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Kultureller Vielfalt begegnen

von Familien-Blickpunkt.de am 25/02/2015 - 09:55 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Kultureller Vielfalt begegnen

Innovative Fortbildungsreihe für den Rettungsdienst war ein Erfolg

Kreis Offenbach - Seit September des vergangenen Jahres wurden über 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rettungsdienstes im Kreis Offenbach zur Interkulturellen Öffnung geschult. „Mit der innovativen Fortbildungsreihe „Kein Stress mit Vielfalt!“ haben wir Neuland betreten“, berichten Landrat Oliver Quilling und Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. „Dabei war es uns wichtig, dass der Vielfalt in der Gesellschaft auf allen Ebenen professionell begegnet wird und somit allen Bürgerinnen und Bürgern in Notsituationen entsprechend beigestanden werden kann.“

„Das Projekt ist aus der Idee entstanden, weiterhin ein hohes Maß an Versorgungsqualität zu gewährleisten und den Anforderungen unserer modernen Gesellschaft gerecht zu werden“, erläutert Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger den Hintergrund. Kooperationspartner sind das Land Hessen, das Integrationsbüro des Kreises Offenbach, der Eigenbetrieb Rettungsdienst, das Deutsche Rote Kreuz sowie die Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Schulungen fanden in Zusammenarbeit mit dem Kölner Institut für Interkulturelle Kompetenz e.V. statt.

Während der Schulungen wurde deutlich, dass es keine Patentrezepte und Handlungsanweisungen im Umgang mit den (Migranten)Gruppen geben kann. In etlichen Beispielen aus der Praxis konnten die Teilnehmenden schwierige Fälle und Situationen diskutieren, die nicht immer kultur- und religionsspezifisch, sondern häufig auch sehr individuell geprägt waren. Jeder Mensch „tickt“ anders und Verallgemeinerungen in Bezug auf Kultur, Religion, Nationalität oder ethnischer Herkunft in konkreten Situationen helfen wenig oder gar nicht weiter. Vielmehr ist eine offene, vorurteilsfreie Herangehensweise nicht nur in interkulturellen, sondern in allen Begegnungssituationen von großer Bedeutung. Gesellschaftliche Vielfalt ist nicht nur durch die Zuwanderung bedingt, sondern das Individuum an sich sollte mit seinen Eigenschaften und -arten in den Blickwinkel genommen werden.

In zweitägigen Workshops wurde die Sensibilität der Rettungsdienstmitarbeiterinnen und -mitarbeiter für soziokulturelle Hintergründe und ihre Einflüsse auf die Verhaltens- und Kommunikationsweisen von Menschen, insbesondere in Notfalleinsätzen, erhöht. In den Schulungen ging es beispielsweise um die Fragen, „Warum Kultur und was ist das?“ oder „Wie Menschen „ticken“ und was passiert, wenn kulturelle Orientierungen aufeinander treffen?“ Aber auch die unterschiedlichen Wahrnehmungen sowie die Deeskalation und der Umgang mit Konfliktfällen wurden erarbeitet.

Die Themen und Inhalte wurden praxisorientiert ausgewählt und während des Seminarverlaufs laufend spezifisch auf die einzelnen Gruppen und das Arbeitsfeld abgestimmt. Zudem wurde immer wieder Zeit für Reflektionen von bisherigen Begegnungen im interkulturellen Kontext sowie die Erarbeitung angemessener Strategien und Handlungsalternativen im Arbeitsalltag eingeräumt. Die methodische und didaktische Vielfalt war ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Ganz praktisch ist die Verständigungshilfe „tip doc emergency – Kommunikationshilfe für den Rettungsdienst in Bildern und neun Sprachen“, die an Bord fast aller Krankenwagen mitfährt. Darüber hinaus wurden auf Anregung und mit Hilfe der Workshop-Teilnehmenden wichtige Hinweise, Erklärungen und Erläuterungen, die in der Rettungssituation hilfreich sein können, durch das Integrationsbüro des Kreises erfasst. Diese sollen als eine Art „Handreichung“ in mindestens acht Sprachen übersetzt werden und ebenfalls künftig stets bei jedem Einsatz mitfahren. Beispielsweise wurden hierfür Sätze für einen „gelungenen“ Einstieg gesammelt, wie „Wir sind Rettungsassistenten. Wir sind hier um Ihnen zu helfen“ oder „Machen Sie sich keine Sorgen, zusammen kriegen wir das hin“. Neben Sätzen „zum Einstieg“, liegen häufige Redewendungen vor, die die Situation klären, um erfolgreich Retten zu können.

„Wir können feststellen, dass eine solide Basis für die weitere Zusammenarbeit und Weiterentwicklung der Interkulturellen Öffnung der Rettungsdienste im Kreis Offenbach gelegt wurde“, resümieren Landrat Oliver Quilling und Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger.

Finanziert wurde die Fortbildungsreihe aus Geldern des Kreises Offenbach und der beteiligten Leistungserbringer im Rettungsdienst sowie aus Landesmitteln des Förderprogramms WIR - Wegweisende Integrationsansätze Realisieren. Daraus werden neben den WIR-Koordinationskräften auch innovative Projekte im Bereich der interkulturellen Öffnung von Institutionen unterstützt.

Eine Dokumentation über das Projekt „Rettungsdienst und kulturelle Vielfalt im Kreis Offenbach“ ist demnächst im Internet unter www.kreis-offenbach.de abzurufen. Weitere Informationen gibt es beim Kreis Offenbach, Integrationsbüro, E-Mail [email protected]

www.familien-blickpunkt.de



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