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Frauen mit Behinderungen häufig Opfer sexueller Gewalt

von Familien-Blickpunkt.de am 07/10/2020 - 14:08 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Wiesbaden (hsm) - Frauen mit Behinderungen haben ein besonders hohes Risiko, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, fordert deshalb einen besseren Schutz. Hessen hat das Thema mit einem Antrag, der Maßnahmenvorschläge beinhaltet, auf die Tagesordnung der Frauenministerkonferenz gesetzt, die nächste Woche in Nürnberg stattfinden wird. „Jede zweite bis dritte Frau mit Behinderungen ist im Lebensverlauf von sexueller Gewalt betroffen. Dieses Ergebnis einer aktuellen Studie des Bundesfamilienministeriums über die Lebenssituation und die Belastungen von Mädchen und Frauen mit Behinderungen ist erschreckend. Behinderte Mädchen und Frauen erfahren sowohl in ihrer Kindheit und Jugend als auch in ihrem Erwachsenenleben erheblich öfter Gewalt als andere Frauen“, begründet die Staatssekretärin die hessische Initiative.

In Behinderteneinrichtungen sollten Präventionskonzepte gegen sexuelle Gewalt entwickelt und umgesetzt werden, fordert Petra Müller-Klepper. Es gelte Vorkehrungen zu treffen, damit der Schutz der Privat- und Intimsphäre gewährt werde. Das Personal solle für die Belange der dort lebenden Mädchen und Frauen sensibilisiert und entsprechend fortgebildet werden. Wichtig sei es, dass zukünftig jede Frau mit einer Behinderung oder mit einer Beeinträchtigung Zugang zu Selbstbehauptungs- und Selbststärkungskursen erhalte und in Schulen, insbesondere in Förderschulen und Behindertenschulen, durchgängig sexualpädagogische Konzepte angewandt würden. „Jedes Mädchen und jede Frau, egal ob mit oder ohne Behinderungen, muss wissen, wohin sie sich im Falle eines sexuellen Übergriffs wenden kann.“ Nicht zuletzt müsse der barrierefreie Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Frauen und Mädchen mit Behinderung, z.B. bei Jugendämtern, Arztpraxen und Sozialberatungsstellen, sichergestellt werden.

Von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben waren die in der Studie befragten Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. „In Behinderteneinrichtungen stellen Frauen mit Behinderungen mit einem Anteil von 56% die mit Abstand am stärksten belastete Risikogruppe dar“, so Petra Müller-Klepper. Das Spektrum reiche hier von sozialer Ausgrenzung, Verletzung der Intimsphäre bis hin zu sexuellem Missbrauch durch Erwachsene.

Hessen befasst sich bereits seit 2010 intensiv mit der Thematik der sexuellen Gewaltprävention in Behinderteneinrichtungen. Der dringende Handlungsbedarf werde durch die Studie eindrucksvoll belegt, hob die Staatssekretärin hervor. In Kooperation mit der Fachhochschule Frankfurt am Main, Fachbereich Soziale Arbeit, dem Hessischen Netzwerk behinderter Frauen und dem Hessischen Sozialministerium entstehen Mustertexte für eine Dienstvereinbarung sowie Handlungsempfehlungen zur sexuellen Gewaltprävention, die nach einer Erprobungsphase in einer großen Behinderteneinrichtung ab 2014 allen vergleichbaren Institutionen in Hessen zur Verfügung gestellt werden können.

www.familien-blickpunkt.de



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