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Kunst vor Ort: Luther-Skulptur enthüllt

von Familien-Blickpunkt.de am 01/11/2018 - 11:51 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Kunst vor Ort: Luther-Skulptur enthüllt

Dieses Kunstwerk von Andreas Kopp wurde am Reformationstag (31. Oktober) auf dem Lutherplatz in Lang

Kreis Offenbach - Am Reformationstag haben Landrat Oliver Quilling, Langens Erster Stadtrat Stefan Löbig sowie Pfarrer Steffen Held, Vorsitzender der Evangelischen Kirchengemeinde Langen, gemeinsam mit dem Künstler Andreas Kopp die neue Luther-Skulptur auf dem gleichnamigen Platz in Langen enthüllt.

Der in Paderborn lebende deutsch-niederländische Künstler Andreas Kopp hatte den Wettbewerb „Kunst vor Ort“ gewonnen. Das Thema lautete „Luther und die Reformation“. Der Kreis Offenbach, die Sparkasse Langen Seligenstadt, die Stadt Langen und die Evangelische Kirchengemeinde hatten vor diesem Hintergrund den Entwurf und die Ausführung eines Kunstobjektes ausgeschrieben. Die Skulptur soll auf das Wirken des Reformators verweisen und dessen Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft herausstellen.

„Die von Martin Luther am 31. Oktober 1517 am Portal der Schlosskirche zu Wittenberg angebrachten 95 Thesen setzten den entscheidenden Impuls der reformatorischen Bewegung. Die Reformation veränderte die Kirche, Europa und die Welt. Errungenschaften wie Freiheit, Bildung und Sprache sind heute selbstverständliche Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, die aber immer wieder neu verteidigt und als wichtiger gesellschaftlicher Faktor wahrgenommen werden müssen“, betonte Landrat Oliver Quilling. „Das war die Idee hinter der Ausschreibung!“ Die Figur selbst ist rund 190 Zentimeter hoch und aus zehn Millimeter dickem Cortenstahl gelasert. Die Oberfläche dieses Materials korrodiert in lebendigen Farbtönen und schützt die Skulptur vor Witterungseinflüssen.

„So viel Luther war noch nie auf diesem Platz, der schon immer etwas Herausragendes für unsere Stadt darstellte: Hier stand die Gemeindewaage, hier wurde Markt gehalten und hier wurde die Langener Kerb gefeiert“, machte Langens Erster Stadtrat Stefan Löbig während der Einweihung der Skulptur deutlich. Seinen heutigen Namen erhielt der Platz übrigens anlässlich des 400. Geburtstages von Dr. Martin Luther am 10. November 1888, also vor fast genau 130 Jahren. Löbig: „Das Ereignis wurde damals drei Tage lang gefeiert, das Lied ‚Eine feste Burg ist unser Gott‘ erklang in aller Munde.“

Der Reformator wandte sich zeitlebens gegen die Zerstörung von Kunstwerken durch reformierte Bilderstürmer und ließ Bilder zu. Dadurch verhalf er den Kunstschaffenden, sich aus den Fesseln der Religion zu befreien. Die Folge war, dass eine neue Form der Kunst entstand. Selbst wenn Gemälde sakrale Themen hatten, waren sie nicht mehr vorrangig nur für Kirchen gedacht. Häufig entstanden sie als Auftragsarbeiten von privaten Sammlern, die damit ihr Heim schmücken wollten. „Deshalb müssen wir dem gebürtigen Eisenacher auch nach 500 Jahren noch für sein Wirken sehr dankbar sein und daher ist es nur folgerichtig, dass Langen ihn nicht nur durch die Namensgebung dieses Platzes ehrt, sondern ihn nun auch durch ein eigenes Denkmal ins Bewusstsein ruft, das auf die Reformation verweist und deren Bedeutung für Gegenwart und Zukunft herausstellt,“ betonte Löbig.

Wichtig ist dem Künstler, dass die Begegnung des Betrachters mit der Skulptur Luthers auf Augenhöhe stattfindet. Kopp: „Diesen Umstand möchte ich zum Ausdruck bringen, indem ich auf jegliche Erhöhung und jegliche Inszenierung der Figur des Reformators verzichte. Luther soll vielmehr als ein selbstverständlicher Bestandteil des Lutherplatzes wahrgenommen werden.“ Die Figur erscheint zudem wie ein Scherenschnitt. Ihre beiden Seiten werden durch einen circa zwölf Zentimeter breiten, sich nach oben hin verjüngenden Glaskeil, der den Glauben versinnbildlichen soll, zu einer Einheit verbunden. Der Glaskörper selbst wurde aus verklebtem Schichtglas gefertigt.

Voller Freude dankte Pfarrer Steffen Held in seiner Rede allen, die dieses Kunstwerk durch ihre Unterstützung und ihr Engagement möglich gemacht haben. „Es war vor allem die Idee eines jungen Mannes aus unserer Gemeinde, die das Ganze in Gang setzte. Das Motto, ‚mehr Luther am Lutherplatz‘ zu wagen, überzeugte auch andere: den Kreis Offenbach, die Sparkasse Langen-Seligenstadt, die Stadt Langen und viele Förderer und Unterstützer, und darüber bin ich sehr, sehr glücklich“, so Held. „Es braucht wie zu Luthers Zeit immer wieder den Impuls Einzelner aber auch die Zusammenarbeit Vieler. Dann können auch große Projekte gelingen. Voller Dankbarkeit enthüllen wir heute unseren Luther, der uns mitten im Alltag auf Augenhöhe begegnet.“

Der 1959 geborene Kopp ist seit Anfang der 90er Jahre auf zahlreichen internationalen Ausstellungen präsent. Er erhielt zudem immer wieder öffentliche Aufträge, etwa für das Foyer der Kölnarena und die Halle des technischen Rathauses in der Domstadt.

„Kunst vor Ort“ entstand 1999 aus einer gemeinsamen Initiative der Sparkasse Langen-Seligenstadt und des Kreises Offenbach, um genau diese Verbindung von Kunst, Region und Öffentlichkeit zu fördern. „Seitdem wurden verschiedenste Arbeiten in Heusenstamm, Mühlheim am Main, Dietzenbach, Langen, Obertshausen, Neu-Isenburg, Dreieich, Hainburg, Egelsbach, Mainhausen, Rodgau und Seligenstadt realisiert. Somit sind in nunmehr zwölf der 13 Kreiskommunen bereits Kunstwerke im Rahmen des Projekts entstanden“, so Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt. Da Rödermark nicht zu dem Gebiet der Sparkasse Langen-Seligenstadt gehört, findet hier die Aktion nicht statt. Die Luther-Skulptur ist nach den Stelen von Christian Rothmann am Finanzamt aus dem Jahr 2002 bereits das zweite Objekt der Reihe in Langen.

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