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Fünf Jahre integrierte Beratungszentren im Kreis Offenbach

von Familien-Blickpunkt.de am 19/06/2011 - 17:18 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Fünf Jahre integrierte Beratungszentren im Kreis Offenbach

Erfolgsgeschichte regionaler Bündelung der sozialen Beratungsdienste.

Im Jahr 2006 konnte Sozialdezernent Carsten Müller das erste der drei regionalen Beratungszentren in Dietzenbach für die Kreisregion Mitte gemeinsam mit dem Diakonischen Werk als Partner präsentieren. Es folgten die Zentren in Dreieich-Sprendlingen und Rodgau-Nieder-Roden mit den Trägern Paritätische Projektegesellschaft und Caritasverband. Das Beratungszentrum für die Kreisregion Ost verfügt über eine Außenstelle im Seligenstädter St. Josephshaus. Für Familien mit mehreren verschiedenen Problemlagen wie beispielsweise Sucht- und Schuldenproblematiken besteht die Möglichkeit zu kompetenter Unterstützung aus einer Hand, so dass nicht immer wieder eine andere Beratungsstelle aufgesucht werden muss.

Das Netzwerk sozialer Leistungen im Kreisgebiet verfügt heute mit den drei etablierten Beratungszentren über fachlich kompetente Einrichtungen mit hoch motivierten Fachkräften, die Familien und Bürgern bei Fragen und Problemen mit Erziehung, Schulden oder Sucht hilfreich zur Seite stehen. Die Kosten hierfür trägt mit rund 1,6 Mio. Euro ganz überwiegend der Kreis Offenbach, „weil wir damit in Familien, das heißt in die Zukunft unserer Region investieren. Familiäre Schwierigkeiten und Krisen lassen sich mit professionellem Rat eher überwinden und davon profitieren besonders Kinder und Jugendliche, die in ihrer Entwicklung auf Eltern angewiesen sind, die möglichst wenig belastet sind“, so Müller. Das Konzept sei in den vergangenen Jahren voll aufgegangen, zieht Müller nach fünf Jahren Bilanz. „Die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache.“ Insgesamt wandten sich seit 2006 rund 11.000 Bürger bei Problemen an die 25 Mitarbeiter der drei Beratungszentren.

Allein 2010 waren es 2.715 Menschen die Rat suchten. Das sind 114 weniger als im Jahr 2009. Müller: „Im Detail entfielen auf die Erziehungsberatung 1.078, auf die Schuldnerberatung 1.492 und auf die Suchtberatung 145 neue Beratungsfälle!“

Der leichte Rückgang der Ratsuchenden gegenüber dem Vorjahr geht auf die Nachfrageentwicklung im Bereich der Schuldnerberatung mit einem Minus von rund 156 Anfragen zurück. „Ein Faktor ist hier sicherlich die konjunkturelle Erholung gewesen“, so Müller. Hinzu kommt die Inanspruchnahme von weiteren in den Zentren fachlich vertretenden Beratungsbereichen wie der Ehe- und Familienberatung und der neu eingerichteten Täterberatung bei Gewalt in der Familie.

Seit wenigen Tagen findet sich das Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach unter neuer Adresse in der Offenbacher Straße 17 im gleichen Haus mit der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz und Tagesklinik der Vitos Klinik Riedstadt. „Mit der neuen Nachbarschaft können die Fachkräfte beider Institutionen bei Bedarf noch enger und innovativ kooperieren. Der ganzheitliche, multidisziplinäre Ansatz der Beratungszentren wird für die Rat suchenden Kinder und Familien so um eine wichtige Schnittstelle erweitert“, betont Carsten Müller. „Die neue Lage ist zudem zentral und die Räumlichkeiten deutlich freundlicher als in dem bisher genutzten Gewerbeobjekt in der Max-Planck-Straße.“

Die Beratungsfachkräfte unterstützen und kooperieren insbesondere mit Kindertagesstätten, Familienzentren und Stadtteil- und Familienzentren in den kreisangehörigen Gemeinden. In allen drei Beratungszentren wird zudem zusammen mit dem Familienhebammenprojekt "Keiner fällt durchs Netz" eine monatliche Familienhebammensprechstunde angeboten. Weitere Leistungsangebote, die teilweise durch die Träger aus Eigenmitteln finanziert werden, sind die Ehe-, Familien- und Lebensberatung, die Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung, die Beratung bei Gewalt sowie verschiedene präventive Projekte. „Ein Trend ist, dass vor allem die Prävention einen zunehmend bedeutenden Stellenwert in der Arbeit der Zentren einnimmt“, erklärt Müller. Wie wichtig die Beratungszentren sind, zeigen auch die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Die von den Amtsgerichten gemeldeten Verbraucherinsolvenzen nahmen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2010 bundesweit um 7,7 Prozent zu. Knapp 9 Prozent der Bevölkerung im Kreis Offenbach waren im Jahr 2010 überschuldet. Bundesweit lag die Quote sogar bei 9,5 Prozent. Wie der aktuelle Schuldneratlas der Firma Creditreform ausweist, standen im Kreis Offenbach im Jahr 2010 rein rechnerisch rund 25.000 überschuldeten Bürgerinnen und Bürgern etwa 1.500 Ratsuchende in der Schuldnerberatung der Beratungszentren gegenüber. „Neu beraten wurden demnach rund 6 Prozent der Zielgruppe im Kreisgebiet“, so Müller. „Auch das ist durchaus ein Erfolg!“

Die Auslöser von Überschuldung unterscheiden sich bundesweit nach dem Alter der Betroffenen, wie Untersuchungen der Creditreform zeigen. Jüngere Menschen geraten am häufigsten durch Arbeitslosigkeit und unwirtschaftliche Haushaltsführung, Menschen mittleren Alters durch Trennung oder Scheidung sowie durch eine gescheiterte Selbständigkeit in die Schuldenfalle. Für ältere Menschen kommen gesundheitliche Probleme wie Erkrankung und Sucht hinzu und bei den über 65-Jährigen zeigt sich, dass Überschuldung auf mehrere Auslöser zurückzuführen ist. Arbeitslosigkeit ist allerdings mit großem Abstand der häufigste Hintergrund von Überschuldungsprozessen. Müller: „Aus diesem Grund kooperieren unser kommunaler Jobcenter ProArbeit und die Beratungszentren insbesondere in den Bereichen Überschuldung und Suchterkrankung besonders eng.“

Doch selbst ein fester Job reicht manchmal nicht mehr aus, finanziell über die Runden zu kommen. „Die Zahl der Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, bei denen das erzielte Einkommen für den Lebensunterhalt nicht ausreicht und aufstockende Sozialleistungen notwendig werden, hat leider auch im Kreis Offenbach in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, ergänzt Müller. „Aktuell gibt es im Kreis trotz boomender Konjunktur 4.500 sogenannte Aufstocker! Dies ist für mich der Beweis, dass der flächendeckende Mindestlohn überfällig ist.“

Bei der Bewältigung des großen Andrangs in der Schuldnerberatung setzt das Diakonisches Werk als kreisweiter Träger der Schuldnerberatung in allen drei Beratungszentren auf offene Sprechstunden und Gruppenerstberatung aber auch dem Einsatz von ehrenamtlichen Helfern in der Verwaltung. Müller: „Dadurch konnte die Wartezeit für das erste Beratungsgespräch auf durchschnittlich 14 Tage reduziert werden.“



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