Magazin

Über das FSJ zum Bayerischen Rundfunk

von Familien-Blickpunkt.de am 23/08/2012 - 15:39 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Über das FSJ zum Bayerischen Rundfunk

Kreis Offenbach - Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bietet seit über 40 Jahren jungen Menschen die Möglichkeit, praktische Erfahrungen im Beruf zu sammeln und soziales Engagement zu zeigen. Seit 2001 ist dies auch in kulturellen Einrichtungen möglich und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Eine, die diese Möglichkeiten jetzt acht Monate nutzte, war Linda Weidmann. Die 21jährige absolvierte seit Januar ihr FSJ im Bereich Ehrenamt, Sport und Kultur des Kreises Offenbach.

Nach dem Abitur vor zwei Jahren an der Frankfurter Liebigschule ging es zunächst einmal ein Jahr nach Australien. Warum gerade Australien? „Weil ich mal was ganz anderes sehen wollte", erinnert sich Linda Weidmann. Die Schule fand sie am Ende oft unbefriedigend. „Oft musste ich etwas lernen, was ich nicht lernen wollte." Einfach nur weit weg, eine neue Herausforderung, viele neue Erfahrungen machen - das war für sie nach dem bestandenen Abi die Hauptsache.

Linda Weidmann ist kein Einzelfall. Jedes Jahr stellen sich sehr viele Schüler die Frage: „Abi - und jetzt?" Viele wollen nicht gleich studieren, dann arbeiten und als Nächstes Familie. Vielen geht das zu schnell. Die meisten wissen noch nicht so richtig, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. „Ich wollte zwar beruflich etwas Kreatives machen - mit Film, da mich der Umgang mit einer Kamera schon immer faszinierte und ich bereits mit 16 Jahren zusammen mit meiner besten Freundin Videos gedreht und geschnitten habe. Aber so recht wusste ich nicht, wie ich es anfangen soll, wo mein Weg ist!", erinnert sich Linda Weidmann.

In Australien traf sie eine junge Frau, die ihr vom Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur vorschwärmte. Im Anschluss daran hätte man Gewissheit, ob der Bereich etwas für einen ist oder nicht. Linda Weidmann: „Sie sprach von einem intensiven Blick „hinter die Kulissen", von wichtigen Praxis-Erfahrungen und einem guten Einstieg. Das hat sich für mich total schlüssig angehört."

Nach dreizehn Jahren Frontalunterricht war auch Linda Weidemann hungrig. Hungrig nach der Chance, einfach einmal das machen zu können, was sie wirklich machen wollte, ohne sich gleich festzulegen. Weidmann: „Ich wollte mich vor meiner endgültigen Studien- oder Berufswahl noch mal orientieren." Der Freiwilligendienst Kultur bot ihr diese Chance. Die Bewerbung wurde allerdings zum Hürdenlauf. Denn Weidmann bewarb sich erst Ende Mai. Da waren viele der 80 FSJ-Stellen im Bereich Kultur in Hessen schon vergeben. Denn das nächste FSJ begann im September. Es gab Gespräche, Diskussionen, Vorstellungsgespräche.

Dann bekam sie die Chance beim Kreis Offenbach. „Zuerst hatte ich Zweifel. Schließlich wollte ich in einen Kulturbetrieb und nicht in eine Behörde. Doch dann erfuhr ich, dass dort verschiedene Projekte auf Umsetzung warteten. Dazu gehörte die Einführung eines Newsletters Kultur und die Konzeption von Videoführungen per iPad im Landschaftsmuseum Seligenstadt. Dann ergab sich auch noch die Möglichkeit mit den Azubis einen Film über Ausbildung im Öffentlichen Dienst zu produzieren. Das hat mich überzeugt", so Weidmann.

Die Videoführungen im Landschaftsmuseum sind mittlerweile Wirklichkeit, der Azubi-Film ist fertig. „Die Projekte waren eine richtige Herausforderung. Ich konnte kreativ sein, eigentlich das tun, was ich immer wollte: Videos produzieren, einen Film drehen, schneiden und bearbeiten. Auch hat es sehr geholfen, das erste Mal eigenständig zu arbeiten und die Abläufe der lokalen Kulturarbeit kennen zu lernen", sagt Linda Weidmann rückblickend. „Und ich habe Aspekte eines ganz anderen Systems, nämlich einer Verwaltung, kennengelernt, deren Abläufe, deren Organisation und Gesetzmäßigkeiten. Das war unheimlich interessant und hat mir - glaube ich - auch ganz praktisch was für mein weiteres Leben gebracht!"

Am 3. September beginnt Linda Weidmann beim Bayerischen Rundfunk in München eine dreijährige Ausbildung zur Mediengestalterin. „Wir lernen dort alles was mit Bild, Ton und Kamera zu tun hat! Das Produzieren, Drehen und Cutten eines Films oder einer Fernsehproduktion. Und auch dank des FSJ weiß ich, dass das genau das ist, was ich später einmal machen will!", lässt Linda Weidmann ihre FSJ-Erfahrung Revue passieren.

Vom Erfolg ist auch ihr bisheriger „Chef" Landrat Oliver Quilling überzeugt. „Frau Weidmann war technisch versiert, sie war unheimlich kreativ und gleichzeitig diszipliniert. Zudem hat sie eine hohe soziale Kompetenz und ist teamfähig. Ehrlich gesagt, wir hätten sie gerne weiter behalten. Aber ich bin mir sicher, sie wird ihren Weg beim Bayerischen Rundfunk machen", ist sich Quilling sicher. „Auch weil ich glaube, dass sie genau das macht, wo ihre Stärken liegen! Und um das herauszufinden hat ihr das FSJ entscheidend geholfen. Man sieht also, das Freiwillige Soziale Jahr ist eine tolle Sache und wir danken der Sparkasse Langen-Seligenstadt, die uns bei der Realisierung finanziell unter die Arme gegriffen hat!"

Der Kreis Offenbach und der Bereich Ehrenamt, Sport und Kultur suchen übrigens auch für das kommende Jahr FSJler. Interessenten können sich beim Arbeitskreis der Bundezentralen Trägerverbände und Zentralstellen, Telefon 030/ 32 52 96 29 oder direkt beim Kreis Offenbach unter Telefon 06103 / 31 31 - 11 35 bewerben. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.pro-fsj.de.

Das FSJ

Das FSJ ist ein Freiwilligendienst für junge Männer und Frauen zwischen 16 und 27 Jahren. Es gibt einen zwölfmonatigen Dienst mit 25 Seminartagen, der im September oder Oktober beginnt. Die Teilnehmer können die Dauer auf 18 Monate verlängern. Die andere Möglichkeit ist ein sechsmonatiger Dienst mit flexiblem Eintrittsdatum und 15 Fortbildungstagen. Die Wurzeln des Freiwilligen Sozialen Jahres sind bei der Evangelischen und Katholischen Kirche zu finden. Für das Freiwillige Soziale Jahr gibt es viele, meist überregionale Träger. Die Arbeitszeit während des Dienstes richtet sich nach den Gegebenheiten der Einsatzstelle. In der Regel sind es etwa 39 Wochenstunden.

Die finanzielle Vergütung variiert stark von Träger zu Träger. Meist bekommen die Teilnehmer ein Taschengeld und Unterkunft und Verpflegung werden, wenn nicht gestellt, dann finanziell vergütet. Je nach Einsatzgebiet und Träger erhält man eine gegebenenfalls notwendige Ausbildung oder Fortbildung. Im Sportbereich ist dies üblicherweise eine volle Übungsleiterausbildung und für einen Einsatz im Rettungsdienst die Ausbildung zum Rettungshelfer oder Rettungssanitäter. Diese Ausbildungen werden, je nach Träger, Einsatzstelle und Länge des Dienstes anteilig oder meist voll bezahlt. Die möglichen Einsatzbereiche sind vielfältig. Mit der Novellierung des FSJ-Gesetzes im Jahr 2002 wurden neue Einsatzbereiche geschaffen. Nunmehr ist es möglich, ein FSJ nicht nur in sozialen Einrichtungen, sondern auch in den Bereichen Kultur, Sport und der Denkmalpflege zu absolvieren.

www.familien-blickpunkt.de



Kommentare


Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

*Name:
*E-Mail:
Website:
*Kommentar:
  Bitte geben Sie den Text, den Sie links im Bild sehen, in das Textfeld ein. Hierdurch werden automatische Kontaktanfragen verhindert.
Bild mit dem Bestätigungscode kann nicht angezeigt werden