilien. Zielsetzung ist es, in dieser Zeit eine Entscheidung zu treffen, wie sich die Zukunft der Kinder dauerhaft gestalten soll. Im Fokus steht dabei immer das Kindeswohl, das die absolut oberste Priorität hat. Aktuell sind zehn Kinder im Kreis in Bereitschaftspflege. In diesem Bereich werden ebenfalls noch dringend Pflegefamilien gesucht. Lediglich elf Familien stehen aktuell im Kreis bereit, um solche Kinder im Notfall aufzunehmen und zu betreuen. „Auch hier hoffen wir, weitere Familien zu finden“, so Carsten Müller.

Potentielle Pflegeltern erhalten zudem professionelle Unterstützung. „Unser Pflegekinderdienst“, erläutert Sandra Hansmann, Bereichsleiterin „Allgemeiner Sozialer Dienst“, „bietet eine intensive Vorbereitung sowie eine regelmäßige Beratung durch persönliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im Fachdienst Jugend und Familie. Außerdem ist der Austausch mit anderen Pflegeeltern und Supervision möglich.“ Der finanzielle Aufwand wird über ein Pflegegeld ausgeglichen.

Ganz wichtig ist für Pflegeeltern, dass sie Spaß und Freude am Umgang mit Kindern haben, über ausreichend Zeit und Platz für das Zusammenleben mit einem (weiteren) Kind verfügen und bereit sind, mit dem Fachdienst Jugend und Familie aber auch den leiblichen Eltern immer im Interesse des Kindes zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus sollten sie bereits die Erfahrung gemacht haben, dass Krisen zum Leben gehören und ihre eigene Persönlichkeit als stabil und belastbar einschätzen.

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass das „Ja“ zur Pflegeelternschaft sehr wohl überlegt sein will, denn es bedeutet immer gravierende Veränderungen in der aufnehmenden Familie. „Aber“, hofft Carsten Müller, „vielleicht trägt die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit dazu bei, dass sich interessierte Menschen mit dem Gedanken auseinandersetzen, doch einem Kind ein vorübergehendes oder dauerhaftes Zuhause zu schaffen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Pflegeeltern zeigen immer wieder, dass diese Beziehung von Geben und Nehmen auf Dauer für alle Beteiligten ein Gewinn ist.“

Die Aktion fand bereits vor zwei Jahren statt. Damals konnten acht zusätzliche Pflegeelternpaare gefunden werden. „Aufgrund der guten Resonanz haben wir uns dazu entschieden, erneut einen Informationsabend zu veranstalten“, erklärt Carsten Müller.

In einer weiteren Kampagne wurden im vergangenen Jahr Gasteltern für unbegleitet Minderjährige gesucht. Mittlerweile haben hier neun junge Menschen ein Zuhause gefunden. Pflege- und Gasteltern haben in der Jugendhilfe dauerhafte Ansprechpartner und werden so mit Problemen nicht allein gelassen. Oft müssen die Kinder eine schwierige familiäre Vergangenheit verarbeiten und den Wechsel von Bezugspersonen verkraften. „Für diese Lebenslagen muss besonderes Verständnis aufgebracht werden“, so der Sozialdezernent. „Darum bekommen Pflegeeltern im Kreis Offenbach jede nur erdenkliche Unterstützung, die sie benötigen.“

Wer Interesse daran hat, als Pflegefamilie vorübergehend oder auf Dauer ein Kind aufzunehmen, kann sich ab dem 24. August mittwochs und donnerstags von 9:00 Uhr bis 11:00 Uhr unter 06074/8180-3350 an den Pflegekinderdienst des Kreises Offenbach wenden. Dort können sich Interessierte auch zu der Veranstaltung anmelden. Weitere Informationen gibt es außerdem unter www.kreis-offenbach.de/Pflegefamilien.

www.familien-blickpunkt.de



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