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Plakette »Schwalbenfreundliches Haus« verliehen

von Familien-Blickpunkt.de am 23/09/2012 - 16:54 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Plakette »Schwalbenfreundliches Haus« verliehen

Quelle: Wikipedia

Kreis Offenbach - Am Dienstagnachmittag haben Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, der Erste Vorsitzende des NABU Kreisverbandes Offenbach e.V. Dr. Joachim Wink und der örtlichen Vogelschutzbeauftragte Rudolf Keil der Familie Winter in der Pestalozzistraße in Dietzenbach die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus" überreicht. Sie steht stellvertretend für insgesamt fünf „schwalbenfreundliche Häuser" in der Kreisstadt, die im Rahmen einer deutschlandweiten Kampagne des NABU prämiert werden. „Die Schwalbenfreundlichen Häuser" stehen in den unterschiedlichen Ortsbereichen von Dietzenbach: Es sind neben der Familie Winter in der Pestalozzistraße, die Familie Zimmermann und Herr Lehr aus der Dietzenbacher Altstadt, Familie Acker und der Reiterhof der Familie Heberer. „Und genau diesen Familien gilt dieses sichtbare Dankeschön in Form der Auszeichnung der Plakette mit der Aufschrift: Schwalbenfreundliches Haus", freut sich Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. „Wir wollen damit auch ein Zeichen setzen, um mehr Eigentümer zu animieren den Tieren einen Unterschlupf zu gewähren!"

Der leidenschaftliche Mehlschwalbenfan Herr Winter besitzt sechs Mehlschwalbennester unter der Dachtraufe seines Wohnhauses, die alle Jahre wieder von den Schwalben genutzt werden. Fast auf den Tag genau kehren sie Anfang April aus dem afrikanischen Winterquartier zurück und beziehen dort das gleiche Nest, wie in den vergangenen Jahren. Familie Winter wartet im Frühjahr ungeduldig auf die Ankunft der Tiere. Dann zittern sie den ganzen Sommer über mit den Schwalben. In diesem Jahr konnte – trotz der verspäteten Ankunft der Vögel aus dem Süden – eine dritte Brut aufgezogen werden. Dies kommt nicht so oft vor.

Im Gegensatz zu vielen anderen Hausbesitzern, deren Schwalben noch Naturnester aus Lehm und Strohalmen nutzen, hat Herr Winter Kunstnester an seinem Haus angebracht. Das heißt, ohne seine Hilfe könnte dort keine Schwalbe nisten. Bedingt durch die Flächenversiegelungen gibt es heute kaum noch Lehmpfützen oder gar Strohhalme für den Nestbau der wendigen Flieger. Finden die Vögel kein Nistmaterial mehr, fallen die Bruten aus. Das ist ein Grund, weswegen diese schönen Vögel mittlerweile auf der roten Liste als eine besonders gefährdete Vogelart stehen. Andere Gründe für das Verschwinden ihrer Art sind unter anderem, dass viele Hauseigentümer aus hygienischen Gründen keinen Neubau an der Hausfassade dulden, oder die Nester gar abschlagen.

Dazu ist anzuführen, dass die Mehl- und Rauchschwalben nach dem Bundesnaturschutzgesetz (kurz: BNatSchG) zu den besonders geschützten Arten zählen und es verboten ist, den Vögeln nachzustellen, sie zu verjagen, deren Brut zu entfernen und deren Nester zu beschädigen oder gar zu zerstören. Es ist ebenfalls verboten, den Nestbau durch Vergrämungsversuche zu behindern. Der Gesetzgeber geht mittlerweile soweit, dass die Nester ganzjährig rechtlich geschützt sind, also auch dann, wenn die Vögel beispielsweise im Winterquartier sind. Das Entfernen von Nestern steht unter Strafe und wird mit einem hohen Bußgeld geahndet.

Herr Winter entschloss sich bereits 1989 seinen Beitrag zum Artenschutz zu leisten. Mit Hilfe des örtlichen Vogelschutzbeauftragten Rudolf Keil und der finanziellen Unterstützung des Kreises Offenbach, der die Anschaffung künstlicher Nisthilfen heimischer und bedrohter Vogelarten fördert, brachte er die speziellen Kunstnester aus Holzbeton an seiner Hausfassade an.

Viele Naturliebhaber werden nun sagen, die Schwalben sind ja durchaus nützlich, doch was ist mit den Ausscheidungen der Vögel. Für dieses Problem gibt es eine ganz simple Lösung. Ein einfaches Holzbrettchen oder wie bei Familie Winter ein Edelstahlblech, welches unterhalb der Nester angebracht wird, fangen den Schwalbendreck auf. Die Reinigung eignet sich am besten nach dem Ausflug der Jungen Ende August. Hinzu kommt, dass die wendigen Flugkünstler sehr nützlich sind. Sie säubern die Luft rund ums Haus von Mücken, Schnaken und anderen lästigen Fluginsekten. Gut zu beobachten ist das vor allem in Tierstallungen, in der jede Rauchschwalbe täglich etwa elf Gramm Insekten vertilgt beziehungsweise an ihre Jungen verfüttert.

Der ehrenamtliche Naturschützer Rudolf Keil, ist in Sachen Schwalbenschutz in Dietzenbach regelmäßig aktiv. Er hat schon viele kritische Hausbesitzer vom Erhalt dieser selten gewordenen Vögel überzeugen können. Sein Leitspruch lautet: „Es ist immer wichtig, miteinander zu reden". Jedenfalls kann er sagen: „Gemeinsam haben wir bisher immer eine Lösung gefunden, um diesen selten gewordenen, eleganten Fliegern eine Zukunft auch mitten unter uns, zu ermöglichen." Auch den Ersten Vorsitzenden des NABU Kreisverbandes Offenbach e.V. Dr. Joachim Wink stimmt diese Aktion optimistisch, wenn es noch mehr „Naturschutz bewusst denkende Menschen" gibt, die Schwalben am Haus willkommen heißen, gemäß des alten Sprichwortes: „Wenn Schwalben am Haus brüten, geht das Glück nicht verloren!"

Wenn es Leser und Leserinnen gibt, die das Artenschutzprojekt unterstützen und sich beteiligen möchten, beachten Sie bitte folgende Kriterien:

Sie dulden die Brutplätze der Schwalben an ihren Wänden

Sie akzeptieren das Brutgeschehen der Sommerboten

Sie fördern es sogar durch das Aufhängen von Nisthilfen

Sie stellen die Anlage einer Lehmpfütze zum Bau eines Nestes bereit

dann werden die Mehl- und Rauchschwalben mitten in Deutschland und unter uns eine Zukunft haben.

Weitere Informationen zur „Schwalbenfreundlichkeit" gibt es beim örtlichen Vogelschutzbeauftragten, Rudolf Keil, Telefon 06074/26296. Für Fragen zum rechtlichen Artenschutz steht der Kreis Offenbach, Untere Naturschutzbehörde bereit. Ansprechpartnerin ist Petra Maurer, Telefon 06074/8180-4130.

www.familien-blickpunkt.de



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