Magazin

Landrat Oliver Quilling besucht Europazentrale des Modeunternehmens Mavi in Dietzenbach

von Familien-Blickpunkt.de am 15/08/2011 - 12:01 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Landrat Oliver Quilling besucht Europazentrale des Modeunternehmens Mavi in Dietzenbach

Kreis Offenbach - „Den Dönermann um die Ecke kennt jeder, aber er ist nicht mehr auch nur ansatzweise typisch für türkische Unternehmen in Deutschland oder im Kreis Offenbach. Deshalb müssen wir von diesen Stereotypen wegkommen“, betonte Landrat Oliver Quilling bei seiner heutigen Stippvisite bei dem türkischen Modeunternehmen Mavi, das seine Europazentrale in Dietzenbach hat. „Türkische Unternehmer sind in Deutschland längst nicht mehr auf gastronomische Nischen fixiert. Ob Informatikbranche oder Finanzwelt – es gibt viele türkische Erfolgsgeschichten in Deutschland.“ Eine davon ist Mavi in dessen Europasitz 40 Mitarbeiter aus acht Nationen arbeiten. Firmensprachen sind Englisch und Deutsch.

Die Mavi Europe AG ist neben New York und Istanbul das dritte Headquartier des türkischen Textil-Unternehmens mit einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 250 Millionen Euro. Die Mavi Europe AG konnte im vergangenen Jahr ihren Umsatz hierzulande um 57 Prozent steigern. Im Jahr 2010 hat das Unternehmen zudem 15 neue Shop-in-Shops installiert. Dieses Jahr sollen weitere 20 Verkaufsmodule dieser Art dazukommen.

Das Mutter-Unternehmen feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Mavi Deutschland gibt es seit 15 Jahren. Der Bekleidungshersteller stammt aus der Türkei – genau wie sein Name: Mavi bedeutet auf Türkisch „blau“. Ursprünglich ist das 1991 von Sait Akarlilar als Familienbetrieb gegründete Unternehmen eine reine Jeansmarke. Inzwischen hat Mavi sein Sortiment ausgeweitet und bietet je eine Kollektion für Herren sowie für Damen an. Die Produkte des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Istanbul hat, sind heute in rund 50 Ländern erhältlich.

So beliefert Mavi, das 195 eigene Shops in zahlreichen Ländern besitzt, neben dem türkischen Markt seit der Mitte der 1990er Jahre auch den Fachhandel und Kaufhausketten in Deutschland, England, Dänemark, Österreich, Schweiz, Tschechien oder den Niederlanden. Zuständig hierfür ist die Mavi Europe AG in Dietzenbach. Erhältlich sind die Produkte des Herstellers aber auch in den USA, Kanada, in Nordafrika, dem Mittleren Osten sowie Osteuropa und seit dem Jahr 2001 auch in Australien.

„Erfolgreiche türkische Unternehmen in Deutschland wie Mavi sind längst keine Ausnahme mehr“, macht Quilling deutlich. „Im Gegenteil!“ Laut einer Studie der deutschen Stiftung für Migration und Integration zur “Wirtschaftlichen Selbstständigkeit als Integrationsstrategie” aber auch der Deutsche Industrie- und Handelskammer, erwirtschaften allein 80.000 türkische Selbstständige mit etwa 380.000 Mitarbeitern bereits heute einen Umsatz von rund 40 Milliarden Euro und investieren jährlich acht Milliarden Euro in Deutschland. Und die wirtschaftliche Bedeutung der türkischen Unternehmerinnen und Unternehmer wird in den nächsten Jahren noch mehr zunehmen. So ist zu erwarten, dass sich in den nächsten zehn bis 15 Jahren die Zahl der Unternehmerinnen und Unternehmer auf etwa 130.000 erhöht. Sie werden dann rund 70 Milliarden Euro umsetzen, 750.000 Menschen beschäftigen und 18 Milliarden Euro investieren. Diese prognostizierte Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund der immer intensiver werdenden deutsch-türkischen Handelsbeziehungen zu sehen. Bereits heute liegt das Handelsvolumen der beiden Länder bei rund 25 Milliarden Euro.

“Türkische Unternehmerinnen und Unternehmer, die in Deutschland Firmen gründen, sanieren, übernehmen, wiederaufbauen und somit die Nachfolge regeln, tragen natürlich auch dazu bei, die Integration voranzutreiben”, so Oliver Quilling. Die ersten türkischen Unternehmer besetzten noch ökonomische Nischen: Mit Lebensmittelgeschäften und Gastronomiebetrieben gingen sie auf die Wünsche ihrer Landsleute ein. Deutsche Konkurrenz mussten diese Pioniere nicht fürchten. In den 80er Jahren kam es dann zu einem regelrechten Gründungsboom.

Viele Menschen hatten ihre Träume von einer Rückkehr in die Türkei aufgegeben. Sie waren bereit, ihr angespartes Kapital in ein eigenes, kleines Unternehmen zu investieren. Die berufliche Selbstständigkeit galt ihnen als Symbol der Unabhängigkeit. Zudem erleichterten Veränderungen im Ausländerrecht den Start. In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl der türkischen Betriebe noch einmal stark. Ein Grund: Die Arbeitslosigkeit unter Migranten ist noch immer hoch. Die Förderung der sogenannten Ich-AGs durch die Bundesagentur für Arbeit tat ihr Übriges. Als bereits die zweite Generation von Türken in Deutschland lebte, begannen sich auch türkische Unternehmen für den deutschen Markt zu interessieren.

Quilling: „Gründer und Investoren mit türkischem Migrationshintergrund leisten mittlerweile einen bedeutsamen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland und im Kreis Offenbach. Künftig brauchen wir aber noch stärker diese Wachstumsimpulse, um die demografische Herausforderung zu bewältigen. Denn allein demografiebedingt wird es im Jahr 2050 in Deutschland 700.000 Selbstständige weniger geben.”

Vor diesem Hintergrund plant der Landrat künftig engeren Kontakt zu den türkischen Arbeitgebern im Kreis zu halten. „Denkbar ist auch ein eigenes Gesprächsforum“, fügt Quilling hinzu.

Ein solches Gesprächsforum könnte helfen, sich kreisweit über Zukunftsmärkte und Wirtschaftstrends, Interkulturelles Personalmanagement, Existenzgründung und –sicherung und Ausbildungsfragen auszutauschen, macht Quilling deutlich. Zudem sei es ein für alle Bürger sichtbares Beispiel für gelungene Integration. Denn es führt deutsche Unternehmen mit und ohne Migrationshintergrund und türkische Unternehmen auf einer Plattform zusammen und gebe gelungener Integration in Wirtschaft und Gesellschaft ein Gesicht durch lokale Personen und Unternehmen.

„Ich glaube, dass es wichtig ist, die Menschen aus der Türkei hier im Kreis nicht nur mit Fundamentalismus-Debatten, sozialen Problemen oder Ehrenmorden in Verbindung zu bringen, sondern auch Erfolgsstorys und harte wirtschaftliche Fakten aufzuzeigen. Kurzum: Es geht um eine bessere öffentliche Darstellung dessen, was türkische Unternehmen bereits jetzt alles an Jobs, Waren und Dienstleistungen anbieten.“ Dafür gebe es bereits viele sehr positive Beispiele: „Dies müssen wir künftig stärker ins öffentliche Bewusstsein heben!“, so Quilling abschließend.

Familien Blickpunkt



Kommentare


Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

*Name:
*E-Mail:
Website:
*Kommentar:
  Bitte geben Sie den Text, den Sie links im Bild sehen, in das Textfeld ein. Hierdurch werden automatische Kontaktanfragen verhindert.
Bild mit dem Bestätigungscode kann nicht angezeigt werden