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Neuer Sozialstrukturatlas zeigt, wo Prävention und Hilfe nötig sind

von Familien-Blickpunkt.de am 18/03/2021 - 15:01 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Neuer Sozialstrukturatlas zeigt, wo Prävention und Hilfe nötig sind

Titelseite des 3. Sozialstrukturatlas 2020.

Kreis erstellt Analyse zum Altersspektrum und zu Familienkonstellationen

Kreis Offenbach - Der Kreis Offenbach und die Kommunen können bei den Entscheidungen über soziale Hilfsangebote, präventive Projekte und die Verteilung finanzieller Ressourcen auf eine neue Datensammlung zurückgreifen. Die aktuellen Statistiken geben Aufschluss über die Demografie und die Lebensverhältnisse der Menschen. Die dritte Ausgabe des Sozialstrukturatlas` beinhaltet umfangreiche soziodemografische Daten, beschreibt die Lebensbedingungen und Belastungen, die Familienkonstellationen sowie das Altersspektrum der Bürgerinnen und Bürger im Kreis. Ferner werden in der Analyse Zahlen zu Themen wie Sozialleistungen, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit genannt.

„Auf Basis dieser neuen Daten können wir besser erkennen, wo künftig mehr Unterstützung gebraucht wird und wo wir im Sozialbereich Schwerpunkte setzen müssen“, sagt Kreisbeigeordneter Carsten Müller. „Der aktuelle Atlas ist für uns eine große Entscheidungshilfe auf dem Weg zu stabileren, sozialen Verhältnissen und zu mehr Lebensqualität.“

Die Analyse der äußerst heterogenen sozialen Strukturen in den 13 kreisangehörigen Städten und Gemeinden gibt einen genauen Überblick, wo beispielsweise die meisten älteren Menschen zuhause sind, wo überwiegend Frauen allein die Verantwortung für Kinder übernehmen, wo die Arbeitslosigkeit am größten ist oder wo viele Familien mit drei und mehr Kindern leben.

Die fundierte Datensammlung kann den Verwaltungen, zuständigen Behörden und politischen Gremien als objektive Diskussionsgrundlage dienen, damit die Unterstützung auch immer dort ankommt, wo sie benötigt wird. „Wenn wir die sozialen Strukturen genau kennen, ist es leichter, die richtigen Angebote für eine Chancen- und Teilhabegerechtigkeit zu schaffen und passende Lösungen zu finden. Am Ende bringt das nicht nur für die Betroffenen, die direkt Hilfe erhalten, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger im Kreis Vorteile“, betont Carsten Müller. Die Beschreibungen, Tabellen und Karten zeigen auf rund 45 DIN A4-Seiten die unterschiedlichen sozialen Strukturen und geben dem Kreis Anhaltspunkte für die künftige Präventions- und Interventionsarbeit.

Das Hessische Statistische Landesamt prognostiziert für den Kreis bis 2035 einen Bevölkerungszuwachs von zwei Prozent. Die Steigerungen sind in einzelnen Kommunen recht unterschiedlich, beispielsweise soll Dietzenbach um knapp neun Prozent und Egelsbach um 7,3 Prozent wachsen, während die Gemeinde Mainhausen hingegen um fünf Prozent schrumpft. Für die Altersgruppe der über 65-Jährigen im Kreis wird eine überproportionale Zunahme vorausgesagt. In Bezug auf die Einwohnerzahl leben die meisten Menschen über 60 Jahre in Hainburg, Heusenstamm und Rödermark. Für Mainhausen wird bis 2035 bei den Seniorinnen und Senioren das stärkste Wachstum prognostiziert.

Im Hinblick auf die Bevölkerung ist Dietzenbach eine recht junge Stadt. Der Anteil der unter 20-Jährigen ist in der Kreisstadt mit 23 Prozent der Bevölkerung am höchsten, gefolgt von Egelsbach mit 20, Dreieich mit 19,7 und Langen mit 19,5 Prozent. Der Durchschnitt im Kreis liegt bei dieser Quote bei 19,2 Prozent. Dietzenbach ist auch die kindereichste Kommune im Kreis. 60 Prozent der Kinder leben in Dietzenbach in Familien mit mindestens zwei Geschwistern, dahinter rangieren Langen mit 39 Prozent der Kinder und Egelsbach mit 37 Prozent. Die Zahl von Mädchen und Jungen, die bei nur einem Elternteil gemeldet sind, ist in Neu-Isenburg am größten, in Dietzenbach am geringsten. Alleinerziehende mit vielen Kindern – diese Familienkonstellation kann ein erhöhtes Risiko für einen sozialen Hilfebedarf mit sich bringen.

Bei der Arbeitslosigkeit und der Zahl der Beschäftigten steht der wirtschaftsstarke Kreis Offenbach besser da als andere Kreise. Im hessenweiten Vergleich ist der Kreis mit einem Plus von knapp 17 Prozent im Zeitraum der Jahre 2013 bis 2018 bei der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze an der Spitze. Die wenigsten Arbeitslosen sind in Mainhausen, Egelsbach und Heusenstamm registriert. In den Daten des Sozialstrukturatlas´ sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie allerdings noch nicht berücksichtigt.

Aus der Summe sogenannter riskanter Lebenslagen in einer Kommune wurde ein Sozialstrukturindex errechnet, der bei der Entscheidung über die Größe des Unterstützungsbedarfes als Grundlage dient. Verschiedene Indikatoren geben Aufschluss darüber, wo Risiken entstehen könnten und wo die Wahrscheinlichkeit sozialer Intervention und des Präventionsbedarfes am höchsten ist. Ganz konkret hilft der Sozialstrukturindex beispielsweise bei Fragen zum Umfang der Nachmittagsbetreuung der Kinder oder der pädagogischen Beratungsangebote für Familien. In der größer werdenden Gruppe der über 65-Jährigen, die eine Grundsicherung erhalten, sind Menschen mit Migrationshintergrund sowie Frauen besonders gefährdet, da viele von ihnen im Laufe ihrer Erwerbsbiografie wenig verdient und zu kurz Beiträge in das Rentenversicherungssysteme gezahlt haben.

„Durch die Pandemie ist der Alltag für viele Menschen, vor allem für Familien, schwieriger geworden. Eine drohende Arbeitslosigkeit, beengte Wohnverhältnisse, Kontakteinschränkungen und schlechte Zukunftsperspektiven können soziale Probleme und die Lebenssituation von Kindern, Jugendlichen und Familien verschärfen“, sagt Kreisbeigeordneter Carsten Müller. „Umso wichtiger wird es, die sozialen Hilfsangebote dort zu verstärken, wo sie am dringendsten benötigt werden“, so der Sozialdezernent.

 

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