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Präventionsarbeit auf erfolgreichem Weg

von Familien-Blickpunkt.de am 10/05/2018 - 12:21 |

Themenfelder: Leben und Gesellschaft

Präventionsarbeit auf erfolgreichem Weg

Kreis Offenbach - Im Sommer 2016 startete im Kreis Offenbach das Projekt „PRO Prävention – gegen (religiös begründeten) Extremismus“. Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote, die stark nachgefragt werden und sich etabliert haben. „Nachdem das Projekt jetzt etwa zwei Jahre läuft“, so Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, „ist es Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen“. Die Vorträge, Diskussionen, Workshops und Fachtagungen stoßen auf große Resonanz.

Mit bislang mehr als 40 Informationsveranstaltungen und Vorträgen in Vereinen, Arbeitsgruppen und Gremien, über 20 (teils mehrtätigen) Fortbildungen, öffentlichen Diskussionsveranstaltungen, Tagungen und Fachgesprächen sowie Beratungsangeboten haben Projekt-Koordinator Janusz Biene und Selver Erol, Leiterin des Integrationsbüros des Kreises Offenbach, bisher in den kommunalen Verwaltungen, Schulen, Jugendzentren, Migrantenselbstorganisationen und anderen Gruppen rund 630 Jugendliche und knapp 1.000 Erwachsene erreicht. Angesprochen werden von den Experten, die auch mit der Polizei und den kommunalen Integrationsstellen kooperieren, in erster Linie Jugendliche sowie hauptamtliche Fachkräfte und Ehrenamtliche, die sich in Schulen, Jugendzentren, Flüchtlingseinrichtungen oder in Sport-, Kultur- und Moscheevereinen engagieren. Zur Präventionsarbeit gehören auch Fortbildungsveranstaltungen, etwa um unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge vor Extremismus und Radikalisierung zu schützen. Ein Fokus liegt darauf, extremistische Phänomene zu erkennen und angemessen zu handeln.

So wurde etwa gemeinsam mit den Partnerschaften für Demokratie in Stadt und Kreis Offenbach und mit Unterstützung des Staatlichen Schulamts in Offenbach ein regionales Schulnetzwerk „Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention“ zur Vernetzung und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Fachkräften der Schulsozialarbeit aufgebaut. Das interreligiöse Projekt „Glaube. Gemeinsam. Gestalten.“, an dem junge Menschen christlichen, jüdischen, muslimischen und des Bahai-Glaubens teilnahmen, lief ebenfalls erfolgreich und wird auf Wunsch der Teilnehmenden fortgesetzt. „Zur Halbzeit des bis Sommer 2019 laufenden Projektes können wir eine durchweg positive Bilanz ziehen“, so Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger.

„Diese gute Erfahrung resultiert auch aus der Offenheit, die uns in den Gesprächen mit Lehrern, Jugendlichen sowie Vertreten aus Kultur- und Moscheevereinen begegnet“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger am Dienstag bei einer Pressekonferenz. „Wichtig ist für uns bei der Zusammenarbeit mit Jugendlichen, dass wir an ihrer Lebenswelt ansetzen und Arbeitsmethoden entwickeln, mit denen wir die jungen Frauen und Männer erreichen“, betonte Claudia Jäger. Das funktioniert in den Workshops beispielsweise, indem Werbefotos von extremistischen Gruppen analysiert werden, um die Propaganda-Methoden zu verdeutlichen. „Wir dekonstruieren die vermeintlich heilbringenden Erzählungen der Extremisten. Dadurch können die Jugendlichen erkennen, dass die einfachen Antworten keine Lösung bringen“, sagte Projekt-Koordinator Janusz Biene. Den Draht zu jungen Leuten findet das Pro Präventions-Team über Schulen, Jugendzentren, Gemeinden und Moscheevereine.

Um zu verhindern, dass extremistische Gruppen, wie beispielsweise politische Salafisten und Dschihadisten, Anhänger generieren, geht es in den Gesprächen mit Jugendlichen auch immer um Identitätsfindung, das heißt um Fragen wie, wer bin ich, wo fühle ich mich zugehörig und wie wollen wir zusammenleben? Diese Fragen bewegen Jugendliche und junge Erwachsene. Eigene Ideen und Antworten darauf zu entwickeln, stärkt junge Menschen in Bezug auf die Schwarz-Weiß-Malerei extremistischer Akteure. In den Gesprächen mit Vereinsvertretern und Fachkräften werden die dem Extremismus zugrunde liegenden Konzepte analysiert. Dazu gehören die Suche nach Anerkennung und Lebenssinn, die Erfahrung von Diskriminierung und das Befolgen extremistischer Ideologien. Thematisiert wird auch die ambivalente Wirkung von Religion. Denn der Glaube kann einerseits Sinn stiften, ganz unterschiedliche Menschen vereinen sowie für Harmonie und Freundschaft sorgen, andererseits wird Religion aber benutzt, um auszugrenzen, zu diskriminieren oder wird instrumentalisiert, um Straftaten zu begründen.

Die Fortbildungen mit Fachkräften aus Schule, Jugend- und Integrationsarbeit zielen darauf ab, für die Themen Radikalisierung und Diskriminierung zu sensibilisieren und pädagogische Kompetenzen im Umgang mit diesen Situationen zu stärken. Der Zugang zu jungen Menschen läuft hingegen nicht allein über das Kognitive, sondern das Erfahren von Gemeinschaft, Vielfalt und Demokratie stehen dabei im Mittelpunkt. So beschäftigten sich Jugendliche beispielsweise mit lokaler Identität und der Frage, was zu einem offenen Wir-Gefühl beiträgt. Extremismus ist häufig eine Flucht in ein geschlossenes „Wir“. Das Bewusstmachen der eigenen Identität kann das Zugehörigkeitsgefühl zur demokratischen und pluralistischen Gesellschaft stärken und neue Impulse geben, um am Leben im Wohnviertel, in der Kommune aktiver teilzunehmen oder dieses stärker mitzugestalten.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit von PRO Prävention ist neben öffentlichen Veranstaltungen und Fachgesprächen auch eine Podiumsdiskussion, bei der es um die Frage ging, was unsere bunte Gesellschaft zusammenhält. Ein anderes Mal war Professor Dr. Arie Kruglanski von der Universität Maryland (USA) zu Gast, der seit Jahren an der Spitze der Radikalisierungsforschung steht und anerkannter Experte auf dem Gebiet der Radikalisierungspsychologie ist. Unterstützt wird das im Sommer 2016 gestartete Präventionsprojekt des Kreises Offenbach mit insgesamt 347.000 Euro von der EU und dem Land Hessen.

www.familien-blickpunkt.de



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