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Tower of Resonance: »Klangkunst trifft Industriekultur«

von Familien-Blickpunkt.de am 13/07/2015 - 10:47 |

Themenfelder: Freizeitgestaltung, Leben und Gesellschaft

Tower of Resonance: »Klangkunst trifft Industriekultur«

Kreis Offenbach - „Klangkunst trifft Industriekultur“; so lautet das jüngste Kooperationsprojekt von Kulturregion und Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main. Im Rahmen des Projektes entwickeln fünf internationale Klangkünstler für Industriedenkmäler entlang der Route der Industriekultur einzigartige Kunstwerke. Sie machen so die jeweilige Geschichte dieser Orte erlebbar. Gleichzeitig werden die Gebäude in einen neuen Kontext gestellt. „Wenn die Klangkünstler historische Klänge und Geräusche der verschiedenen Industriestandorte ein- und nachbauen und diese mit Bildern, Texten und anderen Materialien mischen, erwecken sie die Gebäude zum Leben und leisten so einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis der Region“, erklärt Dr. Julia Cloot, Initiatorin der Projektreihe, Kuratorin und stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Bedeutung von „Klangkunst trifft Industriekultur“. Das Spektrum der Arbeiten reicht von multimedialen Installationen bis zur riesigen Klangskulptur.

Auch im Kreis Offenbach macht „Klangkunst trifft Industriekultur“ halt. Denn in Jügesheim verwandelt sich der dortige Wasserturm in den „Tower of Resonance“. Am Freitag eröffneten Landrat Oliver Quilling, Dr. Julia Cloot, Initiatorin der Projektreihe, Sabine von Bebenburg, Geschäftsführerin der KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH sowie Frank Eser, Vorsitzender Freunde des Wasserturms 1986 e.V., vor Ort gemeinsam mit der Künstlerin Helga Griffiths die überdimensionale Klangkunstinstallation.

„Helga Griffiths hat in den zurückliegenden Wochen den historischen Wasserturm in Jügesheim nach und nach in ein fluoreszierendes und begehbares Musikinstrument verwandelt, das von den Besuchern aktiviert werden kann. Die Menschen haben so die Möglichkeit, das Industriedenkmal aus einer völlig neuen und ungewohnten Perspektive zu betrachten“, umschrieb Landrat Oliver Quilling während der Eröffnung das beeindruckende Kunstwerk.

Bereits kurz nachdem man den Turm betritt, hört man leise Klänge, die aus dem ehemaligen Wasserbehälter kommen. „Durch den oberen Bereich des Turms sind zudem Stahldrähte gespannt, die durch Berühren individuelle Klangbilder erzeugen. Der Besucher lässt das architektonische Instrument also erklingen und wird somit unmittelbarer Teil der interaktiven Installation“, machte Dr. Julia Cloot deutlich. Mehrere Besucher können sogar an verschiedenen Stellen des Turms miteinander Töne erzeugen.

„Beim Gang auf der Treppe durch das eigentliche Wasserreservoir hört und spürt man bereits die Resonanzen einer Meereswoge. Diese fließenden Wasserklänge stehen in einer Wechselwirkung mit dem immer wiederkehrenden Rhythmus des Autoverkehrs auf der nahen Schnellstraße. Die gespannten Saiten binden zudem das Balkenwerk ein und ihre Vibrationen treten in Wechselwirkung mit dem runden, trommelartigen Dachraum“, beschrieb Helga Griffiths ihr Klangkunstwerk. Helga Griffiths hat sich auf Multi-Sense-Installationen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst spezialisiert. Ihre komplexen Installationen waren bei zahlreichen internationalen Biennalen ebenso zu sehen, wie in internationalen Museumsausstellungen. Außerdem waren ihre Werke Teil einer künstlerischen Expedition in die Antarktis.

Die Schwingungen der Saiten im Jügesheimer Wasserturm wurden übrigens mittels elektronischer Pick-up-Sensoren aufgenommen und über Audioverstärker und Lautsprecher hörbar gemacht. Zum Verankern der Saiten wurden Ösen an den Balken befestigt. Ein weiterer Teil der Installation besteht aus einer einzigen, langen Saite, die senkrecht durch die Mitte des Turms verläuft und mit einem Klangkörper verbunden ist. Während des Auf- oder Abgangs kann sie ebenfalls durch Besucher zum Schwingen gebracht werden. Einige Saiten wurden zudem mit einem fluoreszierenden Farbstoff bestrichen und mit UV-Licht zum Leuchten gebracht. Die Fenster wurden außerdem mit einer schwarzen Folie beklebt, um den Leuchteffekt zu verstärken.

Der Wasserturm Rodgau-Jügesheim ist mit 43,5 Metern Gesamthöhe das von weitem sichtbare Wahrzeichen des Rodgauer Stadtteils Jügesheim und steht als Industriedenkmal unter Schutz. „Am 15. Mai 1938 wurde der Wasserturm im Rahmen eines große Festes, bei dem acht Fanfarenbläser in den offenen Fensterbögen standen, seiner Bestimmung übergeben. Der Wasserturm versorgte bis 1979 die Stadtteile Dudenhofen, Jügesheim, Hainhausen und Weiskirchen mit Trinkwasser. Als Mitte der 1980er Jahre der Abriss drohte, übernahm 1988 die Stadt Rodgau den Turm vom Wasserzweckverband im Tausch mit dem Hainhäuser Wasserwerk sowie der Zahlung einer symbolischen Mark und ließ ihn für eine halbe Million renovieren“, fasste während der Eröffnung der Klangkunstskulptur Frank Eser vom Verein „Freunde des Wasserturms“ die bewegte Geschichte des Industriedenkmals zusammen.

Der rote Klinkerbau wird seither vom Verein „Freunde des Wasserturms“ genutzt und erhalten. Der Verein veranstaltet in dem Gebäude immer wieder Ausstellungen und Feste. Am Freitag, 17. Juli 2015, und Samstag, 18. Juli 2015, findet beispielsweise das Wasserturmfest mit geführten Besichtigungen, Essen und Trinken sowie Musik und Hüpfburg statt.

Der Wasserturm Rodgau Jügesheim ist zudem wie der Feldberg oder die Zugspitze einer von acht topographischen Punkten erster Ordnung und dient der kartographischen Vermessung der Bundesrepublik Deutschland. Außergewöhnlich ist die Konstruktion des Turms: ein runder, mit roten Klinkern verblendeter Hochbehälter aus Beton mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern sitzt auf einem quadratischen Mittelteil mit sehr kleinem Grundriss und vier kreuzförmig angeordneten - nach unten abgestuften - Tragpfeilern, wie sie oft an gotischen Kirchen zu finden und dabei exakt denen der Jügesheimer Nikolaus-Kirche nachempfunden sind. Mittelteil und Tragpfeiler sind ebenfalls aus roten Klinkern gemauert und zeigen mit ihren acht offenen Bogenfenstern deutliche Anklänge an die expressionistische Formensprache der 1920er Jahre. Der Turm bot sich daher für das Kunstprojekt „Klangkunst trifft Industriekultur“ geradezu an.

„Der Jügesheimer Wasserturm steht stellvertretend für viele Fabrikhallen, Manufakturen, Ziegelwerke oder alte Bahnhofsgebäude im Rhein-Main-Gebiet, die eine bewegte Geschichte haben. Bei den Tagen der Route der Industriekultur können Besucher dieses wichtige Erbe des Industriezeitalters erleben und begreifen“, erläutert Sabine von Bebenburg, Geschäftsführerin der KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH. „Ziel der „Route der Industriekultur“ ist es, die Industriekultur als Teil des vielfältigen Kultur- und Freizeitangebots der Region zu etablieren und damit zur Bildung einer stärkeren regionalen Identität beizutragen.“

Wer will, kann den „Tower of Resonance“ am 17. Juli, 18. Juli, 19. Juli und 26. Juli jeweils von 11:00 bis 17:00 Uhr sowie am 25. Juli zwischen 14:00 und 19:00 Uhr erkunden.

Weitere Informationen zu „Klangkunst trifft Industriekultur“ sind im Internet unter www.kulturfonds-frm.de abzurufen.

www.familien-blickpunkt.de



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