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Kreis Offenbach bildet Flüchtlinge zu Berufskraftfahrern aus

von Familien-Blickpunkt.de am 01/12/2018 - 11:19 |

Themenfelder: Beruf und Familie, Leben und Gesellschaft

Kreis Offenbach bildet Flüchtlinge zu Berufskraftfahrern aus

Der Kreis Offenbach ermöglichte 15 Flüchtlingen eine Zukunft als LKW-Fahrer.

Kreis Offenbach - In Deutschland fehlen Tausende Lkw-Fahrer. Der Zustrom von Flüchtlingen bringt zwar auch neue potenzielle Fahrer, doch dafür müssen Speditionen Sprachprobleme und Bürokratie überwinden. Der Kreis Offenbach hilft hier, indem er rund 15 Flüchtlingen die Möglichkeit gibt, über 18 Monate lang eine Teilqualifikation zum Berufskraftfahrer zu absolvieren. Sie waren zuvor aus einem Pool von 60 Flüchtlingen, die früher bereits als Kraftfahrer tätig waren, ausgewählt worden. Heute nun übergab Sozialdezernent Carsten Müller vor Ort in der Verkehrsfachschule Rhein-Main in Dietzenbach den Männern aus Syrien, dem Irak oder Iran die entsprechenden Zertifikate.

Das Programm wurde zusammen mit einer Fahrschule speziell für Flüchtlinge entwickelt, die in ihren Heimatländern Lkw gefahren sind, deren Führerscheine jedoch in Deutschland nicht anerkannt werden und deren Sprachkenntnisse noch nicht ausreichend sind. Neben Fahrstunden und Theorie steht eine berufsbezogene Deutschförderung auf dem Stundenplan. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Kommunikation im Straßenverkehr und im Speditionsgewerbe sowie auf Sätzen und Vokabeln in Zusammenhang mit Verkehrsregeln.

„Das Ganze ist eine Win-win-Situation“, betont Sozialdezernent Carsten Müller. „Wichtig“, so Müller, „ist es, dass die Teilnehmer bereits einen Zugang zur deutschen Sprache haben.“ Hier liegt nämlich meist der Knackpunkt. Müller: „Mit der Teilqualifikation, die zum Fahren eines Gabelstaplers und für das Fahren eines Lkw berechtigt, gilt es noch eine letzte gewaltige Hürde auf dem Weg zum Lkw-Fahrer zu nehmen: Die beschleunigte Grundqualifikation.“ Erst sie berechtigt dazu, gewerblich einen Lkw zu steuern.

Die Prüfung vor der IHK bereitet große Schwierigkeiten. Trotz des Sprachniveaus von B1, das Voraussetzung für die Teilnahme an dem Ausbildungsprogramm war, hat die Hälfte der Teilnehmer noch immer Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben sowie mit dem komplizierten Prüfungsdeutsch. Daher haben bislang nur acht Männer die Grundqualifikation bestanden. „Das Ergebnis ist gut, wenn man bedenkt, dass die Teilnehmer keine Muttersprachler sind und erst vor Jahren mit dem Erlernen der deutschen Sprache begonnen haben“, macht Müller deutlich. Die Prüfungsfragen der Industrie und Handelskammer sind nämlich auf Deutsch und nur mit einem hohen Lernaufwand sowie mit einem sehr guten Verständnis der deutschen Sprache zu bestehen. „Damit letztlich alle die Prüfung schaffen, unterstützen wir sie weiterhin wo es nur geht. Am Ende werden die meisten als Lkw-Fahrer unterwegs sein. Da bin ich optimistisch“, erklärt Müller. Den rein technischen und fahrerischen Part bewältigen die Teilnehmer nämlich in der Regel recht schnell. Zumal viele Flüchtlinge in ihrer angestammten Heimat bereits als Kraftfahrer unterwegs waren. Und dort haben sie vor allem eines gelernt: Improvisieren.

Fünf Teilnehmer der Qualifikation haben übrigens bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Vier weitere stehen in engen Verhandlungen mit ihren Praktikumsbetrieben. Sechs Teilnehmer wollen nochmals zur Prüfung bei der IHK antreten, um am Ende als Berufskraftfahrer zu arbeiten. Im Moment haben sie die Möglichkeit im Werksverkehr oder auf Baustellen mit den bereits erworbenen Führerscheinen, eine Arbeit aufzunehmen.

„Das Projekt wird daher in eine weitere Runde gehen“, so Müller. „Denn der Markt ist immer auf der Suche nach fähigen Fahrern. Unter unseren Kunden mit Flüchtlingshintergrund sind sehr viele hochmotivierte Kandidaten. Die meisten der Geflüchteten wollten so schnell wie möglich arbeiten und seien sofort bereit, eine Weiterbildung oder Umschulung zu machen. Da sind jede Menge potenzielle Fahrer darunter!“

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